12. Spieltag 1. FC Nürnberg – FC Bayern München 1:1

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten FC Nürnbergs

Warum eine funk­tio­nie­rende Tak­tik nicht ein zwei­tes Mal verwenden?

Wahr­schein­lich dachte sich Die­ter Hecking ähnli­ches und wählte zum Auf­takt in die Derby-Woche eine modi­fi­zierte Ver­sion der Tak­tik, die bereits gegen Dort­mund Ver­wen­dung fand und dem 1. FC Nürn­berg zu einem uner­hoff­ten Punkt verhalf.

Es sagt sich einfach, dass es dem Glubb gegen spiel­starke Mann­schaf­ten leich­ter fällt als gegen die soge­nann­ten “klei­nen Teams”. Doch hin­ter die­ser Aus­sage ver­birgt sich sehr viel Wahr­heit: Wenn sich der 1. FC Nürn­berg kom­plett auf die Ver­tei­di­gung kon­zen­trie­ren kann, daher, wenn die Stärke des Geg­ners dies legi­ti­miert und man von vor­ne­her­ein mit einem 0:0 zufrie­den wäre, dann ist der Glubb ein wahn­sin­nig unan­ge­neh­mer Geg­ner. Bei eher defen­siv, bzw. reak­tiv aus­ge­rich­te­ten Geg­nern, muss mehr in die Offen­sive inves­tiert wer­den und dadurch kommt es sehr schnell zu einer Desta­bi­li­se­rung der Defensive.

Doch heute war eine sehr defen­sive Aus­rich­tung gefragt: Der 1. FC Nürn­berg im 4−2−3−1 / 4−1−4−1 zog sich sehr weit zurück und über­ließ die kom­plette geg­ne­ri­sche Hälfe den Münch­nern. Bei geg­ne­ri­schem Ball­be­sitz war allein Pol­ter vor der Mit­tel­li­nie zu fin­den. Im Gegen­satz zu Pek­hart in den vorangegangenen Spielen atta­ckierte er aber nicht wahl­los die geg­ne­ri­sche Ver­tei­di­gung, son­dern kon­zen­trierte sich dar­auf die Pass­weg zum spielstarken Innen­ver­tei­di­ger Dante zuzu­stel­len, bzw. die­sen bei Ball­be­sitz unter Druck zu set­zen. Somit wur­den die Angriffe auf die rechte Seite gelenkt und der Spiel­auf­bau des Geg­ners ver­lief über den eher rus­ti­ka­le­ren van Buyten.

Doch in der ers­ten Hälfte ging die­ser Plan nicht auf: Dadurch, dass selbst die geg­ne­ri­schen defen­si­ven Mit­tel­feld­spie­ler erst einige Meter hin­ter der Mit­tel­li­nie ange­grif­fen wur­den, hatte van Buy­ten immer eine Anspiel­sta­tion für einen kur­zen Pass und die Dop­pels­echs  aus Tymosh­chuck und Schwein­stei­ger sehr viel Zeit am Ball. Durch die zurück­ge­zo­gene Ver­tei­di­gungs­hal­tung sollte der Spiel­raum vor dem Straf­raum ver­dich­tet wer­den, zusätz­lich stand die Vie­rer­kette sehr eng. Dies hatte jedoch zur Folge, dass Schwein­stei­ger und Tymosch­chuck in alle Ruhe Dia­go­nal­pässe hin­ter die Außen­ver­tei­di­gung schla­gen konn­ten und Kroos, Mül­ler und Shaqiri, die sehr viel rochierten, immer wie­der in den Rücken der Glubb-Abwehr gelang­ten. Glück­li­cher­weise rückte Klose immer zum rich­ti­gen Zeit­punkt her­aus und konnte mit sei­nem für ihn cha­rak­te­ris­ti­schem Ein­schrei­ten in letz­ter Sekunde (schlicht­weg sen­sa­tio­nell) immer wie­der ent­schei­dend klä­ren. So betrug der Rück­stand zur Halb­zeit zum Glück nur ein Tor und noch nichts war verloren.

Was änderte sich in der zwei­ten Halb­zeit? Nicht viel! Es waren Klei­nig­kei­ten, so stand etwa der Glubb brei­ter und die Außen­ver­tei­di­ger wur­den frü­her atta­ckiert. Ent­schei­dend aber war, dass das defen­sive Mit­tel­feld des Geg­ners frü­her und nach­hal­ti­ger unter Druck gesetzt wurde (die Verteilung der gelben Karten zwischen erster und zweiter Halbzeit spricht eine deutliche Sprache): Aus genau solch einem Ball­ver­lust enstand schluss­end­lich der etwas glück­li­che Aus­gleichs­tref­fer nach einem Tor­wart­feh­ler, dem Feh­ler im defen­si­ven Mit­tel­feld des FC Bay­ern Mün­chen vor­aus ging. Dadurch, dass der Glubb die Dop­pels­echs früh­zei­tig atta­ckierte und die Außen­ver­tei­di­ger näher an den geg­ne­ri­schen Außen­stür­mern stan­den (= brei­ter), wur­den die Dia­go­nal­pässe in den Rücken der Abwehr unter­bun­den und die Haupt­ge­fahr entschärft.

Nach dem Platzverweis von Gebhart stellte Hecking Chandler in das Mittelfeld und Korczowski auf die Position des rechten Verteidigers: Auf diese Weise wurden Shaqiri und Alaba praktisch eine „doppelte Außenverteidigung“ vor die Nase gestellt, die diese beiden Spieler sehr gut im Griff hatte. Aus der Viererkette wurde häufig eine Fünferkette und auf der linken Seite geschah mit dem Pärchen Pinola / Esswein ähnliches. Unterm Strich hatte der Glubb auch in der Drangphase des FC Bayern München das Geschehen relativ gut im Griff und die Verdichtung vor dem Sechzehnmeterraum zahlte sich aus.

Letzendlich war das heute eine gute Leistung, ein gewonnener Punkt und vor allem ein toller Start in die Derby-Woche. Hecking hat mit interessanter Taktik begonnen, die Fehler erkannt und in der Halbzeitpause reagiert. Gegen Fürth erwarte ich eine andere Taktik, gegebenenfalls auch eine offensivere Besetzung (Esswein, Mak – gibt es eine Rückkehr von Balitsch?). Was uns genau erwartet werden wir am Samstag sehen – ich bin jedenfalls gespannt!

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