Westblick #14: Heimspiel

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republick auf das Geschehen in Nürnberg

Am Sonntagnachmittag öffnet unser Stadion wieder seine Pforten. Das ist aus vielerlei Hinsicht erwähnenswert. Erstens ist es sportlich gesehen der deutlich punktegesegnetere Boden als auswärts (16:9 Punkte) und wir sind, wie man jetzt überall lesen darf, auch der einzige Verein der zu Hause den Bayern als Gästen nicht 3 Punkte überließ. So weit so schön. Natürlich gibt es noch einen weiteren Grund, herauszustellen, dass ein Heimspiel bevorsteht und das ist der offizielle Stadionname. Ich betone das Wort offiziell hier gründlich, um niemandem zu nahe zu treten; zur Kampagne Pro Max Morlock Stadion kommen wir später im Übrigen noch. Der vierte Name in sieben Jahren, keine schlechte Quote. Aber wie kommt es eigentlich dazu? Werfen wir einen Blick auf die Umstände.

Grundig

Der neue offizielle Name des Stadions

Die Firma Grundig hat sich gestern für insgesamt 3,2 Mio. € (800.000€ p.a.) auf 4 Jahre die Namensrechte gesichert. Dieser Betrag kommt nicht direkt dem FCN zugute, sondern der Stadionbetreibergesellschaft. Das Stadion gehört nämlich leider nicht dem Verein, sondern der Stadt. Seit 2005 betreibt sie das Stadion aber nicht mehr selbst, sondern an ihrer Stelle eine Betreibergesellschaft. Die Stadt hatte der Essener Firma Hochtief für 38 Mio. € auf 10 Jahre den Zuschlag gegeben, Hochtief hält seitdem die Namensrechte und ca. 75% an der Betreibergesellschaft selbst. Firmen sind anders als der Staat und seine Kommunen gewinnorientiert. Das heißt, Hochtief kaufte sich nicht aus Nächstenliebe ein, sondern um Geld zu verdienen. Mit unserem Stadion. Das klappt, wenn man den offiziellen Äußerungen der Betreibergesellschaft Glauben schenkt, nur bedingt. Immer wieder ist von roten Zahlen die Rede, die geschätzten 3,5 Mio. € Jahresmiete, die der Glubb überweist, reichen nicht aus um die Betriebskosten zu decken. Als Konzert- und Eventstadion wird das Stadion kaum genutzt, ob so etwas wie das Wintergame noch einmal stattfinden wird ist fraglich, nachdem danach der Rasen hinüber war.

Stadion Luftansicht

Schmuck, aber noch zeitgemäß?

Zum Vergleich: Auf Schalke kann der Rasen einfach hinausgefahren werden, diese Kosten entfallen also. Wenn man also als Veranstalter die freie Wahl hat, warum sollte man gerade unser Achteck als Veranstaltungsort wählen? Auch Rock im Park, einst regelmäßiger Umsatzbringer, findet mittlerweile fest auf dem Zeppelinfeld statt. Was bleibt noch? Der Glubb und die Zeugen Jehovas, die einmal im Jahr ein Treffen abhalten. Das ist für die Betreiber zu wenig, die zudem auch noch Kosten des WM-Umbaus von 2006 abtragen müssen. Zur Erinnerung: Unser Stadion wurde 2006 für ca. 56 Mio. € saniert, mit Regenauffangbecken versehen, an der Statik wurde geschraubt (notgedrungen) und das Spielfeld abgesenkt, was angesichts des Grundwasserspiegels (der gesamte Bereich ist ehemaliges Sumpfgebiet) recht aufwändig war. Den Großteil (28 Mio. €) schoss der Freistaat zu, der gerne 2 Austragungsorte der WM wollte. Einen zweiten Batzen zahlte die Stadt Nürnberg (gute 12 Mio. €). Eine Million brachten die Länderspiele. Blieben noch etwa 14 Mio. € die auf die Betreibergesellschaft zurückfielen. Diese Kosten will sie wieder einfahren wozu ihr im Grunde genau zwei Möglichkeiten bleiben: 1. Sie vermarktet das Stadion besser, zum Beispiel im Cateringbereich oder eben durch den Verkauf von Namensrechten. In vielen Stadien sind die einzelnen Blöcke nicht nach Persönlichkeiten, sondern nach Firmen benannt. Aber natürlich ist das Sahnestück der Stadionname selbst, den die Betreibergesellschaft auch prompt an die Norisbank und ihren Ratenkredit vergab.

Isigreddid

Zum Glück Vergangenheit: Ehemaliges Stadionlogo


Die offizielle Verkündigung dazu: Das musste sein, sonst hätten wir die Miete erhöhen müssen. Das ist nämlich Möglichkeit 2. Dabei greift eine Sonderform der Mieterhöhung, die Modernisierungsumlage. Wer als Vermieter die Qualität des Objektes nicht nur erhält, sondern sie verbessert, der kann die entsprechenden Kosten auf den Mieter in Form einer Mieterhöhung von maximal 11% der Modernisierungskosten umlegen. Wenn also dies angenommen wird, so könnte die Betreibergesellschaft in unserem Fall pro Jahr eine gute Million mehr verlangen. Dies wurde in der Vergangenheit durch die Norisbank unnötig gemacht und der neue Vertrag erspart uns diese wohl auch.

Nun zu den Bestrebungen, das Stadion nach Max Morlock zu benennen. Auch wenn es wohl noch viele andere würdige Namensgeber in unserer Historie gegeben hätte, finde ich es insgesamt eine ebenso begrüßenswerte, wie erfolgreiche Kampagne. Erfolgreich? Wie bitte? Richtig gehört. Für mich ist die Kampagne mitverantwortlich, dass man dieses Mal nach einem weniger konflikttauglichem Partner suchte als dem bisherigen Produkt. Ein Ratenkredit mit hoher Zinslast, den nur Unwissende oder „nicht kreditwürdige“ Menschen wohl in Anspruch nehmen. Neben diesem moralischen Aspekt war der Name aber auch einfach nur peinlich. „Los wir fahren nach Nürnberg, da gibts ganz easy Kredit (Punkte)“. Herrjeh. Dahingehend ist der neue Partner ein riesiger Fortschritt, auch wenn die jetzige Marke Grundig mit der hier tief verwurzelten Firma vom Maxl Grundig fast nichts mehr gemeinsam hat. Wenn heute die Firma auch türkisch, die Produktion längst woanders ist, verbinden doch trotzdem noch viele eine ganze Menge Nostalgie mit diesem Namen und teilen Familiengeschichte mit dem ehemaligen Unternehmen. Noch immer hat der Name Grundig in Nürnberg einen guten Klang und ist auch mit der Historie des FCN verwoben. Sogar Trikotsponsor war die alte Firma einst. Schon jetzt ist abzusehen, dass es in der Fanszene für diesen Namen weit mehr Rückhalt geben wird als für den alten. Dass man sich diesmal also Zeit nahm und nach einem passenderen Kandidaten suchte, geht für mich mit auf das Konto der Krawallmacher Chaoten Randalierer engagierten Fans (die Medien bringen mich noch ganz durcheinander). Es sei erwähnt dass diese Aktion von weiten Teilen der aktiven Fanszene getragen wird und dass es jede Menge konkrete Vorschläge gab, statt nur bloßem Protest und Gemosere, weswegen ich die Behauptung auch aufstelle, dass es ohne diese Aktion einen vielleicht weniger akzeptablen Namenspächter gegeben hätte. Danke an dieser Stelle! Am Sonntag findet übrigens noch eine Kundgebung zum selbigen Thema statt. Wir meinen, das ist einen Blick wert!

Für den vollständigen Erfolg der Kampagne ist vielleicht einfach noch nicht die Zeit. Ehe die Betreibergesellschaft ihre Kosten nicht wieder drin hat ist es wohl sogar völlig utopisch. Danach bleibt immer noch die Frage, ob man bei Hochtief wirklich auf diese Einnahme verzichten würde.

Max Morlock Stadion

Logo der Kampagne Pro MMS


Angesichts all dessen bin ich persönlich nicht unglücklich. Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, der vielleicht irgendwann noch bessere Früchte trägt. Im Jahr 2015 endet der Vertrag mit Hochtief und die Karten werden eventuell neu gemischt.

Auf das Spiel hat das alles allerdings kaum Einfluss, auch wenn wohl ein neuerliches Bekenntnis pro MMS der Ultras zu erwarten ist. Es wird sicher eine schöne Choreo und ich denke, dass der Namenspächter Grundig wusste, dass er nicht alle Fans würde auf seine Seite ziehen können. Für alle die hier also Sorge haben, dass man einen Geschäftspartner vergrätzt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dies mit einer anderen Gemütshaltung als Gelassenheit betrachtet.

Max Morlock Stadion

Gekaperte Domain www.grundig-stadion.de Die Einigung ist mittlerweile erfolgt.

Dies zeigt auch schon die Reaktion auf das Kapern der Stadiondomain, hier hat man sich schnell, unkompliziert und augenzwinkernd auf eine Ablöse zugunsten des Vereins Anja EV geeinigt.

Ebenso gelassen könnte man auch auf das Spiel schauen, denn der Glubb befindet sich im Aufwind. Die Mechanismen unter Wiesinger beginnen immer besser zu greifen, Neuzugang Mohammed Ildiz deutete an, für die Zukunft mit seiner Schusskraft eine Option werden zu können und mit Hannover kommt eine defensiv verunsicherte und auswärtsschwache Mannschaft zu uns. Slomka ist aber auch nicht mal ebenso grundlos bei den Bayern als Trainer gehandelt worden. Er ist ein erfahrener und gewiefter Taktiker. Ich bin sicher, dass er seine Lehren aus der eigenen Talfahrt gezogen hat. Einen ersten Vorgeschmack gab es letzte Woche, als er ungewohnt defensiv auftrat, um der Gegentorflut ein Ende zu bereiten. Mit Erfolg. Auch gegen uns kann es durchaus so kommen, dass man uns das Spiel überlässt. Auch wenn es bei den Spielzügen Fortschritte gab, ist unsere Mannschaft noch immer dann am besten, wenn sie den Gegner unter Druck setzen kann, den Ball erobert, um anschließend in die entstandenen Lücken zu stoßen. Stattdessen könnte es sein, dass wir gegen einen gut formierten Gegner anlaufen und dann gefährliche Kontergelegenheiten für Hannover entstehen. An guten Offensivkräften mangelt es dort beileibe nicht, wie wir schon im Hinspiel erfahren durften.

In der Aufstellung gibt es wenig Grund, etwas zu ändern. Einzig Robbie Mak könnte eine Option für die Startelf sein, wobei auch hier nicht wirklich damit zu rechnen ist. Ildiz deutete zwar gutes Niveau an, aber ein derartiger Kurzeinsatz kann nicht die Basis für eine wirkliche Beurteilung sein – zudem gesteht er selbst ein, dass er noch Rückstände im Training hat. Wenn es Änderungen geben wird, dann eher

Aufstellung

Die mögliche Startaufstellung

unfreiwillig: Pekhart, Klose und Chandler plagten sich mit kleineren Wehwechen, mussten teilweise das Training abbrechen. Bei allen dreien sieht es nach momentanem Stand für Sonntag gut aus, hoffen wir, dass das so bleibt.

Unterm Strich wird es mal wieder ein enges Match, bei dem der Glubb aber alle Chancen hat. Unser Gegner ist ebenfalls nicht ohne Probleme, weswegen ein Sieg durchaus drin ist. Fast noch wichtiger aber ist, dass Wiesinger seinen eingeschlagenen Weg weitergeht und wir auf mehr Situationen im Spielverlauf eine Antwort finden. Dann braucht uns selbst bei einer Niederlage nicht bange werden.

Bildquellen: fcn.de, Yabasta.blogsport.de

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