Eine Niederlage als gefühlter Sieg?


Man kann gegen den Tabellenzweiten verlieren, man kann sogar gegen den Tabellenzweiten verlieren und dabei nicht sonderlich gut aussehen. Das wäre alles, wenn man mal die Gesamtsituation mit dem noch recht mageren Punktekonto außen vor lässt, verzeihlich gewesen. Unter dem Strich muss man aber sagen, dass wir verloren haben und dabei sehr gut ausgesehen haben.

Eines vorneweg: Raphael Schäfer macht in dieser Saison einen Klassejob. Auch ich war eigentlich schon öfters davon überzeugt, dass wir den Generationenwechsel im Tor eher früher als später vollziehen sollten, doch momentan überzeugt er mich einfach. Wenn man mal von seiner notorischen Schwäche beim Rauskommen absieht, erlaubt er sich kaum Fehler und hat auch beim Schnellmachen oder -halten des Spiels viel dazugelernt. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen man im Stadion gefühlte Minuten auf einen Abschlag warten musste. Da hat einer das Spiel des modernen Torhüters im relativ hohen Fußballalter doch noch erlernt!

Defensiv hatten wir uns gestern kaum etwas vorzuwerfen: Die Innenverteidigung agiert in den letzten Wochen sicher und routiniert, Klose ist wie ein Fels in der Brandung und auch Nilsson hat sein solides Spiel längst wiedergefunden. Gefahr durch die Mitte gab es eigentlich nur, wenn die Außenverteidiger, insbesondere Chandler, gerade einen Offensivausflug getätigt hatten und deswegen der schnelle und trickreiche Schürrle über die Leverkusener linke Seite Druck machen konnte, was wiederum Kießling im Sturm mehr Freiräume gab. In genau einer solchen Szene schoss dann Kießling auch das 1:0 für die bis dahin schwachen Leverkusener – da in dieser Szene aber zwei Mal Abseits vorlag (schon der vorhergehende Pass aus der Verteidigung auf die linke Angriffsseite war irregulär), darf man unserem Team keinen Vorwurf machen. Leverkusen konnte sich in der Folge hinten reinstellen und auf Fehler, bzw. Konter lauern. Abgesehen von der etwas turbulenten Schlussphase inklusive Pfostenschuss hat man an diesem Tag recht wenig von der Bayer-Offensive sehen können, was klar für unsere Hintermannschaft (und unsere beiden Strategen Balitsch und Simons) spricht.

Im Mittelfeld war Kiyotake auf seiner Lieblingsposition direkt hinter den Spitzen unterwegs und hinterließ dabei einen guten Eindruck, wenn auch nicht so genial wie noch am Mittwoch. Auch über Gebhart und Frantz auf den Außenpositionen darf man nichts Negatives schreiben: Sie haben sich häufig Bälle im Mittelfeld erkämpft und Spielzüge über die Außen eingeleitet, leider ohne den letzten Pass in Strafraumnähe. Dafür ist aber auch eine gute Leverkusener Defensivabteilung verantwortlich, die gerade auf den Außenpositionen mit Spielern wie Hosogai und Carvajal gut aufgestellt war. Dass wir wieder genau wissen, warum wir einen Wollscheid vermissen, dürfte angesichts dessen unauffälliger und solider Abwehrarbeit gestern auch klar sein.

Dennoch hatte der FCN gestern Chancen auf den Sieg, doch Polter, Gebhart und Co. ließen im Torabschluss die letzte Kaltschnäuzigkeit vermissen, die man braucht, um gegen ein Spitzenteam zu gewinnen. Ich bin dennoch froh, dass wir überhaupt wieder so etwas wie 100-prozentige Torchancen erspielen, denn davon war in diesem Herbst phasenweise nichts zu sehen.

Man kann Hecking nichts vorwerfen in taktischer Hinsicht, seine Auswechslungen dagegen erwiesen sich als unglücklich: Pekhart zeigte sich weiter komplett abwesend, als er sich noch fast 30 Minuten lang auf Polters Position austoben durfte – er war ein Nichtfaktor in diesem Spiel. Mit Mak für Balitsch wollte Hecking natürlich noch mehr auf Offensive setzen, doch zu sehen war auch von Mak nichts. Stattdessen ging gegen Ende die defensive Ordnung etwas verloren, ohne jedoch ein Mehr an Offensive dagegensetzen zu können. Esswein für Frantz war eine ähnlich schlechte Entscheidung – unsere Hoffnung Nummer Eins des Vorjahres schwebt weiter im Nirvana einer unerklärlichen Form- und Sinnkrise. In dieser Form hat er eigentlich in der Top 14 des FCN-Kaders nichts verloren!

Fazit: Wir hätten dieses Spiel gewinnen können, und die Niederlage ist trotzdem nicht so schmerzend, wie man es vielleicht denken könnte. Eine schwache Schiedsrichterleistung begünstigte Leverkusen ein wenig, war jedoch nicht wirlich ausschlaggebend für den Punktverlust. Wenn wir ähnlich diszipliniert weiterspielen und uns offensiv wieder ähnlich gut Chancen erkämpfen, dürften wir gegen schwächere Teams auch mehr Punkte mitnehmen. Umso ärgerlicher ist daher im Nachhinein die unnötige und selbstverschuldete Ergebniskrise aus dem Frühherbst.

Maddin, IG Zukunft

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