Westblick #8: Kampf der Spielphilosophien

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Am Sonntag Abend bricht sie an, die dunkle Jahreszeit. Gemeint ist nicht der Winter, den wir schon lange haben, sondern das Grauen namens spielfreier Zeit (den Pokal klammere ich alsnicht Havelse-vor-Ort-Zeuge mal bewusstauf aus). Auch wenn es um Weihnachten herum berechtigterweise mal um etwas anderes als den Fußball geht, ab dem 1.1.2013 ist er wieder Thema. Das Transferfenster öffnet. Keine schöne Zeit, wenn man mal wieder nachlesen darf, welche Mäzen sich wieder eine neue Truppe zusammenkaufen und wir zusehen, wie die Konkurrenz (vermeintlich) aufrüstet. Der Sport gerät in dieser unseligen Zeit zur Nebensache, alles worum es sich dreht, sind Ablösesummen, Handgelder, Gehälter, Vertragslaufzeiten und ganz ganz viel Spekulatius. Noch ist es aber nicht soweit, noch steht ein Leckerbissen vor der Tür.

Der Glubb beschließt die Hinrunde in der letzten Partie 2012 in Bremen. Und es könnte spannender kaum sein, denn die Grünen zeigen sich momentan schwer ausrechenbar. Im Zickzack eilen sie von Sieg zu Niederlage und zurück, kassieren hier eine Klatsche um dort wieder groß aufzuspielen. In Heim- sowie Auswärtstabelle stehen sie auf Platz 11 (und damit je einen Platz besser als zusammengenommen), auch hier sind sie Meister der Unkonstanz. Auch der Club ist weder heim- noch auswärtsstark, dafür aber zuletzt in guter Form. Das gegen eine per se starke Defensive wie gegen Düsseldorf ein Mittel gefunden wurde ist eine Qualität, die wir zum Beispiel nach dem Rückstand gegen Leverkusen noch schmerzlich vermisst haben und Sinnbild des kürzlichen Aufschwungs. Es tut sich etwas beim Glubb und seiner Offensivsschwäche, auch wenn das Herzstück der Mannschaft nach wie vor die Defensive, oder besser gesagt die Defensivarbeit ist. Als Hecking die Mannschaft von Oenning übernahm, war es das erste was er etablierte. Er schloss die Schießbude. Und bei diesem Weg, den er zuvor auch in Hannover ging, ist er geblieben.
Ganz anders sein Pendant Schaaf, dessen Mannschaft fast jede Saison ihre größte Schwäche in der Verteidigung hatte. Die große Ausnahme bildet hier wohl die Meistersaison Bremens 2003/04. Damals kassierte man 38 Gegentore in 34 Partien, was dem zweitbesten Wert der Liga entsprach. Dieses Jahr hat man schon 28 nach 16 Spieltagen, rechnete man dies hoch, käme man auf etwa 60 Gegentreffer für diese Saison. Damit wäre das internationale Geschäft reine Träumerei. Und das, obwohl man nach zuletzt 14 Millionen Miese auf Mehreinnahmen dringend angewiesen wäre.
Bremen steht also unter Druck. Und wird sich doch auf seine Offensivtugenden stützen um uns zu bezwingen und den zwei Heimpleiten gegen den Glubb in den vorrangegangenen Saisons keine dritte folgen zu lassen. Dazu beitragen soll Rückkehrer Aaron Hunt, ein Kämpfer und Vorreiter, der dem Team in schwierigen Situationen Stabilität verleiht und dem sie in Bremen vertrauen. Dies zeigte sich auch im Derby gegen den HSV, als ihm die Mannschaft nach verschossenem Elfer auch den zweiten überließ, den er sicher verwandelte.
Hecking wiederrum steht Kiyotake wieder zur Verfügung und er demonstrierte in der Pressekonferenz jede Menge Siegeswillen. Die Fehler des Gegners zu nutzen ist seine Vorgabe für das Match und so dürfen wir den Glubb defensiv ausgerichtet erwarten. Ob dies bedeutet, dass er den defensiveren Balitsch (bzw. Simons) dem explosiveren Feulner vorzieht, bleibt abzuwarten. Möglich wäre auch ein Einsatz Feulners, was gemeinsam mit Kiyotake und Gebhart ein Kombinationsfreudiges Mittelfeld ergäbe, mit dem vielleicht auch wieder effektives Konterspiel zu sehen sein könnte.
Es bleibt spannend, wer im Kampf der Spielphilosophien den Sieg davon tragen wird und sich tabellarisch vor dem anderen positioniert.
Drin ist wie immer alles, ich behaupte sogar, dass wir den Bremern auf Augenhöhe gegenüberstehen. Ein Sieg ist das Ziel und wird hiermit auch prognostiziert, aber auch ein Punkt wäre schön, denn dann wären die magischen 20 Punkte voll. Das wäre sowas wie mein persönliches vorgezogenes Weihnachtsfest.

In diesem Sinne: Noch einmal schlafen, dann gibts Bescherung!

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Ein Kommentar zu Westblick #8: Kampf der Spielphilosophien

  1. Exilfrange sagt:

    Tja, dieses Mal wurde es nix mit der Prognose. Nach 3 mal richtig tippen wieder daneben.
    Mit einem Punkt an sich kann man natürlich trotzdem gut leben.
    Dass es aber SO kommen musste, das ist mal wieder Glubb pur. Nix gebacken gekriegt, ewig Glück, dann die Führung kurz vor Schluss, aber der Schiri gönnt dir den dreckigen Sieg nicht.

    War mal wieder eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aber hey, nicht verloren, trotz mäßiger Leistung und 20 Punkte 🙂

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