21. Spieltag Eintracht Frankfurt – 1. FC Nürnberg 0:0

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

In der Bundesliga hat sich herumgesprochen, dass der Versuch Frankfurt zu kontrollieren, eng mit dem Einschränken der Kreise von Rode und Schwegler verbunden ist. Obwohl dieser Ansatz vielversprechend klingt und eigentlich auch nicht übermäßig schwer umzusetzen ist, gelingt dies manchen Mannschaften besser als anderen. Hatte der 1. FC Nürnberg Erfolg mit seiner Strategie?

Betrachtet man die bloßen Zahlen, dann ist dies nicht so eindeutig: Rode hat im Saison-Durchschnitt 70 Ballkontakte pro Spiel und bekommt 85.5% seiner Pässe zum Mann. Er hat eine gute Zweikampfquote von 54.5%, bei durchschnittlich 18 Zweikämpfen pro Partie. Heute hatte er ebenfalls 70 Ballkontakte, brachte 81.1% seiner Pässe zum Mann und ging in 60% seiner Zweikämpfe (25) als Sieger vom Platz. Schwegler ist im Saison-Durchschnitt 68 mal pro Spiel am Ball, hat eine erfolgreiche Passquote von 82.4% und gewinnt 58.8% seiner Zweikämpfe, von denen er pro durchschnittlich 22 bestreitet. Heute hatte er deutlich mehr Ballkontakte (84), brachte 84.8% seiner Pässe zum Mann und hatte in 59% seiner Zweikämpfe (21) die Nase vorn.

Wie lassen sich diese Daten interpretieren? Zum einen muss man die unterschiedlichen Rollen von Schwegler und Rode verstehen. Schwegler ist ein wenig defensiver ausgerichtet als Rode und agiert aus zurückgezogener Position, auch um sich für den ersten Ball aus der Abwehr anzubieten. Beide wurden heute durch gutes Pressing von Feulner und Balitsch bedrängt. Dies verdeutlicht sich in der insgesamt schwächeren Passquote von Rode, der dadurch, dass er sich weniger Zeit am Ball erlauben konnte, mehr Fehler machte. Schwegler dagegen, der ohnehin tiefer steht, entzog sich etwas dem Pressing und kam deshalb häufiger an den Ball als sonst üblich. Seine hohe erfolgreiche Passquote lässt sich durch viele sichere Bälle zurück in die Abwehr (Innenverteidigung) erklären. Interessant ist aber vor allem, dass Rode in deutlich mehr Zweikämpfe (25) verwickelt war als sonst üblich (18). Er, der vorgerückter spielte als Schwegler, war praktisch unmittelbar nach Ballannahme in einen Zweikampf verwickelt. Bei Schwegler ist dieser Effekt nicht zu erkennen.

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Allgemeine taktische Ausrichtung beider Mannschaften. Frankfurt war weiter aufgerückt als der 1. FC Nürnberg. Klose war Lakic zugewiesen, Feulner und Balitsch standen dem Pärchen Schwegler/Rode gegenüber. Die Außenverteidiger waren bei beiden Mannschaften weit aufgerückt. Feulner und Kiyotake wechselten regelmäßig die Position. Meier stieß häufig in den Sturm. Mit Pfeilen dargestellt sind typische Laufwege einzelner Spieler. Gestrichelte Linien mit Doppelpfeil weisen auf Positionswechsel hin. Farbkegel indizieren Pressing, bzw. Mannorientierung.

Was nehmen wir aus diesem kleinen Exkurs in die Statistik mit? Bei Frankfurt funktionierte der Ball aus der Abwehr heraus auf Schwegler einwandfrei, aber die Weiterverarbeitung durch ihn und vor allem Rode, war deutlich schwächer als sonst. Die nachfolgenden Bilder zeigen das deutlich: Im Gegensatz zum vergangenen Spiel gegen Hamburg war das defensive Mittelfeld der Frankfurter häufig zu Rückpässen gezwungen und konnte den Spielaufbau nicht forcieren. Und warum war das so? Weil Wiesinger dem 1. FC Nürnberg das Pressing beigebracht hat. Feulner und Balitsch waren mit ihrer Arbeit gegen den Ball exzellent und leiteten durch Ballgewinne im Mittelfeld den ein oder anderen Konter ein.

Gespielte (blau) und erhaltene Bälle (rot) der Spieler Rode (20) und Schwegler (27) gegen den 1. FC Nürnberg (oben) bzw. den Hamburger SV (unten). Die Stärke des Pfeils entspricht der Häufigkeit des Passweges. Auffallend ist, dass beide Spieler im heutigen Spiel zu mehr Rückpässen gezwungen wurden, bzw. weniger Bälle in die Offensive (Sturm, Außenverteidiger) spielen konnten. Quelle: Bundesliga.de

Beide Mannschaften versuchten ihr Spiel über die Außenbahn aufzuziehen. Der 1. FC Nürnberg vor allem deswegen, weil das eigene defensive Mittelfeld im Spielaufbau zu schwach ist, Frankfurt dagegen, weil ihr zentrales Mittelfeld gut durch den Glubb blockiert wurde. Dementsprechend gab es am heutigen Nachmittag viele Flanken zu sehen und insgesamt hielt sich die Anzahl der wirklich herausgespielten Chancen in Grenzen. Da Frankfurt versuchte die Spielkontrolle zu übernehmen – und mit Hinblick auf den Ballbesitz gelang dies auch – standen sie höher als der 1. FC Nürnberg und Ballverluste im Spielaufbau leiteten häufig gute Konterchancen für den Glubb ein. Dabei wurde einige Male wirklich schön kombiniert, so etwa die flache Hereingabe von Pinola auf Frantz, der hohe Ball in die Tiefe von Kiyotake auf Pekhart oder auch der Steilpass des Japaners auf den einkreuzenden Mak in der Schlussphase. Der 1. FC Nürnberg hatte die deutlicheren Chancen und wäre die Chancenverwertung, über die langsam gesprochen werden muss, nicht so schlecht gewesen, hätte es vermutlich zu mehr als einem Punkt gereicht. Frankfurt präsentierte sich mit ausgeschaltetem kreativem Zentrum ungefährlich und ideenlos – unsere Verteidigung hatte mit dem Gegner größtenteils nur wenige Probleme.

Weitere (teilweise individuelle) Eindrücke: Pinola hat heute sein bestes Saisonspiel absolviert. Sowohl in der Defensive als auch in der Offensive war er fehlerlos und seine Schüsse erstmals seit Monaten, wenn nicht gar Jahren, gefährlich. Balitsch und Simons wirkten ein wenig spielfreudiger als sonst und speziell Simons hatte sehr viele gute Balleroberungen vor der Abwehr. Pekhart wird von Woche zu Woche besser. Er nimmt mehr am Spiel teil und kommt zu Chancen. Feulner ist in meinen Augen auf der Außenbahn verschenkt. Er ist zu antrittsschwach und im Zentrum, auch aufgrund seiner Übersicht, wertvoller. Mak hat großes Spielverständnis und tolle Laufwege. Wenn seine Leistungen konstanter werden, und das scheint im Moment der Fall zu sein, werden wir noch viel Freude an ihm haben. Ildiz kann aufgrund der kurzen Einsatzzeit nicht beurteilt werden. Er hatte aber einige schöne Szenen, die darauf hoffen lassen, dass in unserem defensiven Mittelfeld bald etwas mehr Spielkultur einzieht. Dann dürfte es auch leichter sein in Ballbesitz zu bleiben und das Spiel zu kontrollieren. Im Moment ist das noch nicht möglich, immerhin lernt die Mannschaft aber gerade, wie man offensiv verteidigt und schnell von Verteidigung auf Angriff umschaltet. Ich bin zuversichtlich, dass Wiesinger auch den Aspekt Spielkontrolle zukünftig angehen wird.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass der Glubb heute ein wirklich gutes Auswärtsspiel abgeliefert hat. Der 1. FC Nürnberg stellte die gefährlichere Mannschaft, neutralisierte den Gegner und ein Sieg wäre nicht unverdient gewesen. Ich glaube, dass wir nächste Woche auch gegen Hannover 96 mithalten können und die Chancen nicht schlecht stehen mit drei Punkten aus diesen Spiel zu gehen.

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2 Kommentare zu 21. Spieltag Eintracht Frankfurt – 1. FC Nürnberg 0:0

  1. Sierra sagt:

    Hallo Chaos,

    ein sehr schöner und informativer Beitrag, grad für mich als Statistikfan.

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