Gastbeitrag by Tequilaslayer: Eigentor macht selten froh.

Gastbeitrag

Gastbeitrag zum Bremenspiel von Tequilaslayer

Das erste Eigentor in der Bundesliga erzielte der Schalker Willi Schulz, was an sich nicht weiter schlimm war, denn die Knappen gewannen die Partie in Kaiserslautern trotzdem mit 3:2. Leider ist es dem Glubb in Bremen verwehrt geblieben, den damaligen Schalkern nachzueifern. Am Ende stand schon wieder kein Sieg, sondern ein 3:3.

Gründe dafür lassen sich einige benennen. Die Bremer machten uns das Leben schwer mit ihrem aggressiven Pressing, was unsere Spieler mit der Zeit immer mehr verunsicherte, viele Fehlpässe und Stellungsfehler waren die Folge. Zeitweise dachte ich sogar, dass ich das falsche Spiel sehe, der Glubb versuchte es doch tatsächlich dem FC Barcelona gleichzumachen, indem sie One-Touch Fußball zu zelebrieren versuchten, was aber schnell zu erkennen war, dass das der Glubb nicht beherrscht und diese Spielweise eher aus der Angst heraus, den Ball zu verlieren, geboren wurde. Bremen machte unsere rechte Seite schnell als nicht „wasserdicht“ aus, sodass man immer wieder unötig in Notsituationen kam.
So auch gleich in der Anfangsphase, als sich die Bremer plötzlich durch einen langen Pass von Cedric Makiadi über rechts auf Nils Petersen in Richtung Strafraum aufmachten. Zunächst intervenierte noch Chandler, doch das Leder konnte nicht aus der Gefahrenzone heraus gespielt werden und das machte sich der Neu-Werderaner Santiago Garcia in seinem Heimdebüt zunutze, indem er einfach mal drauf hielt. Dabanli Berkay fälschte den an sich harmlosen Ball unhaltbar ab. Damit hatte auch er wie Willi Schulz eine hübsche Zahl für sich: Es war das 999. Auswärtsgegentor des Glubbs in der Bundesliga (Nummer 1000 folgte kurz darauf), wenn das mal kein Jubiläum ist.

Berkay

Es war nicht so sein Tag, gleich an 2 Gegentoren war Dabanli beteiligt

Das nach 7 Minuten noch kein Spiel verloren ist, das weiß ein jedes Kind, oder, um es mit dem alten Sepp Herberger zu sagen: „Ein Spiel dauert 90 Minuten“. So bemühte sich auch der Glubb etwas mehr nach vorn zu spielen um den Ausgleich zu erzielen. Wer genau hinsah erkannte allerdings schnell, dass es dem FCN an Struktur in jeder Hinsicht fehlte. Das Gesehene zu beschreiben fällt schwer: Es war eine Mischung aus Fehlpassorgie und „Jeder darf sich jetzt mal als Spielmacher versuchen“, dies bedingt dadurch das Kiyotake zumeist von zwei Gegenspielern in die Zange genommen wurde, und sich auf der rechten Seite erneut als Fehlbesetzung heraus stellte.

So fuhr der FCN-Express heute als Bummelzug und die Farben des ICE’s waren heute in der 1. Halbzeit Grün Weiß. Bremen witterte seine Chance und gab jetzt richtig Gas. Allein durch Hunt (19./25./und 30 Minute) und Petersen (32.) gab es zahlreiche Hochkaräter, die allerdings allesamt abgewehrt werden konnten. Dies änderte sich in der 34. Minute, als der sträflich frei anspielbare Elia sich ein Herz fasste. Auch diesen Angriff führte Werder über Links, also unsere zuvor schon als schwach beschriebene rechte Seite. Raphael Schäfer konnte nicht mehr tun, als den Ball aus dem Netz zu holen um ihn für den Anstoß frei zugeben.
Der Glubb war zwar bemüht, aber weiterhin völlig desolat, erst in der 39 Minute konnte der den erste Schuss aufs Tor in der Statistik verzeichnen werden, was bezeichnend für die erste Halbzeit sein sollte. Umso fassungsloser durfte man kurz darauf sein: „Qualität statt Quantität?“ – ich weiß es nicht, was der Glubb sich dabei dachte, als der Ball auf einmal im Netz der Bremer zappelte, von Kiyotake dorthin befördert in der 45 Minute. Es wirkte schon ein wenig surreal, dass man mit dieser Leistung tatsächlich ein Tor erzielt hatte. Kurz danach pfiff der Unparteiische Tobias Stieler zur Halbzeitpause. Klar war. trotz des nur knappen Rückstandes musste hier schnell etwas geschehen.

Kiyotake"

Kiyo konnte trotz katastrophaler erster Hälfte wieder jubeln. Ihm gelangen ein Tor und eine Vorbereitung.

Bevor der Ball wieder ins Rollen kam in der 2. Halbzeit, wechselte Michael Wiesinger Josip Drmic für den schwach spielenden Alexander Esswein ein. Das hatte auch taktische Umstellungen zufolge, nicht nur das wir nun mit einem zweiten Stürmer auf dem Feld standen, so konnte auch Kiyotake auf die von ihm bevorzugte Spielmacher Position wechseln.
Der Glubb plötzlich wie mit einem zweiten Gesicht, das den Zuschauer zum Staunen brachte. Bereits in der 49. Minute lag der Ball bereits fast wieder im Tor von Mielitz nach einem Schuss von Drmic. Dazu übersah Schiri Stieler ein eigentlich elfmeterreifes Foul von Garcia an Hasebe. Wer seinem Gegner mit den Stollenschuhen im Strafraum auf den Fuß tritt, darf sich über einen Piff eigentlich nicht beklagen. Aber egal: Plötzlich erkannte man beim FCN ein Spielsystem, die Fehlpassquote senkte sich, ein Spielaufbau war zu sehen, das Loch in der rechten Seite wurde gestopft, das Pressing der Bremer (beziehungsweise dessen Effektivität) ließ nach, was auch mit dem guten und schnellen Kurzpassspiel des Glubbs zu tun hatte. Das machte sich auch bemerkbar in der 53. Minute, als Chandler über Rechts den bis dahin unauffälligen Pekhart auf die Reise schickte, der bis an den Sechzehner lief und die Pille quer legte zu Drmic, der nur noch den Fuß lang machen musste um den Ball unhaltbar an dem Bremer Torhüter vorbei einzunetzen.
Die Bremer waren dadurch aber scheinbar unbeeindruckt und als Fan des Glorreichen schwahnte einem, was jetzt folgen würde. Der Glubb stellte das Spielen wieder kurzzeitig ein und Bremen kam. Schon in der 58. Minute konnte Plattenhardt gerade noch auf der Linie klären, als der Ball nach einer gut geflankten Ecke vom Kopf des Bremers Lukimya, beinahe im Tor landete. Der nächste Schreckmoment folgte vier Minuten später als der Ball vom ehemaligen Glubbspieler Mehmet Ekici, von der linken Seite vors Tor gespielt wurde. Gleich drei Verteidiger und Schäfer grätschten vorbei sodass er letztlich seelenruhig und unbehelligt am Tor vorbei rollte. Nur ein Bremer Fuß und dieser Blackout wäre bestraft worden. Dies geschah dann aber weitere 3 Minuten später. In der 65 Minute bekam Bremen eine Ecke von der linken Seite zugesprochen, die von Hunt herein gebracht wurde. In einer ulkigen Koproduktion von Pekhart, Schäfer, Pogatetz und Dabanli brachte man den Ball nicht weg, sondern klärte ihn vor die Füße von Elia, der aus 23 Metern humorlos abzog. 3:2.

Hlousek, Drmic, Pekhart

Hlousek, Drmic, Pekhart: Zwei Torschützen und ein Vorbereiter.


Als hätte es das gebraucht wachte Nürnberg jetzt wieder auf. Fast wäre im Gegenzug der Ausgleich gefallen wenn Kiyotake in der 67. Minute besser an den Ball gekommen wäre. Michael Wiesinger nutze den Moment und vollzog den nächsten Wechsel. Für den jungen Niklas Stark brachte der Trainer Mike Frantz, der zunächst Grippe-geschwächt das Spiel von der Bank aus verfolgt hatte. Der FCN kannte jetzt nur noch eine Richtung: Vorwärts! In der 70. Minute war es dann endlich soweit, die Erlösung, in Form des 3:3. Traumpass von Kiyotake auf Adam Hlousek der Eiskalt einnetzt. WAHNSINN….Spätestens jetzt gab es kein Halten mehr auf den Sitzen, bei den knapp 1000 mitgereisten Glubbfans im Stadion und Zuhause vor den Bildschirmen. Würde heute der erste Dreier fällig werden? Pekhart schickte sich an dies per Kopfball umzusetzen (79.), jedoch kam Mielitz gerade noch mit der Hand ran, in der selben Minute schoss Drmic den Ball an die Latte. Man merkte beiden Mannschaften an das die Kräfte nachließen, trotzdem war der FCN dem 3:4 näher als Bremen. Letztendlich blieb es aber bei dem Unentschieden, dem fünften im siebten Spiel. Somit steht der Glubb mal wieder über dem Strich, zwar Punktgleich mit dem HSV, aber nur aufgrund der weniger kassierten Gegentore.

Um auch in Zukunft über dem Strich zu bleiben, wird es allerdings nötig sein, endlich konstant Leistung zu bringen und Phasen wie in der ersten Halbzeit und nach dem 2:2, als der Glubb viel zu abwartend spielte, abzustellen.

© by Tequilaslayer

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