Westblick #44: JHV 2015 Teil1

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Eine knapp achtstündige Versammlung in einen Bericht zusammenzufassen, der gleichermaßen prägnant wie informativ ist, das fällt verdammt schwer. Ich will es dennoch versuchen und habe der Lesbarkeit wegen beschlossen, das Ganze in 2 Teile zu splitten.

Als Gesamtfazit lässt sich feststellen: Eine insgesamt angenehm sachliche Veranstaltung mit wenig Theater, einem hervorragenden Bericht des Finanzvorstands (weniger wegen der erwartet schlechten Zahlen, sondern der ausführlichen Erklärungen dazu) , der AR-Wahl, den Beschlüssen zu einigen richtungsweisenden Anträgen und eben der Sensation Nichtentlastung des Vorstands war es.

Auf diese Kernpunkte möchte ich der Chronologie des Tages nach eingehen, sodass auch Nichtdagewesene einen Eindruck von der Veranstaltung bekommen können und sich beim nächsten Mal vielleicht wieder mehr als 1200 Mitglieder einfinden.
Diese erste Enttäuschung galt es nämlich zu verdauen, auch wenn angesichts der zurückliegenden Enttäuschungen die Lust auf die Veranstaltung vielleicht auch verständlicherweise gesunken ist. Es ging wie immer mit den Berichten los. Auf das Zahlenwerk im konkreten möchte ich noch nicht eingehen, dazu möchte ich mir Zeit nehmen, um die vergangenen Jahre zu vergleichen, dennoch lässt sich sagen, dass diese dieses Jahr nicht einfach nur runtergerattert und hastig weggeklickt wurden, sondern dass die Punkte kommentiert und teilweise auch weiter aufgeschlüsselt wurden. So rechnete er – graphisch unterstützt – vor, welche Summe vom Transferaufwand des letzten Jahres nämlich unterm Strich übrig blieb, um damit Löcher zu stopfen, gute 2 Mio. von über 14 nämlich. Der Bericht steht auch in voller Länge online, die Rede enthielt zahlreiche Spitzen über das Geschäftsgebaren von Herrn Woy, die für Raunen im Publikum sorgten, weswegen ich sie ausdrücklich empfehle.

Meeske

Meeske hielt eine Rede, wie sie von allen erhofft wurde. Die Freude über die Zahlen war leider dem nicht ebenbürtig.

Meeske punktete also durch Abgrenzung zur Vergangenheit, mehr Offenheit und eine recht schonungslose Analyse. Genau wie erhofft. Ich würde mir hier für die Zukunft lediglich wünschen, dass die Punkte in der Übersicht noch genauer aufgeschlüsselt werden. Bornemann konnte wegen der Kürze der Amtszeit wenig Substantielles beitragen, zeigte aber deutlich auf, dass wir in den letzten 2 Jahren ein unglaubliches Spielerkarussell angeschoben haben und nebenbei noch 4 Trainer das Geschehen leiten ließen (plus 2 Mal kurz einen Feldherren, der brennende Krieger kommandiert hat). Eine vernichtende Bilanz für Martin Bader.
Es folgte der Punkt der Entlastung, wobei die Mitglieder vorab einen – wie ich fand sehr sinnvollen – Antrag zur Einzelentlastung von Woy, Bader und Hamm ablehnten. Die Quittung bekam dann leider Dr. Hamm, der in meinen Augen die eingebrockte Suppe eher auslöffeln durfte als sie verursacht hat. Er wurde bei der folgenden Nichtentlastung sozusagen dann in Sippenhaft genommen. Eine sehr bedauerliche Entwicklung, auch wenn ich die Nichtentlastung der beiden Vorstände ausdrücklich begrüße, sind sie ihrer Rechenschafts- und Mitteilungspflicht doch in meinen Augen nur unzureichend nachgekommen. Dass Dr. Grethlein die Nichtentlastung empfahl empörte mich vor Ort, ein Blick in die Satzung zeigt aber: er musste eine Empfehlung aussprechen. Die Nichtentlastung zu empfehlen ist aber juristisch nur schwer praktikabel. Hier verpasste der Aufsichtsratsvorsitzende es leider, eine Nichtentlastung durch die Blume auszusprechen oder zumindest eine Entlastung zu empfehlen „trotz etlicher Bedenken“. Die Versammlung war jedenfalls nicht gewillt, seiner Empfehlung zu folgen.

Meeske

Alte Bekannte: Die gewählten Aufsichtsräte

Die Präsentationen der Aufsichtsräte verliefen im Wesentlichen ohne Aufsehen. Selbst „Sensenmann“ Geppert ließ in seiner Rede niemanden mehr über die Klinge springen, sondern versuchte es sachlich, blieb dabei aber wie weite Teile der Kandidaten blass. Heraus stach Maly, der scheinbar voll auf sein Standing als OB setzte (mit Erfolg) und eine Kurzrede fast ohne Inhalt hielt, daneben Oechler, der die von Maly nicht benutzte Zeit dreist für sich reklamierte und auch diese noch überzog. Dabei fiel ihm außer „ich war mal Profi, ergo habe ich sportliche Kompetenz“ leider wenig ein, vergeblich wartete man auf seit seinem Karriereende gesammelte hilfreiche Erfahrungen oder Netzwerke in seinem Appell. Ehrenberg hielt eine selbstkritische, aber auch offensive Rede, in der er beispielsweise beklagte, dass seine Anregungen ein Konzept und einen Plan auszuarbeiten, der auch ein mehrjähriges Überdauern in Liga 2 beinhalten solle, schlicht ignoriert und verworfen wurden. Punkten konnte zudem Günther Koch, der sich als Vater der Kontrolle des Vorstands gerierte. Er habe die getrennten Sitzungen von AR und Vorstand überhaupt erst eingeführt, früher wäre das ein bloßes Zusammensitzen von Kontrolleuren und Kontrollierten gewesen. Schamel hatte seine offensichtlich kritische Rede aus lauter Begeisterung über den neuen Vorstand kurzfristig komplett über den Haufen geworfen und versuchte es spontan, woran der Redefluss leider litt. Anstatt die bei uns im Interview angesprochene Kooptierung voranzubringen lobte er also den AR für seine Auswahl des Vorstands und versprach, sein fünfstelliges Darlehen nicht zurückzufordern. In der Fragerunde durften sich dann Koch, Schamel und Maly nochmal an sehr dankbaren Fragen versuchen und weitere Punkte sammeln. Lechner wiederrum verzettelte sich völlig und hielt auf eine simple Nachfrage quasi eine zweite Rede, was im Saal überhaupt nicht gut ankam.
Entsprechend dieser Eindrücke verlief dann auch die Wahl, wobei deren Ausgang ganz sicher auch mit dem Bekanntheitsgrad der Kandidaten zusammenhängt. Wie bereits überall vermeldet zogen dann also Maly, Schamel und Ehrenberg für 3 Jahre ein, während Koch sich mit dem Ersatzplatz begnügen musste. Die Reden der gewählten Aufsichtsräte findet ihr hier.

Fortsetzung folgt morgen.

Share
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.