26. Spieltag 1. FC Nürnberg – FC Schalke 04 3:0

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Bemüht man klassische Statistiken zur Chancenverwertung, wird man den Ruhmreichen im unteren Tabellendrittel finden. Ich behaupte jedoch, dass unsere Chancenverwertung absolut im Rahmen liegt und unser Problem in der Qualität der Chancen zu finden ist. In klassischen Statistiken werden Torschüsse häufig mit Chancen gleichgesetzt und keine Unterscheidung in der Qualität vorgenommen. Doch ist ein verzweifelter und harmloser Versuch aus zwanzig oder noch mehr Metern wirklich als Chance zu werten, wenn das „Über-den-Ball-schlagen“ eines Stürmers vor dem leeren Tor nicht in die Statistik eingeht? Lange Rede, kurzer Sinn: Unter Michael Wiesinger hat sich das Umschaltspiel verbessert und der Anteil an klaren Chancen deutlich zugenommen.

Die personellen Veränderungen zum Spiel gegen Augsburg hielten sich in Grenzen und nur der etwas enttäuschende Plattenhardt wurde durch Pinola ersetzt. Interessanterweise blieb auch das Pärchen Balitsch/Chandler auf der rechten Seite bestehen.

Allgemeine taktische Ausrichtung beider Mannschaften

All­ge­meine tak­ti­sche Aus­rich­tung bei­der Mann­schaf­ten. Feul­ner und Kiyo­take wech­sel­ten nach Spielbeginn die Posi­tion. Mit Pfei­len dar­ge­stellt sind typi­sche Lauf­wege ein­zel­ner Spie­ler. Farb­ke­gel indi­zie­ren Pres­sing, bzw. Mannorientierung.

Taktisch brachte dies den Vorteil, dass Fuchs durch einen defensiv ausgerichteten Gegenspieler an seinen Vorstößen gehindert wurde und keinen großen Einfluss auf das Spiel nehmen konnte. Der weiter vorne postierte Bastos wirkte häufig isoliert, bzw. fand keine Anspielstationen und Balitsch hatte ihn in der Regel gut im Griff. Im zentralen Mittelfeld kümmerte sich Kioytake zu Beginn des Spiels um Jones, tauschte dann aber mit Feulner die Position und spielte fortan gegen Kolasinac. Das defensive Mittelfeld wurde nicht aggressiv attackiert, aber die Passwege zu weiter vorne positionierten Spielern in der Regel sehr gut zugestellt. Jones und Kolasinac sahen sich zu vielen Rückpässen gezwungen, bzw. konnten das Spiel aus dem Zentrum heraus kaum gestalten. Kam der Ball dann aber doch in das Angriffsdrittel, wurde es durchaus gefährlich. Meiner Meinung nach war unsere offensive Viererreihe etwas zu hoch, bzw. unsere defensive Viererkette etwas zu tief positioniert und die Lücke zwischen diesen beiden Linien zu groß. Jedenfalls war es, auch bedingt durch individuelle Fehler unserer Spieler, zu einfach zu Chancen zu kommen. Dass der Glubb zur Halbzeit nicht zurück lag, war vor allem der schwachen Chancenverwertung der Gäste zu verdanken.

In der zweiten Halbzeit wurden dann aber einige Veränderungen vorgenommen, die das Blatt zum Besseren wenden sollten: Aus dem 4-1-4-1 wurde ein 4-4-1-1 und der Raum vor der Abwehr deutlich verdichtet. Schalke hatte fortan weniger Chancen und entwickelte ab der sechzigsten Minute kaum noch Torgefahr. Zudem erleichterte die offensivere Ausrichtung von Kioytake das Konterspiel, da er nun häufiger in vorgezogener Position an den Ball kam. Dadurch, dass Schalke spätestens nach dem 2:0 sehr offensiv agierte, genügte es häufig mit vier Mann anzugreifen und dennoch Gleich- wenn nicht sogar Überzahl im Angriff zu haben. Kioytake hatte zudem mehr Freiräume, da das defensive Mittelfeld von Schalke durch die Hereinnahme von Raffael an Kompaktheit verlor. Raffael sollte vermutlich für die Verbindung von Spielaufbau und Offensive sorgen, dies gelang ihm jedoch nicht einmal im Ansatz.

Zwar hatte der Glubb nur wenig Ballbesitz, dominierte aber auch ohne diesen das Spielgeschehen. Schalke konnte nur wenig gefährliche Pässe spielen und ein großer Teil des Ballbesitzes fand fernab des Nürnberger Tores statt. Die Hereinnahme von Frantz zur Halbzeit garantierte eine äußerst schnelle und bewegliche Offensivabteilung mit Esswein im Sturmzentrum, Frantz und Chandler auf den Flügeln und dahinter Kioytake. Esswein steuerte instinktiv freie Räume an und Kioytake profitierte enorm von der verbesserten Bewegung im Angriff: Auf einmal boten sich Passmöglichkeiten, die so in dieser Saison noch nicht zu sehen waren. Der Glubb erspielte sich eine Reihe hundertprozentiger Torchancen, die in der Regel sehr gut abgeschlossen wurden.

Was bleibt? In der ersten Halbzeit bot der Glubb zu wenig und aufgrund dieser Halbzeit hätte es auch durchaus eine deftige Niederlage geben können. Das Team aber hatte Glück und Wiesinger stellte zur Halbzeit geschickt um und fortan hatte der 1. FC Nürnberg den Gegner gut im Griff. Die Konter wurden sehr gut zu Ende gespielt und die bereits zu Beginn angesprochenen Verbesserungen im Umschaltspiel zahlten sich aus. Somit bleibt ein glücklicher, aber keinesfalls unverdienter Sieg.

Statistiken und Co gibt es diesmal leider nicht – im Moment ist noch nichts verfügbar. Lohnenswert ist es aber sicherlich die Zuspiele auf und von der Schalker Doppelsechs anzuschauen – viel dürfte da nicht nach vorne gekommen sein.

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