22. Spieltag 1. FC Nürnberg – Hannover 96 2:2

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

In den bisherigen Spielen der Rückrunde waren die Rollen klar verteilt und der 1. FC Nürnberg nahm jeweils die Rolle des Außenseiters ein. Eine solche strikte Trennung lag am heutigen Tag nicht vor und der Glubb sah sich zum ersten Mal dazu gezwungen selbst das Spiel zu machen.

Hannover trat etwas überraschend im 4-4-2 an. Die Unterzahl im zentralen Mittelfeld wurde bewusst in Kauf genommen um im Konterspiel zwei nahe am Tor gelegene Anspielstationen zu haben. Bereits die Formation deutete darauf hin, dass Hannover mit schnellem Umschalt- und Flügelspiel zum Erfolg kommen wollte. Der Glubb dagegen präsentierte sich in seinem bekannten System.

Allgemeine taktische Ausrichtung beider Mannschaften. Hannover war wenig weiter aufgerückt als der 1. FC Nürnberg. Feulner und Balitsch standen dem Pärchen da Silva Pinto/Hoffmann gegenüber. Die Außenverteidiger waren bei beiden Mannschaften weit aufgerückt. Feulner und Kiyotake wechselten regelmäßig die Position. Mit Pfeilen dargestellt sind typische Laufwege einzelner Spieler. Gestrichelte Linien mit Doppelpfeil weisen auf Positionswechsel hin. Farbkegel indizieren Pressing, bzw. Mannorientierung.

Hervorzuheben ist dabei vor allem das Zusammenspiel von Feulner und Kioytake. Während bei gegnerischen Ballbesitz Feulner im halbrechten zentralen Mittelfeld spielte und Kioytake die Außenposition hielt, wechselten sie im Ballbesitz, speziell im vorderen Angriffsdrittel, ihre Position. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass bei gegnerischem Ballbesitz ausreichend Druck auf das defensive Mittelfeld des Gegners ausgeübt wird und andererseits Kioytake im Ballbesitz aus der Mitte heraus seine gute Übersicht in das Spiel bringen kann. Erfolgte der Spielaufbau über die rechte Seite blieb Kiyotake häufig auf der Außenbahn um sich für den ersten Ball anzubieten und Chandler zu entlasten. Erst danach zog er in die Mitte. Vermutlich sollte dadurch unterbunden werden, dass Nilsson und Chandler – wie leider zu häufig – sinnlose hohe Bälle in den Angriff schlagen.

Dadurch, dass Kiyotake häufig etwas nach innen gerückt agierte, hatte Pander sehr viel Platz und war an vielen Offensivaktionen beteiligt. Dadurch ermöglichte er auch den Weg von Huszti in die Mitte, ohne dass dabei die Außenbahn unbesetzt war. Auf der anderen Seite, auf der Frantz direkt Sakai stellte, war dieser Effekt nur sehr selten zu sehen. Wenn Ya Konan in die Mitte zog, kümmerte sich in der Regel Simons sehr gut um ihn. Pinola und Frantz hatten folglich eine zwei zu eins Überzahl auf der linken Außenbahn.

Hannover wurde im Zentrum gut unter Druck gesetzt und bedingt durch das Pressing von Feulner und Balitsch und die Unterzahl in der Zentrale hatten da Silva Pinto und Hoffmann kaum Einfluss auf das Spiel der Hannoveraner. Das Spiel wurde fast ausschließlich über die Außenbahn vorgetragen und Hannover konnte in seiner Paradedisziplin, dem schnellen Umschaltspiel, punkten. Um etwas in Ballbesitz zu kommen, bzw. dem Pressing zu entziehen, ließ sich da Silva Pinto hinter Pander fallen und Hoffmann schob sich regelmäßig zwischen die beiden Innenverteidiger.

Heute zeigte sich jedoch auch wieder, dass es dem 1. FC Nürnberg sehr schwer fällt das Spiel zu machen. Zu oft wird darauf vertraut, dass eine von unzähligen Flanken doch ihr Ziel findet und dadurch ein Tor erzielt werden kann. Speziell bei Chandler steht dabei das Verhältnis von Qualität zu Quantität in keinem Verhältnis. Aber auch die Flanken von Feulner, Frantz und Pinola sind kaum besser. Im Zentrum, dabei sind vor allem die Spieler Simons und Balitsch angesprochen, wird zu wenig zur Spielgestaltung beigetragen und so bleibt ein ums andere Mal nur der leicht zu verteidigende Weg über die Außenbahn. Unser kreatives Zentrum trägt aber nicht die alleinige Schuld, denn Bewegungsarmut und „wahnwitzige“ Laufwege, vor allem von Frantz und Pekhart, tragen auch nicht unbedingt dazu bei die Spielgestaltung zu erleichtern. Dennoch waren kleine Verbesserungen im Vergleich zur Hinrunde zu erkennen. Polter, Mak und Kanazaki brachten mehr Tempo und mehr Dynamik in die Partie. Vor allem Kanazaki zeigte tolle Ansätze (Technik und Spielverständnis), und wenn er so weiter macht, dürfte er Frantz bald den Rang abgelaufen haben.

Die Taktik jedoch war heute nicht der spielentscheidende Faktor. Der 1. FC Nürnberg dominierte das Spiel, Hannover 96 konterte – die Tore fielen aber allesamt nach individuellen Fehlern. Ärgerlich ist meiner Meinung nach vor allem, dass wir zu oft das Spiel verschleppt, bzw. verlangsamt haben und zu selten Tempo gegangen sind. Die Mannschaft rückte häufig viel zu spät nach und die Kontermöglichkeiten für den Glubb sind an einer Hand abzuzählen. Ich hatte mir da etwas mehr erwartet – speziell im Hinblick darauf, dass Hannover erst am Donnerstag ein Spiel absolviert hat und womöglich, zumindest in der Anfangsphase, noch etwas müde wirkte.

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