Westblick #45: Das leidige Thema Ausgliederung (Teil 1)

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Da ist es also wieder, das immer im Hintergrund gärende Thema „Ausgliederung der Profiabteilung“. Es ist in Nürnberg ähnlich häufig zu Gast wie Derbyniederlagen, das Abstiegsgespenst oder das Thema Finanzen. Und wie jeder Gast, der nicht merkt, wann es Zeit ist, zu gehen, nervt es mittlerweile auch ganz schön. Was, so fragt man sich, soll an bei einer erneuten (vermutlich erneut sehr unsachlich geführten) Diskussion da schon bitte Produktives herauskommen? Am Ende werden dieselben wie immer dagegen sein und die ewig gleichen Befürworter überstimmen. Und zugehört wird sich gegenseitig bei dem Thema eigentlich auch schon lange nicht mehr.

Aber halt, dieses Mal ist etwas anders. Der Verein selbst, bisher immer vorsichtig abwartend, bringt das Thema aufs Parkett und versucht (auch mittels der SZ) die Notwendigkeit davon schonend zu vermitteln.

Aber warum ist dieses Thema überhaupt so umstritten? Ich habe mich bemüht, die gängigsten Argumente ausfindig zu machen. Ich schicke mal voraus, dass ich jede Position akzeptiere und in Teilen auch nachempfinden kann. Ich selbst weiß im Moment nicht sicher, wie ich abstimmen würde.

Fangen wir mit dem Sprachrohr von UN, yabasta, an. Dieses nennt im letzten Artikel zu einer Ausgliederung folgende Argumente:

1. „Der Erhalt des eingetragenen Vereins ist Teil der Identität des 1.FC Nürnbergs.“

–> Das ist unstrittig. Aber würde eine Ausgliederung tatsächlich auch einen deutlichen Identitätsverlust bedeuteten? Die Antwort auf diese Frage muss sich jeder selbst geben, Beispiele anderer Vereine zeigen aber, dass der Fanzuspruch durch eine Ausgliederung nicht signfikant abnimmt. Es hat aber durchaus Distanzierungen von Teilen der Fanszene gegeben, siehe Hamburg und die Vereinsneugründung HFC Falke. Aber tut diese Abspaltung dem HSV wirklich weh?

2. „Das sollten Fans und Vereinsoffizielle verinnerlichen – und dann wird diese Identität auch mittelfristig zum Erfolg führen.“

–> Der Glaube daran sei jedem gegönnt. Aber das ist nun wirklich sehr subjektiv. Objektiv kann man zwischen Identifikation und Erfolg längst nicht so einfache Zusammenhänge ziehen. Der Hang zur Übervereinfachung ist übrigens auch bei den Befürwortern zu beobachten.
Ich akzeptiere diese persönlichen Überzeugungen – auf beiden Seiten, es ist halt nur einfach nicht hilfreich, wenn man tatsächlich Unentschlossene überzeugen möchte. Da braucht es möglichst objektive Indizien für die eigene Position.

3. „Schauen wir uns nur mal 1860 München an – was ist von Ihnen noch übrig? Seit Jahren hängen sie am Tropf eines Investors und kicken glücklos in der zweiten Liga.“

–> Selektive Beispiele sind keine Argumente. „Schauen wir uns nur mal München rot an“ wäre genauso unsachlich und würde auch keinen dazu bringen FÜR eine Ausgliederung zu stimmen, oder? Es kommt auf die tatsächliche Umsetzung und Verwendung der kurzfristig verfügbar werdenden Mittel an.

4. „Eine Ausgliederung ersetzt keine Strategie – sie führt im Zweifel nur zu Abhängigkeiten.“

–> Volle Zustimmung zu Teil 1. Und ja, es führt zu Abhängigkeiten, selbst wenn die Fans die Anteile kaufen würden. Die Frage ist, ob die alternative Route für den Verein langfristig besser ist. Was belastet den Verein mehr? Anteile verscherbeln und sich abhängig machen oder den Tanz auf der Schwelle zu Liga 3 aufführen, während im Hintergrund das Damoklesschwert Punktabzug geschärft wird? Eine klare Antwort dazu habe ich nicht. Dazu ist die Zukunft für uns zu wenig kalkulierbar und die Risiken ebenso.

5. „Die Mitglieder des Vereins (als höchstes Gremium in der gemeinsamen Versammlung) sind hoffentlich so schlau, dass sie sich nicht selbst abschaffen und dem Einfluss von außen Tür und Tor öffnen.“

–> Ich verstehe, warum das so gesehen wird. Aber wenn man ehrlich ist, würden die Mitglieder lediglich Einfluss auf die Profiabteilung verlieren, nicht aber sich selbst abschaffen. Der e.V. existiert dann ja weiter, man ist weiter Mitglied (so man nicht austritt), nur hält der Verein dann irgendwann eben nur noch 50% + 1 Anteil an der eigenen Profiabteilung.
Und was den Einfluss von Außen angeht: auch Sponsoren stellen Ansprüche. Die DFL ebenso. Wir sind längst beeinflusst von Außen. Es würde aber mehr werden, weil ein Investor auf der Aktionärsgesellschaft z.B. stimmberechtigt ist. Und wir von seinem Geld und der Bereitschaft zu Kapitalerhöhungen eben auch abhängig wären.

Soweit zu yabasta. Ein weiteres Argument, was man häufig hört ist dieses:
6. Bei uns ist in der Vergangenheit viel Geld versickert. Und Anteile kann man nur einmal verkaufen, dann ist Schicht im Schacht.

–> Ich teile dieses Argument und möchte daher von Meeske auch sehr genau wissen, wie eine einmalige Verkaufsprämie dem Verein dauerhaft helfen soll. Wie beabsichtigt er uns langfristig wieder in die Spur zu bekommen und warum geht das nur mit einer Finanzspritze? Wie will er garantieren, dass wir damit nicht einfach die chronisch jährliche Unterdeckung auffangen und uns so selber ausbluten?

7. Selbst wenn wir ihm und seinem Plan vertrauen, was, wenn die sportliche Situation (z.B. ein Abstieg) alle Pläne durchkreuzt? Was, wenn sein Nachfolger (wann auch immer das sein wird) die Spielregeln der Ausgliederung ganz anders interpretiert als er?
Wie sollen die Mitglieder bei all diesen Unsicherheiten Sicherheit fühlen, das richtige zu tun?
Schließlich ließe sich eine Zustimmung wohl nie mehr revidieren.

Kann er diese Fragen überzeugend beantworten, hat er vielleicht sogar meine Stimme. Noch habe ich aber eine Menge Bauchschmerzen.

In Teil 2 werde ich die Argumente der Befürworter einer Ausgliederung in gleicher Weise beleuchten.
RSG
Exilfrange

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