23. Spieltag VfB Stuttgart – 1. FC Nürnberg 1:1

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Heute wurde ein müder Sommerkick zu winterlicher Zeit geboten und zwei Mannschaften im Niemandsland der Tabelle bearbeiteten sich auf überschaubarem Niveau. Weder der VfB Stuttgart noch der 1. FC Nürnberg konnte das Spiel für sich entscheiden und obwohl Stuttgart die etwas aktivere Mannschaft stellte, geht das Unentschieden in Ordnung.

Anstatt im 4-1-4-1 anzutreten, wählte Wiesinger heute ein 4-2-3-1. Meiner Meinung nach gibt es zwei Gründe für diese Umstellung: (I) Durch den Ausfall von Klose wurde Simons in die Abwehr zurückgezogen und Wiesinger traute weder Balitsch noch Feulner die Position allein vor der Abwehr zu. (II) Der Glubb spielt normalerweise im 4-1-4-1 um die gegnerische zur Formation, in der Regel ein 4-2-3-1, zu kontern. Da jedoch Stuttgart selbst im 4-1-4-1 auftrat, stellte Wiesinger auf 4-2-3-1 um und ermöglichte dadurch direkte Zuordnungen, speziell im zentralen Mittelfeld. Das Pärchen Feulner/Balitsch kümmerte sich um Holzhauser/Gentner und Kioytake war lose Kvist zugeordnet, den er jedoch kaum unter Druck setzte.

Allgemeine taktische Ausrichtung beider Mannschaften

Allgemeine taktische Ausrichtung beider Mannschaften: VfB Stuttgart (4-1-4-1) gegen 1. FC Nürnberg (4-2-3-1). Große Räume hinter Chandler und Pinola. Kioytake weit zurückgezogen. Stuttgart mit dynamischen Mittelfeld (Holzhauser, Gentner).

Ging diese Umstellung auf? Eher nicht!

(I) Simons überzeugte zwar mit einem für einen Innenverteidiger ordentlichen Spielaufbau, Feulner und Balitsch dagegen gingen zu oft im Mittelfeld verloren. Speziell Feulner merkte man an, dass er gerne näher am Tor spielt und dementsprechend häufig zog es ihn nach vorne. Balitsch dagegen ist ein Spieler, der in der Verteidigung am liebste vorgezogen agiert und versucht den Gegner frühzeitig zu attackieren. Die Konsequenz war eine große Lücke vor unserer Abwehr. Speziell wenn die Gegenspieler dann in das Dribbling gingen und das eher langsamere Pärchen Nilsson/Simons forderten wurde es gefährlich. Auch vermisste ich eine Absicherung für den aufgerückten Chandler, sodass Stuttgart, vor allem in Person von Niedermeier, zahlreiche Diaggonalbälle in den Raum hinter diesen spielen konnte (auch bei Pinola).

(II) Die Probleme in unserem Spielaufbau verlagerten sich. Simons brachte zwar die Bälle aus der Abwehr in das Mittelfeld, dieses hatte aber enorme Probleme damit den Sturm einzusetzen. Balitsch ist per se kein besonders spielgestalterischer Sechser und Feulner dagegen fühlt sich im eigenen Ballbesitz weiter vorne wohler. Da Kiyotake kaum Bälle bekam und nicht viele Impulse von Feulner und Balitsch ausgingen, ließ sich der Japaner häufig hinter die Sechser zurückfallen und kümmerte sich um den Spielaufbau. Der Lücke hinter dem Sturm tat dies jedoch nicht gut und nur wenige Chancen wurden herausgespielt. Kanazaki zeigte ordentliche Laufwege und harmonierte gut mit Kioytake, Frantz dagegen hatte zu viel Ballverluste und wie so oft ein eingeschränktes Spielverständnis. In den Sechzehnmeterraum kam der Glubb nur selten und wenn dann vor allem mit harmlosen Flanken. Chandler, Pinola und Frantz sollte dringend gesagt werden, dass Flanken fast nur dann gefährlich sind, wenn sie hart von der Grundlinie geschlagen werden und nicht zu nahe an den Torwart kommen. Hier ist auch die Statistik sehr klar: Nur 30% der Torschüsse wurden innerhalb des Strafraums abgegeben.

(III) Die Laufwege von Frantz, Polter und Pekhart sind zu durchschaubar und zu wenig Spieler rücken bei Ballbesitz mit auf. Kioytake hatte große Probleme Anspielstationen zu finden und war dazu gezwungen immer wieder das Spiel zu verschleppen. Die Bewegung ohne Ball ist teilweise nicht bundesligatauglich – dabei wird nicht umsonst gesagt, dass der moderne Fußball in nicht zu geringen Teilen abseits des Balles stattfindet. Erfreulich war aber die hohe Passquote von 85%, die allerdings auch auf wenig Risikobälle zurückzuführen ist und kaschiert, dass einige wichtige Bälle, vor allem von Balitsch, nicht ankamen. Wieder einmal zeigte sich, dass Nürnberg gegen reaktive Mannschaft Probleme hat und es dem Glubb schwerfällt das Spiel zu machen.

Insgesamt war das Spiel heute relativ ereignislos. Der 1. FC Nürnberg übernahm die Kontrolle des Spiels, scheiterte aber an der spielerischen Umsetzung. Wie so häufig war die reaktive Mannschaft das gefährlichere Team, das mehr Chancen und noch dazu von höherer Qualität hatte. Es braucht kurz- bis mittelfristig, auf jeden Fall in dieser Saison, eine Veränderungen auf der Position von Balitsch (Ildiz!) und auch Frantz ist in der jetzigen Form kaum bundesligatauglich. Ich hoffe, dass die angesprochenen Punkte gegen Freiburg umgesetzt werden, denn die prinzipiell gute Arbeit der Mannschaft sollte sich endlich auszahlen. Gegen Hannover und auch gegen Stuttgart wären mehr als nur zwei Punkte möglich gewesen.

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Ein Kommentar zu 23. Spieltag VfB Stuttgart – 1. FC Nürnberg 1:1

  1. Exilfrange sagt:

    Danke für die gute Analyse Chaos, war gewohnt gut – ich muss aber doch noch einige Punkte in der Kritik verstärken. Kiyotake hatte einige Ballverluste zur Unzeit, er muss sich verbessern den Ball unter Druck zu halten. Hat er Kontrolle weiß er damit umzugehen, keine Frage, aber die enge Deckung und das agressive Pressing des Gegners schmeckt ihm überhaupt nicht. Ausserdem sollte er sich häufig etwas mehr trauen und den Diagonalpass eben auf Hoffnungsbasis spielen, dass jemand ihn erläuft. Wenn er es nie probiert, sondern abschwenkt, formiert sich der Gegner eben wieder. Dann läuft man auf eine geordnete Defensive zu, die den Ball meist erobert. Dann aber deutlich gefährlicher, als wenn der Ball in die Spitze schief geht. Zu Balitsch und Frantz hast du alles gesagt, Feulner werden wir nächste Woche hoffentlich wieder zentral und als 8er sehen.

    Zudem sei angemerkt: Es sind zwar erst 6 Spiele vergangen, aber noch kann man den Fortschritt nicht wirklich sehen. Positiv: Es ist definitiv auch kein Rückschritt zum Vorgänger. Ich hoffe der Trainer fasst sich jetzt ein Herz und geht ein paar Dinge noch mutiger an.

    Achja noch eine Anmerkung zu einem Satz von dir:
    „Gegen Hannover und auch gegen Stuttgart wären mehr als nur zwei Punkte möglich gewesen.“

    Heute wärs sicher möglich gewesen, weil Stuttgart eigentlich auch nicht sehr viel einfiel, verdient wärs nur nicht gewesen. Seien wir ehrlich, der Ausgleich war schon schmeichelfhaft – verweigerter Elfmeter hin oder her (und ja, von denen gabs diese Saison echt genügend).
    Allerdings sind wir auch mit einer ziemlichen Notelf angetreten, besonders Außen. Dazu muss man erfreut sagen, dass Esswein heute zumindest mal wieder angedeutet hat, kein Totalausfall mehr zu sein. Wenn nächste Woche Klose (hoffentlich, wobei ich überrascht war, dass hinten ohne hin nicht mehr Hühnerhaufen war als tatsächlich) Mak und vielleicht auch Gebhart wieder einsteigen, dann braucht man einen Frantz in meinen Augen nicht mehr aufbieten. Die offensiven Außenbahnoptionen sind dann deutlich verbessert.

    Schwierig wird es nur mit dem Ersatz für Chandler, der mir wie dir offensiv mal wieder nicht gefallen hat, defensiv aber insgesamt bisher noch nie richtig ersetzt werden konnte (Feulner durchwachsen, Balitsch katastrophal). Vielleicht ist Platte ja eine Option auch auf rechts, wir weden sehn.

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