Westblick #34: Schande (sportlicher Teil)

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Ich habe ein paar Tage gebraucht, um über den Spielverlauf vom Montagabend insoweit hinwegzukommen, dass ich ausreichende Lust verspüre, einen Kommentar abzugeben. Neben der sportlichen Schande sind am Montag und in den Tagen darauf aber noch weitere Dinge passiert, die ich gerne ansprechen würde.
Dies tue ich aus meinem ganz persönlichen Standpunkt vom jetzigen Zeitpunkt der Artikelerstellung her. Weder soll dies eine offizielle Stellungnahme der IG Zukunft sein, zumal ich von einigen Mitgliedern weiß, die meine Ansichten nicht oder zumindest nicht ganz teilen, noch ist diese meine Meinung in Stein gemeißelt. Sowohl durch Argumente als auch durch kritische Reflexion kann sich dies ändern. Genauer: Ich würde mich freuen, wenn ihr euch an einer Diskussion beteiligen würdet und zwar nicht nur wenn ihr zustimmt, sondern umso mehr, wenn ihr sachliche Gegenargumente habt.
Sich nur mit Zustimmenden zu umgeben halte ich für langweilig und sinnlos.

Hier ein kleiner Abriss der Fakten, die ich gerne nachfolgend beleuchten und kommentieren möchte.

1. Der FCN hat auf amateurhafte Weise gegen biedere Fürther 5:1 verloren.
2. Martin Bader hat sich nach dem Spiel nicht im Interview geäußert.
3. Bei einem Feuerlöscherwurf in der U-Bahn wurde eine völlig Unbeteiligte verletzt
4. Es kam zum Abbrennen von Pyrotechnik (Bengalos, Rauchtöpfe) fast im ganzen Spielverlauf
5. Dem FCN drohen harte Strafen, insbesondere ein bisher zu Bewährung ausgesetzter Teilausschluss des Publikums.
6. Die Punkte 3-5 veranlassten Günther Koch zu einer Stellungnahme in den Medien

Versager

Diese Niederlage wird noch lange wehtun. Die Spieler schienen es selbst kaum zu begreifen, was ihnen da widerfahren war.

1. Eine detaillierte Spielanalyse will ich hier nicht vornehmen. Was ließe sich da auch groß sagen? Bitte, hier ein kleiner Ausblick, nichts davon wäre in irgendeiner Weise neu oder besonders beachtenswert: Das 4-4-2 mit der Ausführung „flache 4“ beinhaltet keinen 10er. Und dieser Raum ist bei uns dann auch oft unterbesetzt. Das Zusammenspiel unserer Stürmer gefällt mir nicht wirklich, die 6er Reihe war (Ausfall Polak hin oder her) schwach und dem Fürther Mittelfeld fast durchgehend unterlegen. Das Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile war dürftig, aber am schlimmsten war die Vielzahl an individuellen Fehlern. Nun bin ich persönlich überhaupt kein Freund dieses Begriffs, da er in meinen Augen inflationär gebraucht wird, insbesondere in Situationen, wenn die Mannschaftsabstimmung nicht passte. In der Entstehung eines Tores gibt es selten „den“ Moment eines Fehlers, sondern es kommen häufig eine ganze Menge Faktoren zusammen. Schaltet man auch nur einen aus, passiert das Tor nicht. Und diese Einschränkung möchte ich auch hier vornehmen, das eine oder andere Tor entstand aus schlecht geordneten Abwehrreihen heraus, bei denen 2 darauf anlaufende Fürther ausreichten, dass überhastete und unpräzise Querpässe gespielt wurden, statt ruhig und abgeklärt zu agieren. Trotzdem können das seltsame Stoppverhalten von Pinola, Pachoniks Fehler und natürlich Schäfers Fehlgriff doch als individuelle Patzer bezeichnet werden, die auch in Bedrängnis nicht passieren dürfen. Insbesondere im Fall der beiden „Leitfiguren“ ist das besonders schwer zu verpacken, schließlich ist ihr Führungsanspruch nur zu rechtfertigen, wenn sie diesen auch mit Leistung begründen. Zumindest am Montag war dies niemals der Fall und die Frage muss zumindest erlaubt sein, warum man bei einem Komplettneuanfang auf einen Keeper setzt, der die besten Zeiten absolut hinter sich hat. Diese Entscheidung war meines Erachtens ein gravierender Fehler in der Kaderplanung.

Meister der Schande

Martin Bader (Archivbild 2004) sollte sich schnellstens ans Telefon setzen und für die versprochenen Hochkaräter sorgen.


2. Dies führt uns zu Punkt 2, Martin Bader. Mich interessiert meist nicht besonders, welche inhaltsleeren Phrasen Profis und Verantwortliche nach dem Spiel zum Besten geben. Es gehört halt dazu, dass man etwas sagt, aber häufig bieten die Fragen der Reporter auch nicht viel mehr Raum als „ich bin froh, dass wir gewonnen haben.“/“Mein Tor ist nicht so wichtig, wichtig ist dass wir gewonnen haben“/“Heute hat es nicht gepasst, schade, Mund abputzen….“/usw., usf.. Also könnte es mir egal sein, dass Martin Bader nichts sagte, nach dem Derby der Schande. Oder aber man zieht in Betracht, dass er der Verantwortliche mit der beachtlichsten Medienpräsenz auf Vereinsseite ist. Das heißt, sein Nichtkommentar war ein Statement. Wolfgang Wolf äußerte sich an seiner Stelle und das, obwohl er in den letzten Wochen kaum an die Öffentlichkeit ging, selbst bei Transfers, die eigentlich sein Metier sein sollten. Nein, da haben wir immer und immer wieder Baders Kommentare gehört. Es hätte sich in meinen Augen daher gehört, auch die Schande zu kommentieren. Als Kapitän verlässt man das sinkende Schiff nicht und wenn man ehrlich nachdenkt, wer der derzeitige Macher des FCNs ist, dann kommt man auf ihn. Es ist sein Kader, denn er vermutlich unter Mithilfe Wolfs dennoch hauptverantwortlich zusammengestellt hat. Es mag sein, dass sich das Verpflichten qualitativer Spieler unter den jetzigen Umständen als sehr schwierig gestaltet. Trotzdem ist der Kader unterm Strich eine weitere Schande. Ich habe von Anfang an gezweifelt, ob es so eine schlaue Strategie ist, erst alles zu Geld zu machen und dann einzukaufen. Die abgebenden Vereine wissen, dass unsere Kriegskasse voll ist und das macht die Verhandlungen schwer. Auch bietet der ausgedünnte Kader hochwertigen Neuzugängen viel zu wenig sportliche Perspektive. Wer tut sich ein Aufstiegsunternehmen mit einem maximal mittelmäßig zweitligatauglichen Kader an? Nur mittelmäßige Zweitligakicker, wie jetzt Jürgen Mössmer. Gegen den Spieler habe ich im Übrigen überhaupt nichts, er löst unser Qualitätsproblem aber nicht. Dazu wird er auch nicht gedacht sein, aber wie alle werde auch ich nervös, wann wir es endlich tun. Wir haben die gesamte Vorbereitungszeit und zwei Spieltage verpennt, kräftig nachzulegen. Kiyotake sollte „den Unterschied“ machen in Liga zwei, so er denn bliebe. Er blieb nicht, aber Ersatz haben wir keinen Verpflichtet. Unsere Außenbahnen sind qualitativ völlig unterbesetzt. Die Abwehr wackelt. Ist das wirklich ihr Masterplan Herr Bader? Oder sind sie selbst entsetzt gewesen und konnten und wollten daher nichts sagen?

Fortsetzung mit den Punkten 3-6 folgt.

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