Denkt denn niemand an die Kinder?

-Wir haben uns an die Bilder gewöhnt: Bürgerkriegsähnliche Zustände in den Stadien! Keiner redet mehr über den Sport, alles dreht sich nur noch um Gewalt, Gewalt, Gewalt. Kein Wunder also, dass der Publikumszuspruch in der deutschen Bundesliga immer mehr nachlässt. Kann man es den Familien und normalen Leuten auch verdenken, dass sie sich nicht jeden Samstag in tödliche Gefahr begeben wollen? Schon lange dominiert die nackte Rücksichtslosigkeit und das Rowdytum auf unseren Tribünen. Es ist so schlimm geworden, dass die Polizei sich genötigt sieht, sogar bei eigentlich viel zu schlechten Sichtbedingungen riskante Hubschraubermanöver zu testen – was vor ein paar Tagen in Berlin für einen Ordnungshüter tödlich endete. Einen Vorwurf kann man den Planern des Testfluges natürlich nicht machen – sie wurden zum Risiko genötigt von herzlosen Hooligan-Horden hinterlistigster Sorte. Ein weiteres von gefühlt unzähligen Todesopfern, die auf das Konto der sogenannten Fans gehen.

Eine weitere Eskalationsstufe scheint nun bei den Anhängern des FC St.-Pauli erreicht. Beschränkten sich die alkoholgetränkten Fußball-Faschos bisher nur auf pyrotechnische Gegenstände wie Bengalos, Böller und Leuchtraketen, sollten nun auch die als besonders heimtückisch geltenden „Wunderkerzen“ auf den Tribünen abgebrannt werden. Der verharmlosende Name für die berüchtigten Todesfackeln zeigt, wie perfide die Gefahr durch derartige Gegenstände von den Organisatoren der Apokalypse-Choreo heruntergespielt wird. Es ist klar, dass der DFB nun handeln muss. Lässt man derartige Gepflogenheiten erst mal durchgehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich ungepflegte Ultra-Unholde mit atomaren Erstschlagwaffen ausrüsten und die allwöchentlichen Derby-Kriege zur weltweiten Overkill-Bedrohung eskalieren lassen.

Ein Verbot der Todesfackeln, wie jeder aufgeklärte Bürger diese teuflischen Machwerke zukünftig nennen sollte, kann jedoch nur der erste Schritt sein. Weiter gelangen Fans ungehindert mit brennbaren Gegenständen wie Zigaretten oder gar Fahnen in die Stadien – wohlgemerkt mit Wissen der Vereine! Zigaretten verursachen nicht nur durch über 40 krebserregende Stoffe eine große Gefährdung für die wenigen übrig gebliebenen friedfertigen Stadionbesucher, nein, sie sind eben auch pyrotechnische Gegenstände und können an der Spitze über 100°C heiß werden! Auch hier sollten die kompetenten und mit Augenmaß handelnden Verantwortlichen beim Deutschen Fußballbund dringend einschreiten, bevor es noch mehr Opfer zu beklagen gibt.

Doch selbst wenn sämtliche exothermen Prozesse aus dem Stadion herausgehalten werden können, zeigen die abscheulichen Aasgeier-Anhänger noch immer ihre hässlichen Fratzen. Erst vor einigen Tagen musste sich der immer so harmlos und bubihaft dreinblickende Schwiegermutter-Schwarm Manuel Neuer als Nationaltorhüter von taktlosen Trollen auspfeifen lassen, nachdem er durch einen kleinen Flüchtigkeitsfehler ein Gegentor verursachte. Derartige freie Meinungsäußerungen des zahlenden Publikums müssen künftig dringend unterbunden werden, da sie den Funktionären und dem Trainerstab der DFB-Elf sichtlich die Freude an dem Sport rauben, den sie erst groß gemacht haben, und den sie nur aus reiner Großzügigkeit und Philanthropie dem gemeinen Volke geschenkt haben. Diese Wohltäter müssen vor den wütenden Vandalen auf den billigen Plätzen besser geschützt werden. Doch leider kann es die totale Sicherheit und die absolute klinische Reinheit in den Stadien nur dann geben, wenn jeglicher Pöbel vor den Stadiontoren zurückbleiben muss. Ein Schritt, den noch keiner gehen will, doch der bald nötig werden könnte, wenn die reudigen Rüpel-Rowdies weiterhin solche Sorgen machen.

Modell für die Zukunft kann nur die WM 2022 in Katar sein: Ein Land, in dem es – abgesehen von ein paar Arbeitssklaven – nur noch Oberschicht gibt, alkoholfreie Stadien und die völlige Abwesenheit der so genannten „Fankultur“ garantieren ein sicheres Stadionerlebnis für die Wohltäter von FIFA, UEFA und DFB, wie es in Deutschland leider im Augenblick unmöglich ist. Sollte das Modell Katar jedoch langfristig Schule machen in den europäischen Topligen, kommt man kaum umhin, den tadellosen Herren Blatter, Platini und Niersbach gemeinsam den Friedensnobelpreis zu verleihen. Zu hoffen bleibt, dass sich bei Temperaturen von bis zu 55°C in den Stadien von Katar nicht aus Versehen einer der Würdenträger selbst entzündet und somit zu einer der Todesfackeln wird, die wir hierzulande nie wieder in Stadien sehen wollen.

 

In eigener Sache: Es hat spätestens nach dem dritten Absatz hoffentlich auch der Letzte gemerkt, dass dieser Artikel nicht unbedingt wörtlich zu verstehen ist. 😉 Ein Blick auf das Erstelldatum dieses Beitrags ist vielleicht auch hilfreich. Natürlich finden wir es auch absolut schrecklich, wenn Polizisten in ihrem Job ums Leben kommen – umso mehr, wenn dies  bei einem ziemlich überflüssigen Manöver geschieht. Keinesfalls wollen wir den verstorbenen Beamten verunglimpfen, seine Vorgesetzten dagegen darf man ruhig öffentlich bloß stellen. Was für eine fahrlässig-dumme Gefährdung von Menschenleben! Was Pyrotechnik angeht: Ich selbst bin absolut kein Fan von Bengalos und Co., doch die Gleichsetzung von Wunderkerzen mit den „großen“ Brennfackeln finde ich total lächerlich. Ich gehe seit über 10 Jahren zum Eishockey – und vor jedem Spiel gehören in ganz Deutschland die Wunderkerzen (für Kinder zugelassenes „Kleinfeuerwerk“) beim Intro mit dazu. Passiert ist natürlich noch nie etwas dabei… 

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