16. Spieltag 1. FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf 2:0

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten FC Nürnbergs

Im deutschen Fußball, dessen emotionalisierte Berichterstattung Helden und Deppen dringend erfordert, wird dazu geneigt individuelle Leistungen überzubewerten. Doch wenn man über das Spiel gegen Düsseldorf reden möchte, bzw. die Ursache dafür sucht, warum es am Ende zu einen Sieg gereicht, kommt man nicht daran vorbei zumindest über die Personalie Feulner zu sprechen. Ich bin ein ausgesprochener Kritiker von Feulner und ich denke mit Grauen an die Auftritte zurück, die er in der vergangenen Saison auf der rechten Außenbahn, sei es offensiv oder defensiv, abgeliefert hat. Seine Aktionen waren sehr eindimensional und sein Stellungsspiel fragwürdig – man merkte in jeder Situation, dass er kein Außenverteidiger ist.

In den Spielen, in denen er jetzt wahlweise im defensiven, bzw. offensivem Zentrum eingesetzt wurde, zeigte sich ein anderes Bild: Feulner war sehr präsent, bewies Spielübersicht und enorme Ballsicherheit – anders ausgedrückt: Richtig gut! Er spielte das, was gerne als Box-to-Box-Midfielder beschrieben wird: Ein Spieler, der sowohl in der Offensive als auch in der Defensive zu finden ist, also ein Ballschlepper, der sich namensgebend zwischen den beiden Strafräumen aufhält. Dieser Spielergattung ist vor dem Aussterben bedroht, da die spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 immer spielstärker werdende Doppelsechs bereits das Bindeglied zwischen Verteidigung und Angriff darstellt. Doch warum bringt dem Glubb Feulner momentan so viel? Weil die Doppelsechs mit Simons und Balitsch, alles ist, nur nicht spielstark. Die Schwäche unseres Systems und die mangelnde Fähigkeit den Ball nach vorne zu bringen machen Feulner auf einmal zu einem gefragten Mann.

Doch welche Auswirkungen konkret hat Feulner auf das Spiel des Glubbs: Erstens entlastet er Balitsch und Simons im Spielaufbau. Und zweitens kombinierte er hervorragend mit Frantz und Chandler. Unser Flügelspiel ist sei längerer Zeit ziemlich schwach und erst kürzlich habe ich mich darüber gefreut, dass das Hinterlaufen endlich etwas stärker eingesetzt wurde. Doch immernoch ist das Zusammenspiel zwischen Außenverteidiger und Außenstürmer sehr eindimensional und einfach zu verteidigen. Dadurch, dass sich Feulner aber diesem Duo anschließt gibt es eine weitere Anspielstation und manche Situationen, die sich zu zweit nicht mehr lösen lassen können, werden zu dritt gelöst. Anders ausgedrückt: Eigentlich sollte der Außenverteidiger hinter die Abwehr gelangen und in deren Rücken spielen. Das klappt selten, weil das Zusammenspiel ungenügend ist, auf einmal aber übernahm Feulner diese Aufgabe und spielte zwei wunderbare Pässe in den Rücken der Abwehr.

So, genug zur sehr guten Leistung von Feulner. Ansonsten war spielerisch wieder sehr wenig zu sehen. Der Glubb versuchte – wie eigentlich immer – mit Flanken zum Erfolg zu kommen und im Gegensatz zu 80% der Mannschaften aus der 1. Bundesliga hatte Düsseldorf damit enorme Probleme. Immer wenn es über die Außenbahn ging, bzw. der Ball irgendwie in das Zentrum gespielt wurde, wurde es gefährlich. Interessanterweise hatte Düsseldorf ansonsten die reifere Spielanlage und schaffte das, was der Glubb nur selten schaffte – in den Rücken der Abwehr zu kommen. Zum Glück ließen sie einige gute Chancen liegen, bzw. vergaben aus besten Positionen. Hier sei auch noch die Personalie Pinola angesprochen: Bei sehr vielen Angriffen über seine Seite wurde es gefährlich. Pinola ist zusammen mit Mintal das prägende Gesicht des Glubbs in den letzten Jahren – aber wenn er nicht bald zur Normalform zurückfindet, wird es sehr eng für ihn! Insgesamt war die Abwehr nicht so sicher wie beispielsweise gegen Leverkusen.

Wie hat Maddin vergangene Woche so schön geschrieben? Ein gefühlter Sieg. Und gestern? Eine gefühlte Niederlage? Wohl eher nicht! Das Spiel hat wieder alte Schwächen aufgezeigt, jedoch mit Feulner auch eine Lösung angeboten: Was passiert aber bei Formschwäche oder gar Verletzung? Der Glubb muss die Schwächen im System addressieren – es wäre fahrlässig sich von individuellen Leistungen abhängig zu machen.

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2 Kommentare zu 16. Spieltag 1. FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf 2:0

  1. Sickobilly sagt:

    Botzeck, immer wieder BOTZECK!

  2. Bernd sagt:

    wohl wahr. bleibt aber auch festzuhalten daß wir zwar in der hinrunde nicht wirklich nit traumfussball verwöhnt worden sind, auf deranderen seite aber oll im soll liegen. mehr wäre wünschenswert gewesen, aber wenn mir einer vor 6 wochen 19 punkte versprochen hätte, das hätt ich vom fleck weg unterschrieben. an dieser stelle auch einen schönen gruss an die vorstadt, die wunderbar aufzeigen wie man es nicht machen sollte…

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