17. Spieltag: Werder Bremen – 1. FC Nürnberg 1:1

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten FC Nürnbergs

Bei der heutigen Partie handelte es sich um eines der Spiele, die sich von der ersten Minute an in die falsche Richtung entwickeln. Ich möchte mich nicht detailliert auf die Leistung des Linienrichters eingehen, aber ich glaube es herrscht Konsens darüber, dass das Unentschieden unserer Leistung schmeichelt, aufgrund der letzten zehn Minuten aber auch als unglücklich empfunden werden kann. Dennoch möchte ich mich in allererster Linie auf die Punkte konzentrieren, die schlussendlich dazu führten, dass ich mit dem Unentschieden mehr als zufrieden bin. Die Gründe, die dazu führten, dass der Glubb einfach nicht in das Spiel gekommen ist und nur sehr wenig entgegenzusetzen hatte, versuche ich im nachfolgenden auszuarbeiten:

– Bremen spielte ein sehr dynamisches 4-1-4-1 und speziell die Mittelfeldachse um Juzunovic auf der Sechs und de Bruyne im halblinken, bzw. Hunt im halbrechten Mittelfeld rochierten ausgezeichnet. Der Glubb setzte ein 4-2-3-1 dagegen, das nominell dazu führte, dass jedem gegnerischen Mittelfeldspieler ein Gegenspieler zugeordnet wurde. Diese lockere Manndeckung, wie sie in der Vergangenheit häufig zum Erfolg führte, funktionierte am heutigen Tag nur unzureichend. Bedingt durch die ständigen Rochaden der Bremer verlor der Glubb die Kompaktheit, die ihn ansonsten auszeichnet und auch das Prinzip der Raumverknappung führte zu keinem Erfolg. Besonders de Bruyne zeigte ein unglaubliches Gespür für freie Räume, bot sich immer wieder kurz an und entging vielen Zweikämpfen dadurch, dass er den Ball prallen ließ. Die ständige Bildung von neuen Anspielstationen hatte zur Folge, dass das defensive Mittelfeld des Glubbs nur noch am laufen war und kaum eingreifen konnte.

– Die angesprochene Schwäche des defensiven Mittelfelds hing jedoch auch mit der Rolle der offensiven Dreierreihe, bzw. dem Sturm zusammen: Gebhart und Kiyotake rochierten sehr häufig, eventuell zu häufig, was meiner Meinung nach dazu führte, dass sie viel zu oft am falschen Platz waren. Auch Feulner, der relativ vorgezogen agierte, war defensiv nicht besonders bestimmend. Nicht selten ergab sich aus diesen Situationen eine Unterzahl auf der Außenbahn, die den Glubb speziell in der ersten Halbzeit immer wieder in Bedrängnis brachte. So beschwerte sich Schäfer nicht umsonst bei Gebhart, als dieser wieder einmal seinen Gegenspieler laufen ließ.

– Der entscheidende Punkt für die Bremer Gefährlichkeit resultierte aus den ungedeckten Räumen vor Außen- und Innenverteidigung, speziell die Halbräume auf unserer rechten Abwehrseite. Chandler war, wie immer, viel in der Offensive unterwegs und vergößerte diese Räume zusätzlich. Dafür ist ihm jedoch erst einmal kein Vorwurf zu machen. De Bruyne aber erkannte diese Räum und startete immer wieder in sie hinein – und fast immer wurde es gefährlich. Die gesamte Defensiv Struktur des Glubbs war heute einfach schlecht: Es wurde zwischen den Linien zu viele Räume gelassen, startende Spieler wurden nicht verfolgt und bereits vorhandene Räume unnötig vergrößert. Hecking reagierte zur Halbzeit und der rechte Halbraum wurde durch Simons besser abgesichert. Fortan stand der Glubb etwas kompakter, jedoch war es noch immer zu einfach Raum zu generieren.

– Die Hereinnahme von Mak erwies sich als sehr guter Einfall. Die schwache Chancenverwertung der Bremer ließ diese immer wieder aufrücken und die Idee von Dieter Hecking war wohl, die freiwerdenden Räume mit einem schnellen Mann zu bespielen, der gegebenenfalls auch Befreiungsschläge erlaufen kann. Mak boten sich einige dieser Möglichkeiten und auch am Tor des Glubbs war er entscheidend beteiligt. Er spielte nominell auf der Außenbahn, es zog ihn jedoch ständig in die Mitte. Insgesamt hoffe ich, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat und aus seinen definitiv vorhandenen Talent mehr macht als bis jetzt.

Unterm Strich war das ein sehr schwacher Auftritt des Glubbs. Besonderes Lob hat sich allein Schäfer verdient, der den Glubb sehr lange im Spiel gehalten hat. Ich habe jetzt vor allem defensive Schwächen angesprochen, in der Offensive sah es, wie fast immer, jedoch kaum besser aus (72% angekommene Pässe, 40% Ballbesitz). Speziell das Verhalten des defensiven Mittelfeldes ist teilweise schockierend (Ballscheu im Spielaufbau) und Nilssons Spieleröffnung, selbst in Situationen mit einfacher Anspielmöglichkeit, einfach zu durchschaubar. Vor hohen Bällen fürchtet sich kein Innenverteidiger. Nebenbei hat mir ebenfalls nicht gefallen, dass sich einige Spieler, allen voran Polter und Gebhart, zu häufig fallen lassen und auf Freistöße spekulieren. Speziell Gebhart muss dringend lernen, dass Fußball ein Mannschaftssport ist – seine aussichtslosen Dribblings gegen eine Überzahl von Gegenspielern kosten ihm Kraft, die ihm in entscheidenden Situationen fehlt. Ich hoffe, dass im Winter die spielerische Armut adressiert wird und der geneigte Glubb-Fan in der Rückrunde etwas besseren Fußball geboten bekommt. Mit dem Abstieg werden wir aber nichts zu tun haben!

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