29. Spieltag FC Bayern München – 1. FC Nürnberg 4:0

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Ich bin mit geringen Erwartungen in das Spiel gegangen und wurde dennoch enttäuscht. Zum ersten Mal in der Rückrunde hatte ich das Gefühl, dass sich der Glubb unter Wert verkauft.

Den Beginn machte eine taktische Veränderung, deren Sinn sich mir auch nach etwas Abstand zum Spiel immer noch entzieht. Weshalb wurde Frantz im Zentrum aufgeboten? Ich weiß es nicht, aber dadurch ergaben sich verschiedene Probleme: Kioytake konnte auf der rechten Außenbahn kaum seine spielgestalterischen Fähigkeiten einbringen, weshalb es ihn immer wieder in das Zentrum zog und der rechte Flügel des 1. FC Nürnbergs verwaiste. Noch fataler erwies sich diese Konstellation jedoch in der Defensive, da der starken linken Außenbahn der Bayern um Ribery zu viele Räume geboten wurden. Selbst ein eher limitierter Außenverteidiger wie Contento konnte sich dadurch nach Belieben in die Offensive einschalten und Überzahlsituationen erzeugen. Warum die bewährte, defensivstarke Kombination aus Chandler und Balitsch aufgegeben wurde erschließt sich mir nicht. Frantz im Zentrum war bemüht, konnte jedoch kaum Akzente setzen und war nicht in der Lage das Spiel zu ordnen. Meiner Meinung nach wäre hier Kiyotake die bessere, wenn auch weniger kampfstarke Wahl gewesen.

Doch diese personelle Veränderung stellte nur einen Teil des Dilemmas dar, dass den Glubb absolut chancenlos ließ. Die Mannorientiertheit, die in den letzten Wochen ein Aspekt unseres Erfolgs war und die einige Mannschaften zur Verzweiflung brachte, wurde von den Bayern jedes Sinns beraubt. Es ist keine neue Erkenntnis, dass Manndeckung am besten durch viel Bewegung (entgegen der Richtung des Balles) und dem dadurch resultierenden Reißen von Lücken zu bespielen ist. Aber die Bayern waren nach Dortmund die erste Mannschaft, die das wirklich umzusetzen wusste: Ständig wechselten die Spieler die Position, hatten dadurch immer die Nase vorn und teilweise irrsinnige Freiräume, bzw. es sah so aus, als würde der Glubb nicht in die Zweikämpfe kommen:

Der Glubb kommt nicht in Zweikämpfe 1

Pinola und Simons sind halbwegs richtig positioniert. Esswein jedoch verfolgt den falschen Gegenspieler und Feulner müsste den Raum (rot) zwischen Rafinha und Pizarro decken. Er kann dies jedoch nicht tun, da Frantz nicht auf Torseite zu Rafinha steht und muss in den Zweikampf treten. Pekhart befindet sich außerhalb des Bildes, wäre aber besser im freien Raum (rot) hinter dem gegnerischen defensiven Mittelfeld zu finden. In Gelb sind Zuordnungen, bzw. verbesserte Verteidigungspositionen dargestellt.

Der Glubb kommt nicht in Zweikämpfe 2

Balitsch (blau) rückt völlig unnötiger Weise in die Mitte und öffnet den Raum für den Steilpass von Shaqiri (rot). Feulner wird auf die linke Seite gezogen, da Frantz nicht zurückgelaufen ist. Simons ist schlecht positioniert, erkennt aber seinen Fehler und versucht den Raum zu schließen in den Shaqiri startet. Esswein könnte näher an Rafinha orientiert sein. In Gelb sind Zuordnungen, bzw. verbesserte Verteidigungspositionen dargestellt.

Etwas überraschend traten die Bayern im 4-4-2 an. Interessant war dabei vor allem die Rolle von Pizarro, der irgendwo zwischen Angriff und Mittelfeld spielte. Dadurch entzog er sich sowohl dem Zugriff der Innenverteidiger als auch der Bearbeitung durch Simons. Häufig war völlig unklar, welcher Spieler sich um ihn kümmern soll. Simons, der wie so oft seine Rolle defensiv interpretierte, wirkte sehr unglücklich und konnte den aus der nominellen 3vs2-Überzahl resultierenden Vorteil in der Offensive nicht nutzen. In der Defensive wurde diese Überzahl nicht selten zu einer 3vs4-Unterzahl, da Shaqiri aber auch Ribery immer wieder in das Zentrum zogen und sich Pizarro fallen ließ ohne dass ihnen jemand folgte. Durch die aufrückenden Innenverteidiger ging kaum Breite im Spiel der Bayern verloren und unsere Außenverteidiger waren nicht selten mehr oder weniger ohne Gegenspieler. Die Münchner hatten viel zu oft Freiräume vor dem Sechzehnmeterraum und konnten nach Belieben durch das Zentrum kombinieren. Meiner Meinung nach hätte sehr schnell auf eine Doppelsechs umgestellt werden müssen um diesen Raum zu verdichten.

Doch Wiesinger stellte erst zur Halbzeit um, zu einem Zeitpunkt in dem das Spiel längst entschieden war. In diesem 4-4-2 spielte Kioytake als hängende Spitze mit vielen Freiräumen, jedoch ohne wirklich großen Einfluss zu nehmen. Die zwei Viererketten erwiesen sich jedoch zumindest in der Defensive als stabilisierender Faktor. Auch die Hereinnahme von Chandler wirkte sich positiv aus. Am wirkvollsten erwies sich aber der Abzug von Frantz aus dem Zentrum, da dieser seinem direkten Gegenspieler Tymoschchuck in der ersten Halbzeit viel zu viele Räume gelassen hat. Aber auch Feulner agierte zu wenig druckvoll gegenüber Can. Welche Freiräume sich teilweise dem defensiven Mittelfeld des Gegners boten ist nachfolgenden Aufnahmen zu entnehmen:

Kein Pressing des Glubbs 2

Feulner und Balitsch befinden sich meterweit von ihren Gegenspielern entfernt. Tymoschchuck hat über vier Sekunden Zeit am Ball ohne attackiert zu werden. Ohne ihm zu nahe treten zu wollen, aber bei diesen Freiräumen ist auch ein eher spielerisch limitierter Fußballer zu sehenswerten Diagonalpässen in der Lage. Auch Pekhart befindet sich im Raum ohne irgendeinen Gegenspieler unter Druck zu setzen. In Gelb sind Zuordnungen, bzw. verbesserte Verteidigungspositionen dargestellt, in Rot freie Räume.

Kein Pressing des Glubbs 2

Nur wenige Sekunden später wiederholt sich der Fehler. Tymoschchuck hat wieder Zeit am Ball und kann seine Mitspieler einsetzen. Unmittelbar darauf startet ein brauchbarer Angriff der Bayern. In Gelb sind Zuordnungen, bzw. verbesserte Verteidigungspositionen dargestellt, in Rot freie Räume.

Alles in allem eine völlig verdiente, schmerzhafte Niederlage die meiner Meinung nach nicht so hoch hätte ausfallen müssen, bzw. dürfen. Die taktischen Veränderungen zu Beginn der Partie erwiesen sich als kontraproduktiv und es wurde erst zu einem Zeitpunkt reagiert, an dem alles verloren war. Dennoch ist das Jammern auf hohem Niveau, denn der Glubb hatte einen starken Gegner vor sich und Michael Wiesinger hat bis jetzt die Mannschaft meist fantastisch eingestellt. Auch seine ehrlichen Worte nach dem Spiel sind ihm hoch anzurechnen. Somit sollten wir auch nicht diesem Spiel hinterhertrauern, sondern freudig auf das älteste deutsche Derby blicken – dieses darf jedoch um keinen Preis verloren werden!

Bildquelle: ClubTV

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Ein Kommentar zu 29. Spieltag FC Bayern München – 1. FC Nürnberg 4:0

  1. belschanov sagt:

    Schöne Analyse mit einem präzisen Zusammenspiel zwischen Text und Bild. Bin beeindruckt.

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