Vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart: Die Club-Woche

Spieltag_vorschau1Gute Nachrichten: Am Donnerstagabend hat unser Gegner am Samstag ein anstrengendes Europa-League-Spiel hinter sich bringen müssen, das bei nicht mal 48 Stunden Regenerationszeit ein großes konditionelles Problem darstellen könnte. Schon bei Hannover 96 konnte man letzten Sonntag die Folgen der Europacup-Strapazen nur allzu gut beobachten und musste sich vielleicht auch irgendwo fragen, ob eine weitere Europa-Tournee unseres Clubs in naher bis mittelfristiger Zukunft nicht doch ein Himmelfahrtskommando in Richtung zweiter Liga wäre. Fakt ist: Für Europa braucht man einen Kader, der auch mit drei bis vier verletzten Stammspielern noch wettbewerbsfähig ist und mit der Doppelbelastung umzugehen weiß.

Bei Stuttgart kann man sehen, dass die Kaderplanung für einen Erfolg in Europa und in der Bundesliga gleichzeitig nicht ausgelegt war. Mit einiger Anstrengung schafft man es gerade so, dem Abstiegskampf fern zu bleiben und bewegt sich im wahrsten Sinne des Wortes „auf Augenhöhe“ mit unserem FCN. Während es für uns immer noch einen Erfolg darstellt, dass wir diese Saison ohne tiefere Existenzängste verbringen dürfen, strebt der VfB nach Höherem – und verzweifelt daran. Exemplarisch für die Probleme dieses selbsternannten Europacup-Abonnenten darf man das Mittelfeld hernehmen, das in dieser Saison ganze 5 Tore beisteuern konnte. Man ist sehr abhängig von den beiden Stürmern Harnik und Ibisevic, die es auf zusammen 16 Treffer bringen.

Mit dem Vorteil der spielfreien Woche, einem weitgehend gesunden Kader (es fehlen nur Mak (muskuläre Probleme), Ildiz (Adduktoren) und Gebhart (Trainingsrückstand)) und der richtigen Einstellung sollte dieser VfB Stuttgart eine machbare Hürde für unsere Nürnberger sein. Wenn man in dieser Saison etwas bemängeln muss, dann unsere magere Auswärtsausbeute: Zwei Auswärtssiege, drei Unentschieden und sechs Niederlagen sind eher enttäuschend und werden den sehr soliden Auftritten zu Hause nicht gerecht. In Stuttgart kann man diesen Trend stoppen und Selbstbewusstsein für die weiteren Auftritte in der Ferne sammeln.

Coach Wiesinger macht auf mich einen sehr guten Eindruck in seinen ersten Wochen als hauptverantwortlicher Trainer. Das Team hat das Selbstvertrauen, auch wiederholte Rückschläge, wie zuletzt die beiden Rückstände gegen Hannover, zu verdauen und erfreut auch taktisch durch eine etwas spielfreudigere und risikobereitere Ausrichtung. Mut macht auch, dass die defensive Stabilität weitgehend erhalten geblieben ist, mal abgesehen von gewissen Blackouts gegen Hannover und die spielstarken Dortmunder. Auf diesen ersten Erkenntnissen kann man aufbauen, auch durch unsere Neuzugänge, die bislang gefallen haben. Trotzdem bleibt natürlich noch einiges zu tun. Im letzten Spiel konnten wir beobachten, wie schwer wir uns noch mit Spielkreativität tun, gerade im defensiven Mittelfeld gibt es hier noch Steigerungspotential.

Nach der Aufregung um die Stadionumbenennung war es ansonsten diese Woche recht ruhig rund um den Valznerweiher. Heute jedoch sorgte Martin Bader mit einem Kicker-Interview bezüglich eines möglichen Stadion-Neubaus für einige Diskussionen unter uns Fans. Natürlich sollte jedem Club-Anhänger klar sein, dass der komplett in den Sand gesetzte Umbau zur WM 2006 einen Wettbewerbsnachteil darstellt, den man nur durch teure Um-, bzw. Neubauten korrigieren kann. Ja, unser Stadion ist noch sehr schön, doch leider sind Logen heutzutage eine Überlebensversicherung für alle Bundesligavereine, von der unser Club leider mit den jetzigen baulichen Gegebenheiten kaum profitieren kann. Insofern muss man Herrn Bader uneingeschränkt recht geben, wenn er nun einen Neubau forciert und dabei auch nicht vor einem Konflikt mit der Stadt Nürnberg zurückschreckt.

Dennoch stellt sich mir die Frage, woher das viele Geld, dass so ein Neubau (oder ein kompletter Umbau des Max-Morlock-Stadions nach „Stuttgart Style“) verschlingt, herkommen soll: Es bräuchte massive Investitionen von außen, die ich in unserer wenig profisportfreundlichen Region einfach nirgendwo ausmachen kann. Natürlich wäre auch zweifelsfrei klar, dass ein neues Stadion von Anfang an einen Sponsorennamen tragen müsste, um wenigstens einen Teil der Kosten tragen zu können. Noch dazu gibt es innerhalb der Fanszene immer noch teils vehemente Vorbehalte gegen die „seelenlosen Einheitsarenen“, die überall im Land aus dem Boden gestampft werden. Ein 1. FC Nürnberg würde seinem Ruf nur gerecht werden, wenn er etwas hinstellt, das sich irgendwie positiv absetzt von den Einheitsklötzen à la Augsburg, Mainz und Hoffenheim. Ob dies auch zwangsläufig teurer wäre, sollte vorab gründlich geprüft werden, ehe man die Machbarkeit eines Stadions mit Flair und Charakter möglicherweise vorschnell verwirft.

Sollte der Prozess der Stadionplanung wirklich forciert werden, müssen wir Fans unseren Teil dazu beitragen und unsere Beteiligung an der Debatte einfordern. Dieser Verein kann nur gemeinsam mit seinen treuen Anhängern eine derart weitreichende Entscheidung treffen. Was dabei herauskommt, wenn die Stadt ohne breit geführte Diskussionen mit Verein und Fans einen Umbau bewerkstelligt, hat sich ja im letzten Jahrzehnt gezeigt: Die Baukosten waren so hoch, dass man dafür fast ein komplett neues Stadion hätte haben können; die veraltete Dachkonstruktion und die wackligen Tribünen müssen weiter durchhalten; die Logensituation ist eines Bundesligisten nicht würdig; die Leichtathletikbahn, die angeblich bei jährlichen Events Verwendung finden sollte, liegt seit Jahren ungenutzt im Sichtfeld der Fußballfans und mindert die visuelle Qualität des Stadionbesuchs erheblich. Das Achteck ist ein Stück Heimat, doch leider wurde die Chance verpasst, es fit zu machen für das 21. Jahrhundert. Wie schnell sich dieser Fehler ausgleichen lässt, wird die Zukunft zeigen. Bis dahin wird der Club es immer ein Stückchen schwieriger haben als fast der gesamte Rest der Konkurrenz, und dies kann nicht im Interesse von irgendwem sein, dem etwas am FCN liegt.

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Ein Kommentar zu Vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart: Die Club-Woche

  1. Exilfrange sagt:

    Danke fürs Einspringen, Maddin!

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