Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder I

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Mein Blick auf die Glubbwelt

Vielen Unternehmen fällt der Einstieg in vorhandene Märkte schwer, da bereits etablierte Unternehmen vorhanden sind, welche potentielle Kunden für sich gebunden haben. Nach den Entwicklungen der vergangenen Jahre fällt es schwer zu verleugnen, dass es sich bei professionellen Fußballvereinen um Wirtschaftsunternehmen handelt. Was spricht also dagegen den einleitenden Satz auf den Fußball zu übertragen?

Er liefert keine brauchbare Erklärung dafür, dass Vereine wie Hoffenheim oder Leipzig erfolgreich sind. Was führte dazu, dass in einem Markt, der eigentlich eine hohe und historisch gewachsene Kundenbindung aufweisen müsste, ein Neuankömmling für Furore sorgen kann? Ich behaupte, dass die Traditionsvereine ein Milieu geschaffen haben, dass sich ausgezeichnet zum Wachstum von Vereinen wie Hoffenheim eignet.

Der Fußball wurde über die Jahre verwässert und verlor an Profil. Durch aufdringliche Werbung, seichtes Infotainment und ein unpassendes Rahmenprogramm rückten Fans und Fußballspiel immer mehr in den Hintergrund. Mittlerweile werden in den Stadien austauschbare Erlebnisse ohne Charakter geboten. Solange der Fan nicht in irgendeiner Art und Weise emotional gebunden wird, hat es für ihn keine Bedeutung in welchem Stadion diese Form der Unterhaltung stattfindet.

Diese Bindung erfolgt hauptsächlich auf zwei Wegen: Zum einen über Spieler und Mannschaften mit denen sich der Fan identifizieren kann und zum anderen dadurch, dass die Vereine integrative Bestandteile ihrer jeweiligen Region sind.

Der letztgenannte Aspekt ist noch immer von großer Bedeutung, wurde aber durch die ausgedehnte Berichterstattung im Fernsehen abgeschwächt. Heute steht ein Nürnberger, der Manchester United verfolgen möchte, vor keinen nennenswerten Problemen mehr. Die Beziehung zwischen Fans und Spielern hat sich in den vergangenen Jahren jedoch grundsätzlich verändert. Früher war es keine Seltenheit, dass ein Spieler Fan des Vereins war, für den er spielte. Von wem kann man das noch heute behaupten? Die Spieler waren mündige Menschen und standen ganz im Gegensatz zum profillosen Fußball-Profi der Gegenwart, der sich hinter Floskeln aus dem Interview-Baukasten zu verstecken scheint.

Dieses Verhalten ist einer Medienlandschaft geschuldet, in der sich Helden und Deppen im wöchentlichen Rhythmus abwechseln und in der ein Spieler nach einem gelungenen Spiel bereits ein Star ist. Wenn beispielsweise Hiroshi Kiyotake ein Held sein soll, oder eben jeder andere Spieler der am vorrausgegangenen Spieltag das entscheidende Tor geschossen hat, was ist dann Max Morlock? Ein Superheld? Durch die übertriebene Verwendung von Superlativen und Extremen stumpft der Fußball ab und droht mit den Emotionen sein wichtigstes Gut zu verlieren.

Mittlerweile haben einige Vereine ihre Tradition wieder für sich entdeckt. Vergessen sind die Jahre, in denen das höchste der Traditionspflege, die Auflistung der Meisterschaften im Briefkopf war. Doch was bringt Tradition, wenn sie nicht vermittelt wird und gleichzeitig die oben beschriebenen Umstände dazu führen, dass eine neue Generation von Fußballfans herangezogen wird, die den Fußball als Event begreift? Wie viel Bedeutung hat Tradition für diese Fans?

Die Traditionsvereine haben unüberlegt damit begonnen Fans zu Konsumenten zu degradieren. Dem Besucher interessiert nicht länger der Verein, sondern die Unterhaltung, die von diesem geboten wird. Dieser neue Markt kann von Vereinen wie Hoffenheim und Leipzig ausgezeichnet bedient werden und bringt die Traditionsvereine in die Bredouille. Die Revolution frisst sozusagen ihre eigenen Kinder.

Nächste Woche geht es weiter mit „Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder II – was kann der 1. FC Nürnberg tun?“

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