Westblick #26: Zeit für eine Kurskorrektur?

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Der 15. Spieltag steht bevor und auf dem Glubbkonto stehen grandiose 8 Punkte. Ein Punkteschnitt von unter 0,6. Fortuna Düsseldorf stieg letztes Jahr mit 30 Punkten ab (knapp 0,9 Punkte pro Spiel), Köln zuvor genauso, Hertha kam mit 0,911 gerade einmal in die Relegation – und stieg ab. Borussia Mönchengladbach brauchte für die Relegationsteilnahme 2011 sogar einen Schnitt von über 1.

Wäre das nicht schon beunruhigend genug, hat auch der Trainerwechsel punktetechnisch nichts bewirkt bisher. Im Gegenteil, unter Wiesinger waren es 0,66 Punkte pro Spiel – Verbeek kann nur 0,4 aufweisen, ein katastrophaler Wert. Und spielerisch? Stuttgart kann man aus der Wertung lassen, das war zu knapp. Und Freiburg und Mönchengladbach waren eigentlich sehr gute Spiele, aber gegen Wolfsburg und Leverkusen gab es auch bereits enttäuschende Phasen. Möglich also, dass der Effekt des Trainerwechsels bereits verpufft ist.

Verbeek

Die Fans müssen derzeit mal wieder ihre Leidensfähigkeit unter Beweis stellen. Dass erste Zweifel am Trainer laut werden ist angesichts der Lage nicht erstaunlich.

Und so verwundert es angesichts der allgemeinen Lage nicht, dass jetzt Stimmen laut werden, die das geöffnete Scheunentor in der Abwehr kritisieren und die den Weg und die Spielidee des Trainers für wenig tauglich für diese Mannschaft halten. Wenn man in schöner Regelmäßigkeit 3 Gegentore kriegt, sollte man dann nicht wieder „back to the roots“, zurück zur Raumverknappung statt modernen Pressings? Das alte Prinzip war stabiler, auch unsere langsame Innenverteidigung beherrschte dies. Der Punkteschnitt war besser. Spricht denn nicht alles dafür?

Nein, längst nicht alles. Zunächst einmal muss man sagen, dass auch Wiesinger diese Öffnung vorhatte. Sowohl in den ersten Pressekonferenzen als auch in Armin Reutershahns Interview nach der Entlassung war deutlich geworden. Das Trainergespann wollte gerne höher stehen, offensiver spielen lassen. Aber der Mut diesen Weg durchzuziehen, auch wenn es dafür dann teilweise heftige Watschen geben würde, den hatten die beiden nicht. Stattdessen ließen sie zu, dass die Mannschaft wieder ihren alten vertrauten Heckingstiefel fuhr. Ein Stiefel, der konstante Punktzahlen brachte, die Mannschaft aber offensiv auch lähmte. Getreu dem Motto, dass die Kopie nie so gut ist wie das Original, konnte Wiesinger aber auch damit in dieser Saison nicht bestehen.

Die Frage ist natürlich auch, ob es nur am Mut lag, die Änderung der Spielweise durchzuziehen, oder ob der Kader in Nürnberg einfach nicht geeignet ist für diese neue Idee. Ich glaube beides. Natürlich müssen wir im Winter nachlegen. Mindestens ein schneller IV muss her, an dessen Seite sich der andere dann stabilisieren kann. Zweitens muss im defensiven Mittelfeld ein echter 6er her.

Balitsch

Seine Rückkehr nächste Woche ins Profitraining zeugt vom Mangel tauglicher 6er im Kader des 1.FCN.

Hasebe ist eher ein 8er, Frantz macht das zwar teilweise gut, teilweise aber katastrophal und er ist ebenfalls kein gelernter 6er. Gerade die Kombination von Hasebe und Frantz ist gefährlich, da teilweise beide die Absicherung nicht erfüllen. Stark ist noch nicht so weit, falls er den Sprung noch schafft, momentan ist er zudem auch leicht angeschlagen. Dass angesichts dieser Tristesse Verbeek den sich in der U23 reinhängenden, aber ebenso wenig modernen 6er Balitsch wenigstens im Training dabei haben möchte, spricht Bände. Auch wenn es jetzt allen zu den Ohren rauskommt: Hier merkt man einfach, was der offensiv extrem limitierte Simons defensiv leistete, welche Lücken er zulief, was er alles antizipierte, wie er die Mannschaft stabilisierte und ihr damit Luft nach vorne gab, auch wenn er daran selbst nicht oder nur sehr selten teilnahm. Obendrauf kündigte Bader auch in der Offensive noch Verstärkung an (zumindest hat er dort ebenfalls Spieler auf der Liste), am ehesten wohl für die Flügel, wo eigentlich keiner richtig überzeugen konnten, kein Mak, kein Hlousek, ganz bestimmt kein Esswein und auch nicht Feulner.

Verbeek

Die Früchte der neuen Spielidee ließen sich noch nicht ernten. Trotz des großen Drucks, endlich Siege einzufahren, braucht dieser Weg aber auch Zeit.

Neben dem Kader ist aber auch die Mutfrage für mich ein wichtiger Punkt. Wiesinger hat das zu halbherzig gemacht, konnte sich vielleicht auch gegen die Mannschaft nicht durchsetzen den neuen Weg mitzugehen (Obacht, Spekulatius). Verbeek ist hier ein anderer Typ. Seine natürliche Autorität ist beeindruckend. Seine Spielidee ist klar. Soll Bader jetzt nach 5 zugegeben punktetechnisch katastrophalen Spielen sagen: Herr Verbeek, würden Sie uns bitte den Hecking machen, das hat damals nämlich funktioniert? Undenkbar! Nein, wenn müsste man den Trainer schon wieder entlassen. Und das nach 5 Spielen, von denen ich das Stuttgart Spiel wie gesagt nicht zähle und wo es bei den weiteren 4 zwei schwächere und 2 bombenstarke, die man eigentlich nicht verlieren kann und darf, gab. Ich glaube der Mann braucht Zeit UND Verstärkungen. Dann kann dieses Konzept aufgehen. Dann kann es uns die Tore aufstoßen in schönere Zeiten.

Es ist ihm im Übrigen bei seinem Antritt beim AZ Alkmaar nicht anders ergangen, hier die Ergebnisse seiner ersten 5 Partien:

1. Spieltag So 08.08.10 16:30 NAC Breda - AZ Alkmaar 1:1 (0:0)
2. Spieltag Sa 14.08.10 19:45 AZ Alkmaar - FC Groningen 1:1 (0:0)
3. Spieltag So 22.08.10 16:30 PSV Eindhoven - AZ Alkmaar 3:1 (1:0)
4. Spieltag So 29.08.10 16:30 AZ Alkmaar - Excelsior Rotterdam 1:1 (0:1)
5. Spieltag Sa 11.09.10 20:45 AZ Alkmaar - Roda Kerkrade 1:2 (1:1)

3 Punkte durch Remis und das in der niederländischen Liga gegen Hochkaräter wie Excelsior Rotterdam (heute 15. der zweiten Liga)!

Ungeachtet dessen brauchen wir schnell einen Sieg, damit die Mannschaft weiter an sich glaubt, damit der Abstand nach oben nicht zu groß wird. Letzterer beträgt im Moment 3 Punkte, was einen unglaublichen Glücksfall darstellt. Zwar würden wir aufgrund der Tordifferenz selbst bei Sieg und Niederlagen Freiburg und Frankfurt nicht vorbeiziehen können, wohl aber gleichziehen. Das heißt streng genommen brauchen wir zum Winter nicht nur einen Sieg, sondern besser gleich 2.

In diesem Sinne bin ich durchaus für eine Kurskorrektur, nämlich gut Spielen UND Punkte holen. Zeit, die Mainzer zu flexen!

Bildquellen: fcn.de

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