Fußballkultur und Tradition in Fürth

Das Frankenderby steht an. Es ist endlich wieder so weit, die Stadt knistert, die Gemüter kochen hoch. Die Presse titelt verstärkt auf dieses Spiel hinweisend, es gibt beeindruckende Bilderstrecken und Berichte über die beispiellose Tradition dieses Aufeinandertreffens.

Nicht nur die Fanlager auf beiden Seiten fiebern schon seit Monaten diesen Tagen entgegen. Nachdem das Derby gegen München rot aus Nürnberger Sicht für Fans und Mannschaft hervorragend ausging blieb bereits am Samstag ein mulmiges und drückendes Gefühl. Ein noch nie dagewesenes Polizeiaufgebot, dass sich bereits am Hauptbahnhof möglichst martialisch, ganz in Schwarz und aufgereiht präsentierte, trieben die Fans beider Vereine an sog. „Wellenbrechern“ vorbei und kontrollierten verstärkt Menschen aller Altersgruppen und von jedem Coleur. Das ist nicht meine Vorstellung von einem Fußballnachmittag. Auch nicht wenn der 1. FC Nürnberg gegen München oder Fürth spielt. Bereits am vergangenen Samstag äußerte ich mehrfach, dass ich „mal gespannt sei, was Ihnen am nächsten Samstag so alles einfällt“. In meinen kühnsten Träumen hätte ich allerdings nicht erwartet, was nun an Repression aufgefahren wird, um allen (!) Nürnbergern diesen denkwürdigen und freudigen Tag so madig wie nur irgend möglich zu machen.

Es ist löblich und nicht zuletzt der guten und nie ermüdenden Arbeit der Fanszene, aber natürlich vor allem auch der Einsicht, das Verständnis und dem engen Kontakt des 1. FC Nürnbergs ins eigene Fanlager zu verdanken, dass im Max Morlock Stadion Auswärtschoreografien (mit einigen Ausnahmefällen aufgrund von schwerem Fehlverhalten im letzten Spiel bei uns) genehmigt werden. Ein Großteil der IG Zukunft befindet sich während der Heimspiele des 1. FC Nürnberg im Block 3 und erfreut sich regelmäßig an dieser Facette des Fantums. Auch die SpVgg brachte eine große Gäste-Choreografie mit zum Spiel gegen uns, den Erzrivalen, welche auf allerhand Fanseiten (beide Lager), in der Presse und auch auf den offiziellen Vereinshomepages gerne verlinkt wurde. Welchen Zweck Polizei, Stadt und vor allem die Spielvereinigung darin sieht, Nürnberg nun im Gegenzug eine Choreo im Ronhof zu verbieten erschließt sich mir nicht! Gerade Nürnberg sticht seit Jahren eben NICHT durch wilde Feuershows heraus, sondern durch besondere Kreativität und unbändigen Einsatz für viele, große und beeindruckende Choreografien. Warum diese positive und kreative Seite des Fußballs bei einem so wichtigen Spiel derart beschnitten wird ist mir gänzlich unverständlich und dem kann nur mit großflächigen Protesten und Meinungsäußerungen begegnet werden.

Nun sind wir als IG-Zukunft keinesfalls eine Ultra Gruppierung, wir bewegen uns im ganz normalen Fantrott des 1. FC Nürnbergs, ein gemischter bunter Haufen, der sich auf jeder Ebene stets vernünftig verhalten hat und der Spaß daran hat, sich zu engagieren und dem 1. FC Nürnberg wo wir mit unseren Mitteln und Fähigkeiten helfen können, zur Seite zu stehen. Trotzdem sehen wir als normale Fans uns nun offensichtlich um unsere völlig selbstverständlichen Rechte beschnitten – wohlgemerkt obwohl keiner von uns je auffällig war, oder gar etwas verbrochen hätte.

Um dies zu verdeutlichen: Mir selbst ist es zum Beispiel durch den Repressionswahn rein rechtlich gesehen sogar untersagt, am Abend eine zufällig in meiner ehemaligen Wohngemeinschaft (in der Fürther Innenstadt) stattfindenden Geburtstagsfeier zu besuchen und dort – wie es seit jeher üblich ist – mit den anwesenden Fans der SpVgg über das Derby hitzig zu diskutieren, sich gegenseitig anzufrotzeln und über vergangene Aufeinandertreffen von Fürth und Nürnberg zu schwärmen. Wohl gemerkt gab es derartige Feiern nicht nur dort, sondern an vielen Orten in beiden Städten schon sehr oft und ich kann von keiner gewalttätigen Auseinandersetzung berichten, sondern nur von Fußballkultur wie sie schon von unseren Großvätern größtenteils gelebt wurde.

Mit großem Bedauern und Kopfschütteln sehen wir die Repressionen seitens der Stadt und Polizei Fürth sowie der SpVgg auch im Bezug auf die Lage um den Fußball in Deutschland insgesamt. Der Wahn geht weiter, die Spirale dreht sich. Und es wird für mich immer offensichtlicher, dass von Behördenseite der Fußball als Sündenbock und geradezu gigantisches mediales Ablenkungsmanöver herhalten muss. Der DFL kommt dies gerade Recht – denn es drängt sich nahezu unvermeidlich der Verdacht auf, dass der Ball, der ihnen regelmäßig von der versagenden Politik und der Polizei zugespielt wird nur zu gerne verwenden, um die Fanlandschaft, die seit über hundert Jahren in Deutschland wächst und zu einem festen Bestandteil des Alltags jedes Bürgers geworden ist, einer gehörigen Umstrukturierung nach den Ihren Wünschen zu unterziehen. Die kritische, aktive Fanmasse wird derzeit mit aller Macht zurückgedrängt, um dann Entscheidungen um Kartenkontingente, Preiserhöhungen, Spieltagsverzerrungen, etc. unproblematisch und ohne Gegenwehr fällen zu können. In diesem Zusammenhang verweisen wir als IG-Zukunft auch auf die Internetseite: http://www.ich-fühl-mich-sicher.de, auf der man sich als Fan gegen die ständige mediale Wucht stellen kann, dass Deutschlands Fußballstadien zu einem unbändigen Moloch für Raufbolde geworden sei – Das Gegenteil ist der Fall, und es ist sehr wichtig, dass sich JEDER Fußballfan hier einträgt und somit mit seiner Stimme für unsere Traditionen und Kultur einsteht. Verschickt den Link und erzählt Euren Freunden und Eurer Familie von Euren Erlebnissen im Stadion, und dass die Wirklichkeit eben keinesfalls diesem gezeichneten Bild entspricht.

Der 1. FC Nürnberg rühmt sich zu Recht mit dem Slogan „Fußballkultur seit 1900“. Ich appelliere an die bereits oben erwähnte Einsicht und den Verstand der Verantwortlichen des ruhmreichen 1. FC Nürnbergs, diesem erneuten Angriff auf die Fußballkultur – und nichts anderes als eine über eine Dekade angewachsene Tradition und Kultur ist diese älteste Deutsche Fußballrivalität – nicht tatenlos hinzunehmen. Ich bin mir sicher, dass die Vereinsführung bereits im Vorfeld all Ihre Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um diese irrsinnigen Verbote zu verhindern. Es wäre nun wichtig, auch als Verein durch eine entsprechende Stellungnahme auf der eigenen Homepage sowie der Presse Geschlossenheit zu zeigen und sich nicht erneut als Sündenbock zu präsentieren und alle Fans kollektiv in der Öffentlichkeit von Fürth angreifen und (vor-)verurteilen zu lassen.

Stellt Euch hinter Eure Anhänger. Wir sind es wert, und wir leben die deutsche Fußballkultur aus Eurem Slogan Tag für Tag!

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3 Kommentare zu Fußballkultur und Tradition in Fürth

  1. Bub sagt:

    Lies bitte diese Stellungnahme der SpVgg: http://www.greuther-fuerth.de/aktuell/aktuelle-news/news-detail/article/stellungnahme.html – eine Choreo ist in Fürth nicht verboten!

  2. Exilfrange sagt:

    Das mag so sein, trotzdem bleibt zu konstatieren, dass 1. Die Fürther nur das auswärts mehr oder minder übliche Zeug genehmigt haben, damit braucht man sich nicht brüsten. 2. Hat UN die Choreo vermutlich vor Wochen angefangen vorzubereiten und sicher nicht erst gestern angemeldet. Nachdem Sie erst am Samstag eine riesen Choreo abgehalten hatten, wo es auch bereits zahlreiche Änderungswünsche gab, hatten sie nur eine Chance hier auf Wünsche der Greuther einzugehen, wenn diese rechtzeitig eintreffen würden. Jetzt, so kurz vor dem Derby, wird es aber nicht mehr gehen. Der Zeitpunkt der Absage an die Choreo kommt also einem de facto Verbot gleich.

    • Exilfrange sagt:

      Nachtrag:

      Noch nie erlaubt?

      http://yabasta.blogsport.de/images/GsteFrth_StPauli.jpg

      Diese Blockfahne ging ebenfalls komplett über den Gästebereich. War vor dem Umbau aber das sollte keine Rolle spielen.
      Die Stellungnahme der Greuther ist einfach nur verlogen.
      Selbst wenn die UN Fahne größer gewesen sein sollte als das, bliebe immernoch das Argument, dass so kurzfristig eine Absage eben auch schlechter Stil ist. Weil die Zeit fehlt noch Änderungen vorzunehmen.

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