DFL Papier: So stimmte der FCN – und das steht wirklich in den Anträgen!

Hintergrundbericht der IGZ

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Es hat ordentlich gescheppert in der letzten Woche. Viele waren enttäuscht vom Verein und dass alle 16 Anträge des DFL Papieres durchkamen. Es wurde auf das Beispiel Union Berlin verwiesen, welches als Leuchtturm der Fanbewegung fungiert und von dem man sich eine Strahlkraft auch bis nach Nürnberg erhoffte. Im Vorfeld war vom FCN die Dialogbereitschaft auch signalisiert worden und die Hoffnungen waren groß, zumindest Teile des Papieres gemeinsam verhindern zu können. Daher explodierte die Wucht der Enttäuschung danach umso mehr, beispielsweise auf Facebook, teilweise sprach man sogar von Verrat durch die Vereinsführung.
Durch die 47 Seiten Anträge und Erläuterung werden sich aber nur die Wenigsten gekämpft haben, kaum jemand hat im Original gelesen, was eigentlich besprochen und beschlossen wurde.

Die IG Zukunft hat sich diese Mühe gemacht und gibt euch hier einen Überblick über die 16 (+ 3 Ergänzungs-) Anträge und was jeweils dahinter steckt. Oder stecken kann, denn vieles ist auch Interpretationssache.
Außerdem erfahrt ihr hier exklusiv, wo der FCN zugestimmt hat und was er ablehnte. Es soll an dieser Stelle daher auch der Versuch unternommen werden, die Sichtweise der Vereine, insbesondere des FCNs darzulegen und sie mit der Fan-Sicht zu vergleichen.

Peter Bircks, vom FC Augsburg sagte am vergangenen Mittwoch: „Die Fans haben deutlich dazugewonnen. Wenn Sie das genau durchlesen, findet eigentlich eine Verbesserung statt.“
Also auf ins Paragraphen- und Antragsdickicht! Lesen wir das doch mal „genau durch“ und schauen ob diese Aussage wirklich stimmt.

Für diejenigen unter euch, welche die Länge des Artikels etwas einschüchtert, lest zumindest vom Zwischenfazit an, da dort die kritischsten Anträge aus dem Paket folgen.

Anträge 1, 6, 7, 10: Diese Anträge regeln Pflichten für die Vereine, welche die Fans eigentlich nicht tangieren. So müssen Sicherheitsbeauftragter und Fanbeauftragter bei jedem Spiel dabei sein, eventuelle Vorkommnisse in einem Spielberichtsbogen festhalten und ähnliches.
Der FCN hat zugestimmt, verwerflich ist an diesen Anträgen nichts.

Antrag 2: Die DFL hat sich den Dialog mit den Fans ins Stammbuch geschrieben. Ob Lippenbekenntnis, oder ernstgemeinte Ankündigung wird sich zeigen. Uns ist aber beispielsweise bekannt, dass neben der jetzigen Offenlegung des FCNs auch in einem Brief der BVB-Fanbeauftragten der Dialog mit den Fans gesucht wurde. Hier ist der BVB Vorbild, er liefert auch gleich die Begründungen für sein Abstimmungsverhalten und hat so sicher die Wucht der Entrüstung minimiert, ohne dass er die eigene Linie verlassen hätte. Wir hoffen dass solche Beispiele der Transparenz weiter Schule machen.
Der FCN stimmte diesem Antrag zu.

Anträge 3 und 4: Der Polizei wird eine Vorrangschaltung für Videoüberwachungen und ein Überwachungsraum zugesichert. Beides ist beim FCN längst Realität, weswegen der FCN auch zustimmte.
Aus Fan-Sicht wünschen wir uns natürlich angesichts des Umgangs mit Daten durch die Polizei (eine Vielzahl von Personen geriet unschuldig in diese Datenbanken und verblieb dort, obwohl gerichtlich längst entlastet) auch hier Widerstand seitens der Vereine, doch für die meisten Bundesligavereine war dieser Antrag nichts, worüber es sich aufzuregen lohnte, schließlich erfüllte man die Kriterien bereits. Auch sei bei aller berechtigten Kritik an der zunehmenden Überwachung durch den Staat angemerkt, dass wir uns auch immer wieder über die Kollektivstrafen aufregen. Da es im Stadion nun einmal keine Straffreiheit gibt ist es irgendwo doch nachvollziehbar, wenn man dann versucht die Einzeltäter zu identifizieren und zu überführen. Leider haben wir aber momentan den Zustand, Einzel- und Kollektivstrafen gleichzeitig zu erleben. An diesem gilt es weiter zu arbeiten, der Antrag ist aber sicher nicht das Kernproblem und die Zustimmung durch den FCN ist nachvollziehbar.

Anträge 5, 9 und Ergänzungsanträge Werder Bremen und Dynamo Dresden:
Hier geht es um Ordner. Im Antrag 5 wird geregelt, dass die Vereine tunlichst 4 (bei Bedarf deutlich mehr) eigene Ordner mit auswärts schicken. Bei Risikospielen ist dies verbindlich. Die Kosten trägt der Stammverein der Ordner, obwohl es ein Auswärtsspiel ist. Die Haftung liegt weiter beim Veranstalter, auch wenn er kein eigenes Ordnerpersonal im Gastbereich haben sollte.
Antrag 9 regelt eine Schulung nichtvereinseigener Ordner gemäß dem Konzept des DFB. Dynamo Dresden scheiterte mit seinem Antrag, mehr Mitbestimmungsrecht für den Ordnereinsatz durch den Gastverein zu erwirken (dies hielt der FCN ebenfalls für überflüssig, da man als Gastverein bereits in alle Sicherheitsgespräche eingebunden wird), der SVW brachte zudem noch einen für uns nicht relevanten Ergänzungsantrag ein, welcher angenommen wurde.

Beiden Hauptanträgen stimmte der FCN zu. Dass eigene Ordner auswärts mitfahren ist bereits Realität (siehe Eintracht Frankfurt), für Fans und Vereine ändert sich eigentlich nichts oder nur sehr wenig. Dass unsere Fans auswärts dann von Ordnern aus der Nürnberger Nordkurve begleitet werden ist sicher auch keine schlechte Idee. Man kennt sich gegenseitig schon und es gibt wohl weniger Gräben als mit Ordnern „verfeindeter“ Clubs.

Antrag 12:
Es soll ein Sicherheitszertifikat mit einem 5-Sterne-System geschaffen werden, welches Spielstätten und Präventivkonzepte auszeichnet und evtl. auch finanziell prämiert.

Per se kann das eine gute Sache sein, solange die Vereine nicht auf der Jagd nach 5 Sternen und dem Geld unsinnige und als Fanschikane empfundene Maßnahmen einführen. Der FCN hat diesen Antrag nicht derart kritisch gesehen und stimmte zu.

Antrag 13:
Es wurde eine Kommission zum sicheren Stadionerlebnis beschlossen, an der auch Fanorganisationen teilhaben sollen. Auch wenn wir uns bereits sicher fühlen, ist es zumindest eine Möglichkeit in einem Gremium unsere Sicht der Dinge zu repräsentieren.
Auch diesem Antrag stimmte der FCN zu.

Anträge 15/16: Hier geht es um die DFB Gerichtsbarkeit und den Umgang mit Verstößen gegen die Sicherheitsauflagen. In Zukunft soll zum Beispiel mehr in Augenschein genommen werden, wie der jeweilige Verein sich präventiv engagiert und ob er deswegen evtl. Strafminderungen bekommen könne. Außerdem wurde eine mögliche Zweckbindung von Geldstrafen ermöglicht, d.h. in Zukunft kann eine solche (oder eine Vertragsstrafe seitens der DFL) zum Beispiel an die Verbesserung der Sicherheitsinfrastruktur oder der präventiven Fanarbeit gekoppelt werden. Die Vereine spenden das Geld dann nicht mehr, sondern investieren es in die Prävention.
Man mag zu den Kollektivstrafen (Platzsperre, Ausschluss von Fans etc.) ja kritisch stehen wie man will, diese explizite Möglichkeitserweiterung ist aber nicht unbedingt das Ende des Abendlandes, richtig angewendet könnte sie sogar eine sinnvolle Ergänzung der Maßnahmen sein. Der FCN stimmte auch diesem Antrag zu.

ZWISCHENFAZIT:

Nach 13 von 16 Anträgen haben wir hier 13 Zustimmungen des Clubs. Allerdings sind die meisten Anträge für die Fans unerheblich, oder spiegeln die momentane Ausgangslage wider. Manches kann man hinterfragen und kritisieren, jedoch muss man auch akzeptieren, dass der FCN hier seine Ansichten vertritt. Und nicht nur seine eigenen, laut Homepage sollen ja auch einige Fans ihren Zuspruch zum Papier verkündet haben, doch dazu später mehr.
Bisher mag der Gladbacher Verantwortliche Max Eberl mit seiner Aussage „dass in dem Papier nichts wirkliches Dramatisches steht.“ ja halbwegs recht gehabt haben, aber die 13 bisher betrachteten Anträge sind schließlich auch nie der Kern der Aufregung gewesen, weswegen wir uns nun den 3 heißen Eisen nähern.

Antrag 8 und Ergänzungsantrag Eintracht Frankfurt: Hier geht es 1. um Körpervollkontrollen und 2. Gegenstände zur Vermummung.
Zu 1.: Wie man dem BVB-Fanbrief entnehmen kann, waren hier viele Vereine dagegen, wollten diese gar ganz verbieten lassen. „Im Vorfeld hatte u.a. der BVB versucht, diesen Passus so zu erweitern, dass Ganzkörperkontrollen komplett ausgeschlossen werden“. Dies scheiterte aber an juristischen Hürden, da die Polizei durchaus befugt ist, solche Kontrollen anzuordnen, demnach wäre der Passus ungültig gewesen. Der FCN stimmte diesem Antrag in der Urform nicht zu.
Der Antrag wurde dann auch durch Vorschläge und Abmilderungen des FCNs so abgewandelt, dass nicht mehr von Ganzkörperkontrollen die Rede war (weder wird ihre Durchführung als geeignetes Mittel beschrieben, noch wurde ein Verbot festgesetzt, stattdessen werden sie schlichtweg nicht mehr erwähnt). Im Wortlaut heißt es jetzt: „Zur Sicherstellung eines störungsfreien Spielablaufs, zur Verhinderung von Gefahren für die Zuschauer, Spieler und Schiedsrichter sind an den Zu- und Abgängen, den Zu- und Abfahrten der äußeren und inneren Umfriedung der Platzanlage, sowie an den sonstigen Zugängen nicht allgemein zugänglicher Bereiche sind lageabhängig Kontrollen der Besucher und der von ihnen mitgeführten Gegenstände durchzuführen. Die Kontrolleinrichtungen müssen so beschaffen sein, dass Kontrollen sicher, zügig und angemessen durchgeführt werden können.“

Dies stellt im Vergleich zu dem vorigen Text, der nur von „Kontrollen“ sprach und über den sich bisher niemand aufregte, eher eine marginale Veränderung dar. Man könnte sogar so weit gehen und sagen, dass „zügig und angemessen“ durchgeführte Kontrollen besser klingen als nur „Kontrollen“. Ob das de facto eine Verbesserung für uns Fans darstellt? Vermutlich nicht, aber immerhin ist hier nichts Schlimmeres beschlossen worden. Hätten wir uns gewünscht, dass den Vollkontrollen ein Riegel vorgeschoben wird? Sicher, aber wie oben erwähnt, ist dies rechtlich eben nicht so einfach.

Eintracht Frankfurt sicherte sich (und allen anderen) nach seinen Erfahrungen beim Bayernspiel das Recht zu, die Fans (sofern diese dies wünschen) durch Fan/Sicherheitsbeauftragte in die Zelte begleiten zu dürfen. Die war ihnen in München noch verwehrt worden. Einen Zeugen dabei zu haben, ist sicher wünschenswert, weswegen dieser Zusatzantrag sicher im Interesse der Fans ist (auch wenn man sich eher wünschen würde, er wäre nicht notwendig, da man gar nicht erst in Zelte genötigt wird).

Zu 2.: Als Gegenstände zur Vermummung werden nach Änderung des Antrages nur noch Gegenstände die zur Vermummung per se bestimmt sind, nicht Materialien die man theoretisch dazu verwenden könnte, bezeichnet. Explizit geht es um Motorradhelme, Skimasken und Sturmhauben. Schaut man in die meisten Stadionordnungen waren diese ohnehin längst verboten, zumindest geht es eindeutig nicht mehr um Fanware, denn diese ist eben nicht zur Vermummung bestimmt. Wer das letztendlich festlegt bleibt die Frage, aber hier hätte man bei Schikanen zumindest eine gewisse rechtliche Handhabe.
Dem abgewandelten Antrag wurde von Seiten des FCN zugestimmt.
Antrag 11: Der Antrag befasst sich mit dem Begriff „Risikospiel“. Auch an diesem Antrag wurde sehr viel verändert. So wurden die Maßnahmen im Falle eines Risikospiels minimiert und die Pflicht für den ausrichtenden Verein eingefügt, rechtzeitig begründet darzulegen, warum man ein Spiel als Risikospiel deklariere. Dies war in der Vergangenheit deutlich einfacher.

Kritisch zu sehende und in diesem Antrag auch nach Abänderung noch vorhandene Konsequenzen aus einem Risikospiel sind 1. Kontrollen 2. eine mögliche Begrenzung des Gästekontingents (siehe auch Antrag 14)
Zu 1.: Genannt sind „verstärkte Kontrollen“, was viel Interpretationsraum offen lässt, von mehr Personal beim Einlass und mehr Vorsicht (das kennen wir seit vielen Jahren) bis hin zu Ganzkörperkontrollen.
Zu 2.: Auch wenn der Hauptantrag zur Reduzierung der Kartenkontingente Antrag 14 ist, findet sich auch hier ein Absatz: „Begrenzung des Verkaufs der Eintrittskarten sowohl für die Steh- als auch Sitzplatzbereiche;“

Der FCN stimmte diesem Antrag nicht zu.

Antrag 14: Hier geht es um die Reduzierung des Gästekontingets. Das bisher verbriefte Recht auf 10% der Karten wird eingeschränkt, nämlich im Falle von Sicherheitsbedenken. Zwar muss auch hier wieder die Maßnahme begründet werden und sie wird als „ultima ratio“ bezeichnet, was der Furcht vor ständiger Anwendung wohl ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt, trotzdem bleibt es eine gruselige Kollektivstrafe, bei der willkürlich Menschen vom Besuch des Gastspieles ihres Vereins ausgeschlossen werden.

Der Verein lehnte diesen Antrag ab.

Weitere Anträge:
Antrag auf Verschiebung seitens des HSV (abgelehnt).
Der FCN lehnte diesen ab, da aus seiner Sicht eine Verschiebung die Probleme nicht vereinfacht, sondern nur vertagt hätte.

FAZIT:

Zum Papier selbst: Es ist in weiten Teilen harmlos, aber eben nur in weiten Teilen. Die brisanten Teile haben es wirklich in sich, die Hauptkritikpunkte Gästekontingentreduzierung und Ganzkörperkontrollen sind nicht vom Tisch, auch wenn man sich bemüht hat ihren Einsatz unter Rechtfertigungspflicht zu stellen oder die Brisanz der Anträge allgemein hier abgemildert wurde. Man muss aber andererseits auch dazu sagen, dass vieles davon längst gang und gäbe ist und lediglich festgehalten wurde, bzw. manches was wir schon lange kennen (Einlasskontrollen) jetzt mit fanfreundlichen Adjektiven (zügig, verhältnismäßig) ergänzt wurde. Ob sich das wirklich positiv bemerkbar macht bleibt abzuwarten, trotzdem ist vieles nicht ganz so heiß wie es gekocht wird. Trotzdem ist Joachim Watzkes Aussage „Nur diejenigen, die auf Gewalt und Pyrotechnik aus sind, werden damit nicht zufrieden sein.“ einfach unrichtig. Auch wer Gewalt und Pyro ablehnt, kann trotzdem in diesem Papier und der Fortführung von Strafen nach dem Gießkannenprinzip nichts Gutes sehen. Wir haben auch nicht vergessen, dass es in dieser Runde der Entscheider Leute gibt wie Martin Kind, der schon mal offen darüber nachdenkt Strafen über ganze Personengruppen ohne Einzelnachweis der Schuld zu verhängen. Eine Praxis die viele von Stadionverboten Betroffene durchaus kennen, zu der sich aber vorher nie öffentlich bekannt wurde. Das Misstrauen der Fans gegenüber den handelnden Personen sitzt also tief und erschwert den Dialog. Genauso ehrlich kann man auch anmerken, dass das Verhalten mancher Personen auch für Misstrauen auf der Gegenseite gesorgt hat. So ist auch Druck auf DFL und Politik erzeugt worden, etwas zu tun, auch wenn es an Aktionismus erinnert. Denn wenn man der DFL-Logik folgt und nun so gar nichts ganz und gar Neues oder für die Fans Ärgerliches enthalten sei (hier sei angemerkt, dass die mögliche Begrenzung der Gästetickets zum Beispiel eine klare Neuerung und Verschärfung der Lage ist, auch wenn es auch bisher schon Pufferzonen gab), dann muss man sich doch fragen, ob man ein solches Papier wirklich bräuchte, wenn doch alles längst gängige Praxis ist.
Es bleibt der Eindruck, dass man der Politik irgendwie zeigen wollte „wir tun etwas, bleibt ihr ruhig“ und man sich nun eben den Anstrich von großer Tätigkeit gibt. De facto bleiben die wirklichen Kernprobleme bestehen. Das Gegenseitige Vertrauen ist im Minusbereich. Diejenigen, welche die Regeln brechen, werden auch in Zukunft Mittel und Wege finden dies zu tun und Liga und Fußballbund werden weiterhin mit Kollektivstrafen und Hilflosigkeit reagieren. Der gescheiterte Dialog im Bezug auf den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik ist zudem eine schwere Hypothek für die Zukunft.
Bei alledem ist dieses neue Papier zu nichts gut, außer Stimmung zu machen. Dass es nebenbei in weiten Teilen eher bieder daherkommt, ist da nur ein schwacher Trost.

Nun zum FCN: Zunächst einmal wollen wir lobend festhalten, dass man sich jetzt geöffnet hat und das eigene Abstimmungsverhalten auf Anfrage der IG Zukunft transparent gemacht hat. Nur durch derartige Aktionen kann wieder ein besseres Vertrauensverhältnis zueinander aufgebaut werden.
Zusätzlich bleibt festzuhalten, dass der FCN den Fandialog vor der Abstimmung offensichtlich ernst genommen hat und bei den brisanten Punkten auf Änderungen drängte bzw. die Zustimmung verweigerte. Daher ist die große Welle der Empörung gegenüber den Verantwortlichen sicher übertrieben. Man muss auch verstehen, in welcher Lage die Verantwortlichen waren. Sie sitzen zwischen den Stühlen. Druck von der Politik, Druck von der DFL, Druck von den Fans, wobei viele das Papier kritisieren, andere sich aber dafür aussprachen (die Gründe hierfür liegen im schlechten Auftreten mancher Fansund in der schlechten Informationslage vieler Anhänger zum Papier). Angesichts dieser Vielzahl von Stühlen, zwischen denen der FCN saß, waren die Abstimmungsentscheidungen schon sehr rational und unaufgeregt. Und irgendwie auch verständlich, auch wenn man weiterhin die komplette Ablehnung eher gewollt hätte, um ein Zeichen zu setzen, dass wir keinen Aktionismus bräuchten.
Trotzdem bleiben einige Kritikpunkte und Wünsche fürs nächste Mal offen:

1. Zügigere Offenlegung. Vor einer Woche noch haben auf beiden Seiten die Informierten diskutiert. Jetzt ist die Stunde der Uninformierten und Unreflektierten. Jetzt gibt es eine unsachliche Stimmung gegenüber den Verantwortlichen aber auch ligaweit der aktiven Fanszene gegenüber. Statt gegenseitiges Vertrauen zu fördern, werden die Grabenkämpfe kräftig befeuert. Der FCN hat den günstigen Zeitpunkt zur Aufklärung verpasst. Dabei hätte sich auch der FCN große Teile der Entrüstung ersparen können. Gefragt, warum man nur auf Anfrage und nicht sofort von sich aus die eigene Sichtweise mitgeteilt habe, gab es von FCN Seite die Stellungnahme, dass man hinter den Mehrheitsentscheidungen stehe und man aus Solidarität zu den anders abstimmenden Vereinen das eigene Votum nicht habe offen legen wollen.
Mit anderen Worten: Man wollte den schwarzen Peter nicht zu den „Ja“-Stimmern abschieben. Es ist nur seltsam, dass diese sich offensichtlich nicht scheu waren, ihre volle Zustimmung herauszuprahlen. So gab zum Beispiel schon letzte Woche Gerd Mäuser vom VFB Stuttgart zu Protokoll: „Wir haben allen 16 Einzelanträgen zugestimmt.“, auch der HSV machte an selber Stelle Ausführungen zum eigenen Abstimmungsverhalten (wenn auch vager) und Klaus Allofs bekundete seine Freude, dass alle 16 Anträge angenommen worden seien, was zumindest sehr deutliche Rückschlüsse auf das Abstimmungsverhalten seines VFL zulässt. Die Solidarität des FCN in allen Ehren, aber angesichts des Verhaltens der Kollegen hätte man diesen Schritt eher und deutlicher machen müssen. Der bereits erwähnte und angehängte Brief der BVB Fanvertreter ist ein Beispiel, wie man richtig und deutlich Stellung nimmt, denn völlig realistisch muss man sagen, dass ein derartiges Statement auf der Homepage viel mehr Leute erreicht hätte, als es dieser IGZ-Artikel nun tun wird. Eine verpasste Chance von Seiten des FCN, die wir sehr bedauern.

2. Mehr Feingefühl. Am letzten Dienstag gab es die Verlautbarung, dass der FCN den Anträgen zustimmen würde. Dies ist nicht nur inhaltlich falsch, denn es wurde ja schließlich nicht nur zugestimmt, sondern auch ein Schlag ins Kontor für alle Kritiker des Papieres. Angesichts der eigenen, oftmals sich doch mit den Fans überschneidenden Haltung, z.B. was die Begrenzung des Gästekontingents angeht, hätte man dies doch deutlich anders formulieren können und müssen.
Außerdem widerspricht es der eigenen Bekundung, dass man über das eigene Abstimmungsverhalten eigentlich aus Solidarität nichts hätte sagen wollen. Dann ist es umso merkwürdiger, einen Tag VOR der Abstimmung schon zu verraten wie man abstimmen wird. Besonders wenn man es dann gar nicht tut.
Was auch immer da falsch gelaufen ist, wir hoffen dass hier in Zukunft mit mehr Feingefühl agiert wird.

3. Mehr Mut. Dass die Vereine, die ihre aktiven Fans verstehen dies nur zögerlich bekunden, ist einfach nur schade. Bei allem positiven Engagement, das neben bekannten Problemen von der Fanszene ausgeht, wäre etwas mediale Rückendeckung wirklich angebracht.

4. Mehr Mitbestimmung. Dialog ist gut und schön, aber bei einer so wichtigen Entscheidung wäre eine Mitgliederbefragung (ob bei einer Abstimmung oder per Anschreiben) die richtige Wahl gewesen. Damit hätte man eine Linie seitens der Fans gehabt, die man hätte repräsentieren können, ohne verschiedenste Faninteressen und –strömungen einbinden zu müssen. Mit dieser Intention hätte auch eine Zustimmung zum Antrag des HSV durchaus Sinn ergeben.

Anders als es die umfangreiche Aufstellung von Verbesserungswünschen vermuten lässt, ist der Grundtenor des Fazits über den FCN (nicht jenes über das Papier selbst) jedoch positiv. Der FCN hat vieles richtig gemacht, er hat mit dazu beigetragen das manche Anträge entschärft wurden durch seine Änderungswünsche. So hat er  seine Zustimmung zu manchem brisanten verweigert,  war verantwortlich zum Beispiel dass eine weitere Verlängerung von Stadionverboten nicht im Papier auftaucht. Insgemsamt brachte der FCN 7 Änderungsanträge ein, die sich z.B. gegen die Vollkontrollen und die Ticketreduzierungen richteten, oder aber sich für die Stärkung der Fanprojekte auswirken werden. Somit hat unser Verein den Fandialog vor der Abstimmung durchaus respektiert und eingehalten. Das ist definitv etwas auf dem man für die Zukunft aufbauen kann um gemeinsam statt gegeneinander zu arbeiten und Horrorszenarien der Fankultur nach amerikanischem Vorbild abzuwenden.

 

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3 Kommentare zu DFL Papier: So stimmte der FCN – und das steht wirklich in den Anträgen!

  1. Klaus Günter Mattlat sagt:

    Ich finde es klasse was der Club-Vorstand da gemacht hat und kann es nur unterstützen,den Bengalos braucht man nicht im Stadion,den ich habe selbst schon mal des öfteren Fans behandeln müssen die mit Bengalos in kontakt ( verbrennungen) gehabt haben. Sollte man doch diese Bengalos abfackeln möchten dann bitte mit der Feuerwehr absprechen und dann bitte ausserhalb von den Stadions.

    • Exilfrange sagt:

      Man muss fairerweise dazu sagen, dass die Leute die sich für Legalisierung von Pyro einsetzen auch über kontrolliertes Abbrennen zum Beispiel auf der Tartanban nachdenken. Und Dinge vorgeschlagen haben wie Schulungen der Ausführenden (Pyropass). Das Thema Pyro ist wirklich nicht ganz so eindimensional wie es die Medien manchmal schildern (die ja gleichzeitig Feuerwerk und oft auch Pyro ausländischer Vereine gerne schwärmerisch umschreiben).
      Die Frage bei Pyro ist doch: Kann man das gefahrlos machen. Im Stehplatzblockganz sicher nicht, aber wie gesagt gab es auch schon ganz andere Vorschläge, die aber ebenso nichtmal zur Diskussion kamen. Der Fandialog stecktt in vielen Angelegenheiten wirklich noch in den Kinderschuhen. Das zeigt besonders das von dir angesprochene Thema Pyro wo der DFB ja vollmundige Versprechungen abgab, die er anschließend nicht hielt.
      Diese Form der „Fanverarsche“ (so empfinden es dann viele) führt dann wieder zu Gegenreaktionen und Eskalation und wiederum Gegeneskalation.

      Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen aber nicht mit lustigen Papieren, die wieder genutzt werden, Menschen zu diffamieren sondern mit ernsthaftem Dialog.

      Ich bin gespannt ob Antrag 2 mehr sein wird als eine Luftblase. Ich hoffe das aber ehrlich.

  2. Klaus Günter Mattlat sagt:

    Dieser Bericht ist sehr gut aufgemacht und ich kann es nur weiter empfehlen das sich die Fans arangieren und gemeinsam dieses unterstützen so wie in Gesprächen mit Martin Bader weiter entwickeln damit diese „Fan-Kultur“ in den Stadions weiter friedlich leben kann ohne Provokation von aussen,den wir möchten friedlich die Spiele mitgestalten brauchen keine Schlägerreien und sind auch multikulti egal was für eine Hautfarbe oder Glauben jeder hat. Wir Fans sind Bunt und Stolz Fan vom Traditionsverein „1 FCN“ der Club sein zu können.

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