25. Spieltag FC Augsburg – 1. FC Nürnberg 1:2

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Augsburg sah sich aufgrund der Tabellensituationen von Beginn an dazu gezwungen die Spielleitung zu übernehmen und der Glubb nahm diese Rollenverteilung dankend an. Es war klar zu erkennen, dass Nürnberg nicht das Spiel gewinnen musste und dementsprechend konzentrierte sich die Mannschaft auf sichere Defensivarbeit und Konterspiel.

Beide Mannschaften spielten im 4-1-4-1, der Glubb wies jedoch defensive Modifikationen auf: Bei gegnerischen Ballbesitz schob sich Kiyotake (halbrechtes zentrales Mittelfeld) vor Feulner (halblinkes zentrales Mittelfeld) und kümmerte sich lose um Ottl. Dabei versuchte er weniger den Ball zu erobern, sondern vielmehr den gegnerischen Spielaufbau aus dem defensiven Mittelfeld zu unterbinden. Pekhart übernahm eine ähnliche Rolle und stellte die Passwege aus der Abwehr in das defensive Mittelfeld zu. Da durch das Vorrücken von Kioytake die Viererkette vor Simons unterbrochen wurde, schob sich dieser in das halbrechte defensive Mittelfeld. Augsburg war mit dieser Situation völlig überfordert und hatte enorme Probleme den Spielaufbau aus dem Zentrum heraus zu forcieren. Durch die kompakte und enge Spielweise von Nürnberg sahen sie sich dazu gezwungen über die Außenbahn zu attackieren.

Grundsätzliche Ausrichtung beider Mannschaften

Grundsätzliche Ausrichtung beider Mannschaften

Über ihre linke Seite war dies jedoch kaum möglich, da mit Chandler und Balitsch zwei defensiv ausgerichtete Spieler die rechte Außenbahn des Glubbs besetzten. Augsburg konzentrierte sich auf die Seite mit Esswein, der in der Vergangenheit nicht durch einen besonders großen Defensivbeitrag auf sich aufmerksam machte und Plattenhardt, der unsicher wirkte. Konsequenterweise erzielten die Augsburger den Ausgleichstreffer über diese Seite. Jedoch muss hervorgehoben werden, dass Esswein auch diesmal in der Defensive viel leistete und die Hereinnahme von Pinola zu einer Absicherung führte. Egal wie schlecht Pinola in den vergangenen Wochen war, er ist zumindest im Moment alternativlos. Von Plattenhardt hätte ich mir aufgrund von mehrjähriger Kaderzugehörigkeit deutlich mehr erwartet.

Augsburg versucht über die Außenbahn zum Erfolg zu kommen

Augsburg versucht über die Außenbahn zum Erfolg zu kommen

In der Defensive wurde der Glubb somit nur selten unter Druck gesetzt, wie aber sah es in der Offensive aus? Grauenhaft. Der Glubb hatte in der ersten Halbzeit zeitweise eine erfolgreiche Passquote von unter 60% und nur sehr wenig Ballbesitz, was in Anbetracht der vielen Fehlpässe aber nicht weiter verwunderlich ist. Erst die Hereinnahme von Pinola, sowie die um einige Meter nach vorne verlegte Verteidigungslinie brachten Besserung. Das Umschalten nach Balleroberung, das zu Beginn der Rückrunde stark verbessert schien, ist wieder auf Hinrunden-Niveau zurückgefallen und die wenigen sich bietenden Kontermöglichkeiten wurden mit einer Ausnahme, ausgerechnet nach aggressiver Balleroberung in Tornähe, liegen gelassen. Spielerisch war das ein Rückfall in die schlimmsten Hecking‘schen Zeiten.

Schlussendlich entschied die höhere individuelle Klasse des Glubbs das Spiel: In der Abwehr wurden mit Ausnahme des Fehlers von Schäfer keine individuellen Fehler gemacht und in der Offensive brillierte der stark verbesserte Esswein. Augsburg fand keinen Weg gegen die kompakte und enge Spielweise des 1. FC Nürnbergs. So zum Beispiel wurde KEIN Pass der Augsburger in den Sechzehnmeterraum gespielt und die Abschlüsse im Strafraum waren überschaubar. Der Glubb wurde kaum gefordert und nur selten mit der eigenen Schwäche, der Spielgestaltung, konfrontiert. Ein absolut verdienter Sieg, der die letzten Abstiegssorgen beseitigen und Planungssicherheit garantieren sollte. Wir befinden uns in der luxuriösen Situation bereits jetzt an den Grundsteinen für die nächste Saison arbeiten zu können und können auch das ein oder andere Experiment hinsichtlich Taktik wagen sowie talentierten Jugendspielern zu Einsätzen verhelfen. Vielleicht kann dann das alljährliche Ziel Klassenerhalt etwas nach oben korrigiert werden – dem Anspruch des 1. FC Nürnbergs würde es sicherlich nicht schaden.

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3 Kommentare zu 25. Spieltag FC Augsburg – 1. FC Nürnberg 1:2

  1. Exilfrange sagt:

    Ein treffender Bericht, auch wenn die Augsburger Hilflosigkeit durchaus durch Nürnberger (Defensiv-)Leistung bedingt wurde, nicht nur durch ihre Unfähigkeit. Ich habe das Konterspiel zudem etwas weniger kritisch gesehen, hier blitzte ab und an doch Positives auf. Esswein nach gefühlten Äonen wieder in Schuss, klasse und willkommen zurück! Schäfers Lapsus blieb zum Glück ohne Folgen und das ist definitv eine Leistung, auf die man aufbauen kann. Gegen Schalke werden wir allerdings mehr gefordert werden und auch selber wieder mutiger sein müssen. So leicht wie heute ist es selten.

  2. Toni sagt:

    Eine Augenweide war das Spiel heute wahrlich wieder nicht – aber was solls? Der Zweck heiligt die Mittel, und Kampf konnte ich auf jeden Fall erkennen! Wir sind der Glubb, und Wiesinger trägt dazu einen erheblichen Teil bei. Im Gegensatz zu Heckings Anti-Fußball macht mir der FCN wieder DEUTLICH mehr Spaß jetzt.

    Deine Berichte sind immer der Wahnsinn, ich wollte mich einfach mal dafür bedanken und sagen: WEITER SO! Ich hoffe dass sich irgendwann die Sport-Gazetten auch mal wieder so viel Mühe geben, anstatt die immer gleichen Phrasen im Infinite Repeat abspulen.

  3. Chaos sagt:

    Ersteinmal freue ich mich sehr über Kommentare und Gegenansichten – gerne davon mehr in Zukunft!

    Ein kleiner taktischer Nachtrag: Mölders kümmerte sich beim Spielaufbau relativ intensiv um Klose, mittlerweile wurde von anderen Mannschaften erkannt, dass Klose der spielstärkere unserer beiden Innenverteidiger ist.

    Mir macht der Fußball unter Wiesinger auch deutlich mehr Spaß – nebenbei ist er auch noch erfolgreicher. Ich bin immer noch der Meinung, dass Hecking mindestens ein Jahr zu lange beim Glubb war. Rückschritt war sicherlich eine drastische Formulierung, in Anbetracht der Tatsache, dass wir die erste Halbzeit total abgeschenkt haben: Wenige Pässe, noch weniger erfolgreiche Pässe, verheerend wenig Ballbesitz. Die Wahrscheinlichkeit, dass vier Pässe hintereinander den Mitspieler finden, war zeitweise unter 10%.

    Ich will aber auch herausstellen, dass der Glubb defensiv nichts zugelassen hat. Im Kollektiv wurde sinnvoll agiert und es wurden keine individuellen Fehler begangen.

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