Westblick #21: Wiedergutmachung

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

In den Spieltags-Vorschauen, die ich wöchentlich schreibe, bemühe ich mich immer, nicht zu sehr meinen persönlichen Standpunkt einfließen zu lassen, auch wenn sich das natürlich nicht völlig ausschließen lässt und bis zu einem gewissen Grad auch sicherlich in Ordnung ist. Aber heute mal eine kleine Abweichung von diesem Bemühen und ein Bericht der eigenen Stimmungslage nach dem Bayernspiel und vor dem Frankenderby: Die letzte Woche war sehr heilsam für meinen persönlichen Optimismus. Nicht, dass ich am Boden gewesen wäre, weil aus tausend Träumen gerissen. Mitnichten. Aber trotzdem konnte ich das Träumen von Europa vorher einfach nicht sein lassen. Es ist jetzt immer noch denkbar, dass wir Europa erreichen. Alles als eine Niederlage dort zu erwarten war auch sicher vermessen, aber irgendwie hat mich die Art und Weise des Spiels gegen die Münchner Bayern doch wieder ein Stückchen geerdet. Es ist alles in allem eine wirklich tolle Rückrunde, ja Saison. Ich will mich nicht beschweren, wenn man nach der Hinrunde 20 Punkte hat und diesen Schnitt danach wohl noch übertreffen wird. Das sind glückselige und erfüllende Glubbzeiten. Zeiten die wir alle noch ganz anders kennen. Die Mannschaft ist außerdem spielerisch noch lange nicht auf dem Niveau unserer letzten Europareise. Zwar teile ich nicht die Ansicht, dass wir damals aufgrund des UEFA-Cups abstiegen, denn auch nach dem Ausscheiden war noch Zeit genug, die Dinge wieder geradezurücken, aber ehrlicherweise würden wir auf europäischer Bühne es wohl ohnehin sehr schwer haben. Also, anstatt in die Ferne zu schweifen und zu träumen richten wir den Blick wieder auf greifbarere Ziele und suchen nach der Chance zur Wiedergutmachung. Dankbarerweise liegt ein sehr verlockendes sehr nah.

Bereits übermorgen treffen wir auf den alten Rivalen, Holzschuh Greuth das Kleeblatt aus Fürth. Ich sage alt, wegen der langen Tradition des Aufeinandertreffens, dass ja das älteste Derby Deutschlands darstellt (die Fusionsvereins-Debatte haben wir mit dem Vergleich auf Holzschuh Greuth jetzt schon abgehandelt und unterschlagen sie an dieser Stelle). Man könnte aber auch anfügen, alt, weil vergangen. So wie der FC Bayern München uns enteilt ist, sind wir dem westlichen Verein davongestürmt. Der Club hat sich in den letzten Jahren in der Bundesliga festgebissen. Auch wenn wir nie gefeit sind wieder in Abstiegsgefahr zu rutschen, haben wir uns doch etabliert.

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Fürther Hochmut zu Saisonbeginn

Aus dem ehemaligen Fahrstuhlverein wurde ein Stammgast, selbst der letzte Abstieg kann im Nachhinein eher als Ausrutscher, denn als Rückkehr zu alten Gewohnheiten gewertet werden. Fürth hat in dieser Saison hingegen deutlich gezeigt, dass ihr Zuhause wohl die zweite Liga bleiben wird. Das wird den Grün-weißen sicherlich auch von den Rängen entsprechend signalisiert werden. Ich bin gespannt auf kreative Repliken auf das Fürther Spruchband zu Saisonbeginn oder den Derbysiegsong von Cronite. Hierzu ein paar textliche Vorschläge:

Ihr hattet den Derbysieg,
der euch zu Kopfe stieg.
Doch nächstes Jahr,
zweite Liga.
Ihr habt im Ernst geglaubt,
dass eure Mannschaft taugt.
Doch siehe da,
Tasmania.
Zweitligameister sein,
kann ja so wertlos sein.
Wird nicht mal knapp,
ihr steigt so ab.

Aber genug mit dem Gefrotzel, zumindest fürs Erste. Wobei, wenn dies die Form der Fanauseinandersetzung wird, können wir wohl alle damit leben. Bitter wäre es, wenn Teile der Nürnberger eine andere Form von Konfrontation suchen würden. Oder andersherum die Fürther Wiedergutmachung für das, wie durch sie vermutet , durch Nürnberger durchgeführte Entwenden ihrer Ultrafahnen. Solange es bei Liedern und Plakaten bleibt, wird es ein schönes Derby. Es ist in jedem Fall schön, dass anders als beim Hinspiel diesmal nicht die Rede von Betretungsverboten, Choreoeinschränkungen oder anderen Fanschikanen die Rede ist. In diesem Vergleich hat Nürnberg das Derby schon gewonnen, weil hier derartige Verbote ausblieben.

Vergleicht man die Vereine weiter sind die Kräfteverhältnisse eigentlich klar. Das Fanaufkommen ist auf rot-schwarzer Seite um ein vielfaches höher, dass man das Gästekontingent in Fürth nicht ausnutzen würde, wie andersrum gerade geschehen, wäre für uns wohl undenkbar. Vom Etat her und sportlich ist der FCN ebenfalls weit voraus,  was aber nicht heißt, dass es am Sonntag ein Spaziergang wird. Im Gegenteil, für die Fürther Spieler ist dieses Spiel eine der letzten Chancen zur Versöhnung der Fans. Zur Wiedergutmachung für eine völlig verkorkste Saison. Dies gilt es aus unserer Sicht natürlich zu unterbinden, gleichzeitig ist es aber auch für uns eine Chance zur Wiedergutmachung. Für das schlechte Spiel in München und auch als späte Wiedergutmachung für das Pokalaus gegen Fürth. Es ist das erste Mal, dass die Vorstädter seitdem wieder das Achteck betreten und es ist an der Zeit, die Dinge wieder gerade zu rücken.

Der Gegner ist trotz seiner jämmerlichen 15 Punkte aber durchaus gefährlich. Kramers Mannschaft zeigte zwar gegen Dortmund Auflösungserscheinungen, bei der unglücklichen Niederlage in Gladbach aber zuvor eine defensiv starke Leistung mit gefährlichen Kontern. Kramer setzte in seinen 4 Partien auf 3 verschiedene Systeme (gegen Bremen im 4-1-4-1, danach gegen Frankfurt im 4-4-2 mit Raute, danach mit flacher 4). Dies kann man so auslegen, dass er sich systemisch flexibel an den Gegner anpasst, oder aber, dass er noch auf der Suche nach einem wirksamen System ist. Nur 1 Punkt aus 4 Partien würde die letztere Theorie stützen. In jedem Fall scheint er sich zuletzt auf ein 2-Stürmer-System (Sararer und Djurdic) festgelegt zu haben und setzte jetzt auch 2 Spiele in Folge auf die flache 4 im Mittelfeld. Dieses System ist defensiv recht stabil, da es die Außenbahnen praktisch doppelt. Es könnte für unsere Flügelspieler ein anstrengender Tag werden, da die Räume hier eng sein werden. Entscheidend ist, dass die beiden Viererketten nicht zu weit auseinander stehen, sondern im Verbund arbeiten und dass die Stürmer mit nach hinten arbeiten, dann ist dieses System nach vorne zwar nicht wirklich kreativ, aber defensiv stabil. Apropos Verteidigung: Mit der Rückkehr von Zimmermann nach Gelb-Rot-Sperre ist zu rechnen, da es die Vertretung gegen Dortmund fertig brachte, noch schlechter aufzutreten. Wer in der Innenverteidigung aufläuft, bleibt abzuwarten, ist aber letztlich auch nicht sonderlich wichtig. Wichtiger ist es, die Stärken (auch der Tabellenletzte hat welche) und Schwächen herauszustellen. Fürth spielt defensiv über weite Strecken kompakt und hat mit 4 Toren aus 4 Spielen unter Kramer eine Steigerung zum Rest der Saison gezeigt (15 Tore in den restlichen 25 Spielen). Gleichzeitig leistet sie sich defensiv immer wieder den einen oder anderen individuellen Lapsus und lässt den Gegenspielern in manchen Phasen viel zu viel Raum. Das führte die Niederlage gegen Frankfurt herbei (besonders Inuis 1:1 war diesbezüglich bezeichnend), dies war auch gegen Dortmund eklatant – wobei es gegen das virtuose Offensivspiel der Dortmunder auch zugegeben schwierig ist. Die Konzentration und Leistungsbereitschaft ist ohne Frage da, kann aber mit Gegentoren auch relativ leicht gebrochen werden. Fürth wird alles versuchen, nichts zuzulassen, aber wenn es dem Glubb trotzdem gelingt, in Führung zu gehen, kann es durchaus passieren, dass Fürth aufgibt, wie schon so manches Mal diese Saison.

Der Matchplan wird dabei sicherlich sein, durch Kombinationsspiel und Pässe in die Gasse die zwei Viererketten aus der Ordnung zu bringen. Mit Kiyotake, Esswein und Feulner stehen dazu sicherlich geeignete Kandidaten zur Verfügung. Die Frage ist, ob Pekhart in dieses Vorhaben hineinpasst. In der Verteidigung wird links hinten sicherlich Plattenhardt Pinola vertreten. Bei Klose und seinem Vertreter Dabanli sieht es jeweils gut aus, sodass Mittelfeldstabilisator Simons nicht in die Innenverteidigung abgezogen werden muss. Bis auf die Langzeitverletzten sind für Sonntag alle an Bord, nur Kanazaki ist fraglich, er musste am Freitag mit dem Training aussetzen, wahrscheinlich wird es nichts mehr bis Sonntag.

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Chance zur Wiedergutmachung für das Münchenspiel. Mögliche Aufstellung im Frankenderby (4-1-4-1).

In München waren die Spieler die Defensive oft indisponiert, weswegen Michael Wiesinger wahrscheinlich auf rechts wieder zur sichereren Variante der doppelt defensiven Außenbahn zurückkehrt. Esswein könnte in der Spitze gegen das sehr defensive Fürther System wirksamer sein als Pekhart, in dem Fall würde Frantz ihn links ersetzen. Sicher ist das aber keineswegs. Da Kanazaki (verletzungsbedingt) und Mak (ist in Gedanken schon woanders) als Alternativen ausfallen, bliebe ansonsten nur noch die Option Polter zu bringen, oder aber Ildiz einen Startelf Einsatz zu gönnen. Letzteres scheint unwahrscheinlich, hatte er zuletzt doch immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen und wird wohl eher über Kurzeinsätze weiter an die Belastungsgrenze herangeführt. Nimmt man diese Überlegungen zusammen, kommt obige Startelf, oder eine mit Esswein auf links und Pekhart/Polter im Zentrum heraus. In letzterem Fall könnte dann Frantz wieder für Chandler im rechten Mittelfeld beginnen – auch wenn er dort bisher noch nie recht überzeugte.

Abseits dieser personellen Überlegungen darf es aber keinen Zweifel geben, wer am Sonntag als Sieger vom Platz geht. Mit vollem Ernst und Engagement müssen wir in diese Partie gehen und die Wiedergutmachung suchen. Der ganz große Hochgenuss, also ein Punkt von Augsburg im Freitagsspiel kombiniert mit einem Sieg unsererseits ist uns ja leider durch den Sieg der Borussia schonmal verwehrt geblieben. Dann wären wir sicher nicht abgestiegen gwesen, während für unseren Gegner dann auch rechnerisch nichts mehr gegangen wäre. Dieser Moment, so schäbig Schadenfreude auch sein mag, wäre uns wohl allen im Gedächtnis geblieben – und eine Wiedergutmachung wäre im Unterschied zu ihrem Derbysieg auf absehbare Zeit unmöglich gewesen. Naja, man kann nicht alles haben, immerhin können wir vor ihren Augen den Klassenerhalt feiern. Das ist ja auch schonmal was.

Bildquelle zum Spruchband: spvgg-fuerth.com
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2 Kommentare zu Westblick #21: Wiedergutmachung

  1. Rolligünny sagt:

    Ja last uns friedlich mit Fan gesänge und Transparenten dieses Derby uns gemeinsam anschauen und das der Club die Kleeblätter indie 2 Liga mit Toren bedienen wird

    • Rolligünny sagt:

      Ja last uns fried­lich mit Fan gesänge und Trans­pa­ren­ten die­ses Derby uns gemein­sam anschauen und das der Club die Klee­blät­ter in die 2 Liga mit Toren bedie­nen wird Auf ein geiles Spiel aber friedlich und sportlich faier

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