Plädoyer für den Nichtaufstieg

Chaotische Meinungsmache

Chaotische Meinungsmache

Martin Bader äußerte sich vor der Winterpause dahingehend, dass der Aufstieg noch lange nicht abgeschrieben wäre und weiter das erklärte Ziel sei. In Anbetracht der Hinrunde, bzw. der Spiele vor der Jahreswende und nicht zuletzt aufgrund des jüngsten Auftrittes, stellt sich mir die Frage: Macht das überhaupt Sinn?

Die unmittelbare Rückkehr in das Oberhaus ist aus finanzieller Sicht ein Muss. Nur dort lassen sich die Einnahmen generieren, die das Überleben des Vereins sichern. Doch hier muss man einschränken, denn die letzten beiden Sätze treffen in ihrer Härte nur auf den 1. FC Nürnberg zu, dessen finanzielle Planung offensichtlich derart Spitz auf Knopf steht, dass die dauerhafte Erstligazugehörigkeit die Voraussetzung für alles Weitere ist. Die Gerüchte, die momentan rund um die finanzielle Situation des Ruhmreichen kursieren, lassen Schlimmes erahnen und stellen die von Vereinsseite aus so gern zitierte „solide finanzielle Basis“ mehr als nur in Frage. Es sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt, dass die Interessensgemeinschaft Zukunft bereits vor Jahren dem Verein nahelegte ein ligenunabhängiges Konzept zu entwickeln. Im Moment stellen Abstiege, von Vereinsseite auch gerne als Betriebsunfälle betitelt, nämlich nicht dieselben dar, sondern sind nichts weniger als Existenz-bedrohend.

Ich stelle mir nicht die Frage nach dem sofortigen Wiederaufstieg, sondern viel mehr, wie man aufsteigt um danach möglichst viele Jahre im Oberhaus zu verbringen. Ich halte es für höchst fragwürdig den Aufstieg mit einer Mannschaft zu forcieren, die überhaupt nur durch einen finanziellen Kraftakt die Chance auf den Klassenerhalt hätte. Dieser wäre jedoch notwendig, um die vorausgehenden Investitionen zu tragen. Im Moment erscheint mir sinnvoller, den für seine Fähigkeiten viel zu teuren Kader auszumisten und neue Spieler zu holen, die mittelfristig das Potential zu soliden Erstligaspielern besitzen. Ich behaupte: Von Vereinsseite aus ist der Aufstieg das erklärte Ziel, und auch den darauffolgenden Klassenerhalt würde man mitnehmen, aber eben nicht forcieren. Es geht um die kurzfristige Versorgung mit TV-Einnahmen und darum ein Jahr weiter wurschteln zu können.

Es scheint so, dass Martin Bader nach wie vor den Aufstieg fordert, weil es absurderweise – für den 1. FC Nürnberg wohlgemerkt – finanziell weniger schmerzhaft ist, aufzusteigen ohne Chance auf den Klassenerhalt, aber mit der Möglichkeit auf kurzzeitig höhere Einnahmen, als eine Mannschaft im Unterhaus aufzubauen. Dies zeigt, dass der Verein längst ein Sklave seiner Finanzen geworden ist, oder anders formuliert, ohne ligenunabhängiges Konzept muss der Glubb die sportliche Entwicklung den finanziellen Zwängen in einem ungesunden Maß unterordnen.

Mit Hinblick auf die Tabellensituation muss ich mich nicht mehr groß gegen den direkten Wiederaufstieg aussprechen. Aber unabhängig davon plädiere ich für den Nichtaufstieg. Der Ruhmreiche muss sofort ein Konzept entwickeln, dass sowohl in der 1. als auch in der 2. Bundesliga Tragfähigkeit garantiert und ein „organisches Aufsteigen“ mit realistischer Chance auf den Klassenerhalt erlaubt. Ein Abstieg darf schmerzen aber nicht ruinieren, das gleiche gilt für drei Jahre Zweitklassigkeit. In diesen Punkten, wie in so vielen anderen auch*, haben die Vorstände des Glubb in den letzten Jahren völlig versagt und es darf berechtigter Zweifel daran herrschen, dass die Absetzung des Finanzvorstandes allein genügt um das Ruder herumzureißen.

*Exemplarisch sei a) die Kaderzusammenstellung genannt, die von Jahr zu Jahr groteskere Züge annimmt, b) die Kommunikation mit der Öffentlichkeit in Form von unverbindlichem Gewäsch mit Tendenz zu Aussagen, die leiht fehlinterpretiert werden können (Stichworte „solide finanzielle Basis“, „100%ige Reinvestition der Transfereinnahmen“, „Winterneuzugänge“) und c) die jämmerliche Stadiondebatte, die immer dann hervorgekramt wird, wenn es ungemütlich wird.

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