30. Spieltag 1. FC Nürnberg – Greuther Fürth 0:1 – Ein Rückblick als Vorschau

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Die Niederlage gegen Greuther Fürth war schmerzhaft, brachte aber keine neuen Erkenntnisse. Es war nicht die Stärke des Erzrivalen, die den Glubb auf die Verliererstraße brachte, sondern die eigene Unfähigkeit gegen einen tiefstehenden Gegner aus dem Spiel heraus für Torgefahr zu sorgen. Somit kann dieses Spiel zumindest exemplarisch dazu herangezogen werden um aufzuzeigen, was der Glubb im Spielaufbau falsch macht und was sich ändern muss.

Gegen den Glubb lässt es sich aus dem Spiel heraus sehr einfach verteidigen. Dies hängt damit zusammen, dass unser Spielaufbau vornehmlich über die Innenverteidiger geschieht und wenn deren Passwege in das Mittelfeld zugestellt sind, nur der Pass auf die Außenverteidiger bleibt. Diese können den Ball aber nicht weiter in das Zentrum geben, da unsere Sechser nur sehr selten kurz kommen und der Gegner diese ohne großen Aufwand zustellen kann.

Exemplarisch ist dies auf folgenden Bildern zu erkennen. Fürth lenkt den Ball bewusst auf unsere rechte Seite. Djurdjic versperrt den Passweg auf Plattenhardt, Prib läuft an und Nilsson spielt den Ball auf Chandler. Simons hätte sich entweder für einen direkten Pass von Nilsson anbieten müssen, bzw. antizipieren, dass Chandler den Ball erhält und eine Anspielstation im Zentrum braucht. Jedoch geht er keinen der in roten Pfeilen aufgezeigten Laufwege sondern blickt über die Schulter und bricht seine Seitwärtsbewegung ab. Für Chandler ergeben sich somit nur die Passwege (blau) zurück auf Nilsson, bzw. entlang der Seitenlinie. Hätte sich Simons früher in Richtung des Balles bewegt, hätte Chandler leicht den Ball in das Zentrum (gelb) bringen und Simons das Spiel antreiben können. Unser defensives Mittelfeld ist generell viel zu wenig am Spielaufbau beteiligt und speziell gegen Fürth sind 34 Ballkontakte für einen Spieler der „Kategorie Simons“ viel zu wenig.

Aufbau 1

Aufbau 2

Unser Spielaufbau ist sehr vorhersehbar. Früher oder später, nach nutzloser Zirkulation in der Viererkette, wird der Ball von den Außenverteidigern blind entlang der Außenlinie geschlagen. Viel zu selten bieten sich Spieler aus dem Zentrum an und häufig ist der Ballführende am bewegungsfreudigsten. Dabei hat der Ball von den Außenverteidigern auf die Außenstürmer durchaus Berechtigung, allerdings muss der Ball dann präzise und möglichst flach geschlagen werden, damit dieser ohne große Umstände zurück in das Zentrum gegeben werden kann. Dann sind mit dem nach innen ziehenden Außenstürmern, bzw. den hinterlaufenden Außenverteidigern mehrere Spieler in Bewegung und es bieten sich neue Möglichkeiten im Spielaufbau. Ein solcher Aufbau über die Außenbahn wäre jedoch häufig nicht einmal nötig, denn der Druck auf unsere Verteidigung ist meistens gering, es müsste sich nur jemand im Zentrum dazu bemühen anspielbar zu sein. Kiyotake versucht dies häufig, allerdings fehlt er dann im offensiven Zentrum und verlagert das Problem nur an eine andere Stelle. Ich kann nur noch einmal wiederholen, dass Simons in dieser Hinsicht gefordert ist.

Ein weiterer Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahre zieht, ist das mangelhafte Konterspiel. Dabei fallen mir besonders zwei Punkte auf: Zum einen besitzen einige unserer Spieler ein sehr überschaubares Spielverständnis, bzw. machen mit schöner Regelmäßigkeit in Situationen, in denen die richtige Verhaltensweise offensichtlich ist, das genaue Gegenteil. Beispielsweise erobert hier Balitsch den Ball und man sieht deutlich, dass Fürth alles andere als gut positioniert ist. Der einfachste und logischste Ball wäre der Seitenwechsel mit dem rechten Fuß auf Esswein. Aus welchen Gründen auch immer, legt sich Balitsch jedoch den Ball auf den schwachen Fuß und drischt den Ball in das Sturmzentrum. Ich mag nicht begreifen, wie ein so erfahrener Spieler – immerhin der Bundesligaprofi mit den meisten Erstligaeinsätzen – eine solche Fehlentscheidung treffen kann.

Konter 1

Ähnlich wenig Verständnis habe ich für folgende Situation. Der Glubb hat Fürth kalt erwischt und es bietet sich eine gute Kontermöglichkeit. Jedoch schalten sich kaum Spieler in den Angriff mit ein. Das ist die alte Hecking-Krankheit – es wird zwar mutig verteidig, aber mutlos attackiert, die Angst vor dem Ballverlust ist allgegenwärtig. Was soll Esswein in dieser Situation machen? Er hat keine Anspielstationen und kann entweder das Dribbling wagen oder Tempo aus dem Spiel nehmen und den Konter abbrechen. Kiyotake verhält sich noch richtig, in dem er die gegnerische Verteidigung nach hinten drückt, warum aber der Raum auf der linken Spielhälfte unbesetzt bleibt ist für mich nicht nachvollziehbar. Wir können uns es nicht leisten solche Kontermöglichkeiten so leicht herzuschenken.

Konter 2

Das 4-1-4-1 hat sich gegen große Gegner als probates Mittel herausgestellt. Die offensive Viererkette kann die gegnerischen Außenverteidiger und die gegnerische Doppelsechs unter Druck setzen und auf diese Weise den Spielaufbau erschweren. Doch was ist, wenn der Gegner keinen Spielaufbau betreibt, sondern hohe Bälle aus der Abwehr spielt? Dann sieht es leider häufig so aus wie beim Gegentor: Der Glubb ist relativ weit aufgerückt und zwischen den beiden Viererketten ist eine große Lücke. Fürth spielt dicht gestaffelt und ist im Zentrum vor unserer Viererkette in Überzahl. Plattenhardt ist zu weit von seinem Gegenspieler entfernt, dieser kann den Kopfball spielen, Simons gewinnt das folgende Kopfballduell nicht, und Kiyotake folgt dem durchstartendem Geis nur zögerlich. Dieser gewinnt den zweiten Ball und Fürth attackiert unsere Viererkette in Gleichzahl. Vergleichbare Situationen gab es im Spiel häufiger, glücklicherweise blieben sie aber folgenlos.

Gegentor 1

Gegentor 2

Gegentor 3

Gegentor 4

Was ist somit mitzunehmen? Zum einen, dass das 4-1-4-1 nicht immer der Königsweg ist, bzw. dessen defensive Kompaktheit auch von der Disziplin der Achter abhängt. Weiterhin muss überlegt werden, ob wir im zentralen Mittelfeld von der spielerischen Qualität ausreichend besetzt sind und ob es sich hier nicht lohnen würde zu investieren. Nach vier Jahren Erstligazugehörigkeit müssen jetzt Konzepte her, die auch gegen spielerisch schwache, reaktive Mannschaften greifen. Weiterhin muss das Konterspiel mutiger und zielstrebiger ablaufen, das sind alles Dinge, die man lernen und trainieren kann.

Was können wir also von Hoffenheim erwarten? Sicherlich wird dies kein einfaches Spiel, da Hoffenheim über viel individuelle Qualität verfügt und im Moment absolut unberechenbar ist. Die letzten Spiele hat Hoffenheim im 4-3-3 bestritten und es wird interessant sein, was wir einem möglichen Angriffspressing entgegenzusetzen haben. Ein Mittel wäre das zurückziehen der Außenverteidiger und das dadurch resultierende Reißen von Räumen auf der Außenbahn, mit dem positiven Nebeneffekt der defensiven Stabilisierung der Viererkette. Auf der anderen Seite sollten wir die Lücken der weit aufrückenden Außenverteidiger nutzen. In diesem Fall bietet sich eine enge Formation an, da unsere Offensivspieler dann von innen nach außen in diese Räume stoßen können. Deshalb würde ich auf Chandler verzichten, bzw. ihn in der Abwehr spielen lassen und zu seinen Gunsten einen richtigen, zweiten Außenstürmer aufbieten. In jedem Fall sollte in Sinsheim mindestens ein Punkt zu holen sein.

Bildquelle: Club-TV

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