Westblick #3: Falsche Siegertypen

Unser Exilant gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Unser Exilant gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Man durfte sich schon wundern, nach dem gestrigen Spiel, zu welchen Erklärungen die Bayernspieler und -verantwortlichen griffen, um für sie zwei verlorene Punkte zu begründen. Die Härte des Nürnberger Spiels stand dabei ganz oben auf der Liste, aber auch der Rasen des Max-Morlock-Stadions und natürlich der Länderspieltermin unter der Woche durften nicht fehlen.

Um es klar zu sagen. Der FC Bayern München hat gestern den Sieg verpasst, weil er nicht entschlossen genug auf das zweite Tor drängte, weil er gedanklich wohl noch in der Vorwoche bei einem anrennendem Gegner wie der Eintracht Frankfurt war und auf Konter setzte. Weil er mit dem agressiven, aber legalen, Pressing des Glubbs nie zurecht kam. Weil Manuel Neuer beim, zugegeben schwierig zu haltenden, Flatterball Feulners wie erstarrt auf der Linie blieb. Weil in der Folge man kein Mittel fand zu antworten, sondern stattdessen Nürnberg drückte. Weil man auch in Überzahl sich kaum klare Chancen erarbeiten konnte.

Statt aber selbstkritisch zu sein, wurde lieber auf den Gegner geschimpft. Eine Ausnahme im deutschen Profifußball? Bei weitem nicht. Gerade Spieler und Verantwortliche von Spitzenklubs stehen unter enormen Erfolgsdruck. Neben Titeln geht es auch um eine ganze Menge Geld. Gleichzeitig leben wir in einer Zeit, wo Spielern die Ecken und Kanten immer weiter ausgetrieben werden, wo interne Meckereien und offene Kritik am eigenen Team oft mit Geldstrafen belegt werden und echte Typen oft als Problemspieler gesehen werden. Statt mündigen Spielern, die auch mal die eigene (Nicht-)Leistung offen ansprechen wachsen so Wegducker und Ausredensucher heran.
Spieler die nur das Siegen kennen und keine Antworten auf Niederlagen finden. Die es gewohnt sind, dass es eben läuft und mit Sand im Getriebe nicht klarkommen.
Diesen falschen Siegertyp erleben wir auch immer wieder bei der Nationalmannschaft, wo in wichtigen Spielen oder kritischen Situationen oft der letzte Biss zu fehlen scheint und nach dem Spiel dann oft Ratlosigkeit herrscht. Doch längst nicht nur dort und beim FCB ist dies der Fall, bei unserem 1:1 gegen Dortmund schimpfte Klopp über den Schiedsrichter und das es nicht sein könne, dass das so faire Dortmund doch mehr gelbe Karten als Nürnberg erhalten habe. Dabei war auch dieser Punkt sauber erarbeitet worden. Warum hier nicht einfach dem Gegner eine gute Leistung attestiert werden konnte, weiß wohl nur Klopp. Derselbe Klopp, der den (ebenfalls oft als schlechter Verlierer auftretenden) Tuchel im Vorjahr mit Anlauf wegschubste, weil die Mainzer auf einen verletzten Dortmunder keine Rücksicht nahmen und den Ausgleich erzielten. Dabei hatte der BVB zunächst selbst weitergespielt. Auch Watzke störte dieses Faktum nicht, er sprach von einer „Sauerei“. Auch Jupp Heynckes, der es immerhin schaffte, die für ihn 2 verlorenen Punkte gestern nicht als Beinbruch zu bezeichnen, suchte noch nach Erklärungen jenseits der eigenen Verantwortlichkeit, diesmal in Form des Länderspiels, welches das gezielte Training torpediert habe. Zwei Jahre zuvor war noch der Schiedsrichter Ziel seiner Schuldzuweisungen, dieser habe seine (Leverkusener) Spieler im Spiel gegen den Glubb „nicht geschützt“.
Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, auch Uli Hoeneß reklamierte vor noch nicht langer Zeit, die Schiedsrichter würden „im Zweifelsfall gegen Bayern“ pfeiffen. Mit Fakten belegen lässt sich dies freilich nicht.

Große Persönlichkeiten stehen zu ihren Fehlern und suchen sie nicht bei anderen. Ihrer Verantwortung als Vorbild sollten sich so manche Personen wieder bewusst werden. Denn echtes Fairplay braucht keine Ausreden. Und echte Siegertypen erkennt man in der Niederlage.

Share
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Westblick #3: Falsche Siegertypen

  1. Fuchs Harald sagt:

    Ich bin zwar ein HSVler, aber das ist doch immer das selbe mit den arroganten Bayern. Bei Niederlagen, oder wie in diesem Fall bei einem Unentschieden flüchten sie sich immer wieder in nicht nachvollziehbare Ausreden. Bestes Beispiel Bastian Schweinsteiger. Der stand doch am Samstag beim Interview völlig unter Drogen. Wusste der überhaupt, was er sagte. Eine wahre Schande für einen Nationalspieler wie er es ist. Und ausserdem, der Heynkes ist doch selber Schuld, wenn er meint, nur weil er gegen den Club spielt, kann man die Mannschaft gleich auf sechs Positionen verändern. Die waren doch schon in Gedanken beim CL-Spiel in Valencia. So etwas nennt man Arroganz, und die gehört, wie in diesem Falle bestraft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.