13. Spieltag SpVgg Greuther Fürth – 1. FC Nürnberg 0:0

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten FC Nürnbergs

Es ist schwer einen taktische Analyse über ein Spiel zu schreiben, dass aus spielerischer und taktischer Sicht nur sehr wenig geboten hat und dessen sich überschaubarer Unterhaltungswert allein aus der großen Historie der beiden Mannschaften und einer mindestens genauso großen Rivalität ableitete. Aber hat man als Glubb-Fan, als der man vielleicht noch ab und zu in Richtung des westlichen Nachbaren schielt und sich in den vergangenen Wochen und Monaten zumindest ab und zu die Tabelle zu Gemüte geführt hat, etwas anderes erwarten? Eigentlich nicht, aber trotzdem bin ich nach der „Großmutter aller Derbys“ enttäuscht.

Auf die vorhandenen taktischen Aspekte möchte ich somit nur in aller Kürze eingehen:

Bereits die Formationen der beiden Mannschaften spiegelten das Unentschieden wieder, das letztendlich nach 90 Minuten auf der Spielanzeige zu sehen war: Die Fürther im 4-1-4-1 empfingen den Glubb im 4-2-3-1 – oder anders ausgerdrückt: Jeder Spieler auf dem Platz hatte einen direkten, sich aus der Formation ableitenden Gegenspieler. Hecking spielt, speziell gegen große Mannschaften, gerne im 4-1-4-1 um Spiele „einzufrieren“, bzw. der gegnerischen Mannschaft so wenig wie möglich „natürliche“ Freiräume zu gewähren. Das wollte Büskens scheinbar und das Ergebnis war ein Spiel, das von der ersten Minute an tot war. Beide Mannschaften neutralisierten sich: Der Glubb war vielleicht in der ein oder anderen Situation individuell etwas stärker, Fürth aber hielt mit enormer Aggressivität dagegen. Das Spiel war von häufigen Unterbrechungen geprägt und sinnvolle Angriffsbemühungen waren beim Glubb nicht und bei Fürth nur sehr selten zu sehen. Interessant war, wie sich die beiden Zielspieler, Asamoah und Polter, in der ersten Halbzeit verhalten haben: Asamoah hat von 23 Zweikämpfen in der gegnerischen Hälfte 43% gewonnen, wohingegen Polter von 15 Zweikämpfen nur 27% für sich entscheiden konnte. Ein deutlicher Unterschied und ein wichtiger Punkt im Verständnis des Spiels: Der Glubb hatte enorme Probleme den Ball in der gegnerischen Hälfte zu behaupten, Fürth dagegen stellte sich dabei geschickter an und war deshalb auch die etwas gefährlichere Mannschaft.

Mit der roten Karte für Feulner verschärfte sich die Situation weiter und Hecking machte das einzig richtige: Er zog Frantz aus dem offensiven Zentrum auf die linke Außenbahn, wechselte Esswein aus und verstärkte das Zentrum mit Balitsch. Fortan wurde im 4-4-1 gespielt. In der Halbzeit wurde dann ein Wechsel getätigt, der zwar logisch im Gesamtkonzept war, aber nicht das war, was ich sehen wollte: Kiyotake wurde für Plattenhardt ausgewechselt, um die offensive Außenbahn mit Spielern (Frantz, Plattenhardt) zu bestücken, die sehr viel defensive Laufbereitschaft aufweisen und so den Außenverteidigern ein zeitiges Einrücken in Richtung des Strafraums ermöglichten und für Kompaktheit sorgen. Doch hieraus ergab sich ein Problem: Der chronisch ungefährliche Glubb opferte Kiyotake, den Garant für brauchbare Standardsituationen und augenscheinlich der einzigen Möglichkeit am heutigen Tag ein Tor zu erzielen.

Büskens brachte einen zweiten Stürmer, in Anbetracht der direkten Spielweise und der Fixierung auf Asamoah, der somit eine weitere Anspielstation hatte, eine nachvollziehbare Entscheidung. Bis zum Platzverweis von Sararer dominierte Fürth das Spiel, hatte aber Angst in einen Konter zu laufen. Dementsprechend wenig zwingend waren auch die Offensivaktionen und somit überstand der Glubb diese „Drangphase“ relativ souverän.

Als dann wieder Gleichzahl herrschte, kam der Glubb wieder etwas besser ins Spiel, doch schlussendlich kam vom ruhmreichen 1. FC Nürnberg kein einziger (!) Schuss in Richtung des Tores, der eine Parade von Grün erfordert hätte. Die Situation, die bereits in der ersten Halbzeit vorlag – nämlich ein Patt – stellte sich wieder ein. Schlussendlich war es ein emotionales Derby auf nicht-bundesligatauglichem Niveau. Beide Mannschaften hatten kaum Möglichkeiten Tore zu erzielen und zeigten die Schwächen, die sie bereits in der gesamten Saison mit sich herumschleppen. Sollten sich beide Mannschaften im Saisonverlauf nicht steigern können, dann ist die Wahrscheinlichkeit eines Derbys in der nächsten Situation – nur eine Etage tiefer – nicht unmöglich. Speziell von der Seite des Glubbs,der sicher die bessere Mannschaft stellte, aber auch von Fürth, hätte ich mir einen offensiveren, aggressiveren Spielstil gewünscht – aber dazu war die Angst vor der eigenen Courage zu groß. Alles in allem kein Derby, über das man in zwanzig Jahren noch groß sprechen wird – zumindest nicht aus der Sicht des 1. FC Nürnberg!

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