Interview mit Hanns-Thomas Schamel

IGZ: Hallo Herr Schamel! Schön, dass Sie die Zeit für dieses Interview gefunden haben.

Hanns-Thomas Schamel: Gerne, mir ist ja klar, dass es nach letztem Jahr viele Fragen gibt und die will ich gerne beantworten.

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AR-Kandidat Hanns-Thomas Schamel

IGZ: Das ist in der Tat so, wir haben ihren Auftritt damals insgesamt als missglückt kommentiert, auch wenn wir Ihnen aus ihrem Team noch am meisten Zuspruch gaben. Wie haben Sie die Veranstaltung letztes Jahr selbst empfunden?

Schamel: Es war insgesamt schwierig und auch sehr kraftraubend, so sehr, dass ich meiner Familie eigentlich geschworen hatte, nicht mehr zu kandidieren. Dennoch bin ich zu der Überzeugung gekommen, es noch einmal zu probieren, insofern man meinen Ideen denn aufgeschlossen begegnet, denn aufdrängen möchte ich mich wirklich nicht…

IGZ: Da muss ich kurz einhaken, denn im Forum wird behauptet, Sie hätten sich an die Fanbetreuung gewandt, um eine Fragestunde mit Fanorganisationen zu koordinieren?

Schamel: Ich habe über die Fanbetreuung allen Fanorganisationen eine Fragestunde angeboten, nachdem mir ja im Vorjahr Geheimnistuerei vorgehalten wurde. Allerdings hat sich auf mein Angebot hin niemand bei mir gemeldet. Dennoch hoffe ich diesmal auf einen fairen Umgang mit allen Kandidaten. Denn es muss nach den notwendigen Veränderungen nun Ruhe im Verein einkehren, damit die Führung hochkonzentriert an sportlichen Erfolgen und einem positiven Vereinsimage arbeiten kann.

IGZ: Zurück zur eigentlichen Frage, wie Sie die JHV 2014 erlebt haben.

Schamel: Ich bin angetreten mit einer Agenda und das klang vielleicht ein wenig größer und vollmundiger, als das, was ich mir darunter vorgestellt habe. Unter Agenda verstand ich einfach, dass sich die Vorstände an die Richtlinien des Leitbilds und des Aufsichtsrates halten.

IGZ: Die Diskrepanz zwischen geweckter Erwartungshaltung und dem, was Sie letztlich an konkreten Vorhaben präsentieren konnten, war dennoch eklatant.

Schamel: In der Tat, mir wurden da ja Dinge angedichtet, die ich nie gesagt habe. Ich wolle Veränderungen um jeden Preis, ich wolle eine Ausgliederung der Profiabteilung, usw. Da haben viele Leute vielleicht ihre eigenen Hoffnungen und Wünsche auf mich projiziert. . Das hätte ich klarer kommunizieren müssen, vielleicht insgesamt kleinere Brötchen backen müssen.

IGZ: Andererseits haben Sie diese Hoffnungen und Stimmungen auch selbst mit befeuert. Sie sagten öffentlich, dass Sie bei Martin Bader weder Plan noch Konzept mehr sähen und dass ein Vorstand mit derartigem Verhalten in der freien Wirtschaft längst gefeuert wäre. Muss der Aufsichtsrat nicht nach außen hin mit einer Stimme sprechen und die Kritik intern formulieren, bzw. dann Konsequenzen treffen?
Schamel: Normalerweise muss der Aufsichtsrat mit einer Stimme sprechen – allerdings nicht in Ausnahmesituationen, in denen das Wohl des Vereins in Gefahr ist!
Ich hatte ja alle Aufsichtsratskollegen mehrmals darauf hingewiesen, dass Dinge eklatant aus dem Ruder laufen. Die Fakten waren also jedem bekannt. Warum die meisten Aufsichtsräte dennoch für ein Festhalten an den Vorständen gestimmt haben, wird deren Geheimnis bleiben. Allerdings wurden meine Aussagen und auch sonst jede Kleinigkeit von mir von den Medien wahnsinnig aufgebauscht.

IGZ: Zum Beispiel?

Schamel: Naja, beispielsweise, wer alles in meinem Team sei, da sind jede Menge unwahre Namen kursiert. Oder die Geschichte mit dem Foto von mir vom Spieltag. Ich trage Sonnenbrille, weil die Sonne schien und rauche Zigarillo, was ich nur beim Club tue, um die Nerven zu beruhigen. Daraus wurden dann Charakterzüge abgeleitet. Ich hatte das Gefühl, hier wurde teilweise aus Nichts eine riesen Geschichte gemacht.

IGZ: Haben Sie vielleicht auch die Kraft der Bildersprache und die Mühlen einer Jahreshauptversammlung unterschätzt?

Schamel: Ja, vielleicht. Vielleicht hatten aber auch einige Leute im Verein Sorge, ich ändere zu viel des Guten. Aus meiner Sicht gab es Intrigen gegen mich und ich habe definitiv unterschätzt, wie mobilisierbar da manche Gruppen sind.

IGZ: Man muss aber auch klar festhalten: Ihr Team brillierte nicht gerade, ließ sich von einfachen Fragen vorführen, vergaß ins Mikrofon zu sprechen…

Schamel: Die kamen auch schlechter und unfairer weg als es angemessen gewesen wäre. Ich bin allen dreien dankbar, dass Sie eingesprungen waren, letztlich waren sie dieser giftigen Atmosphäre, die sie auch nicht erwartet hatten, aber nicht gewachsen.

IGZ: Eingesprungen?

Schamel: Ich musste das Team umgestalten, weil auf das zu erwartende Theater viele honorige Personen aus der fränkischen Wirtschaft nämlich keine Lust mehr hatten, je mehr es sich abzeichnete.

IGZ: Das heißt, die Herren waren nicht ihre erste Wahl.

Schamel: Das ist mir zu negativ. Sie haben sich bereit erklärt, meinen Weg mitzugehen. Dafür war ich ihnen dankbar und ich hätte sie nicht mit ins Boot geholt, wenn ich nicht auch den Weg mit ihnen zusammen gehen wollte. Die Zusammensetzung war nicht die zunächst angedachte, das stimmt. In meinen Augen haben Sie da aber jetzt den falschen Aspekt hervorgehoben und das entscheidende übergangen.

IGZ: Nämlich?

Schamel: Dass wir Kandidaten aus der Wirtschaft, die einen Ruf zu verlieren haben, mit der jetzigen Satzung nicht in den Aufsichtsrat bekommen werden. Daher schlage ich vor, dass wir diese mittelfristig so anpassen, dass nur noch ein Teil von der Versammlung gewählt wird. Leute, die eben bereit sind, sich in dieses Feuer zu stellen. Nach der Wahl stellen diese dann weitere Kandidaten bei der ersten Aufsichtsratssitzung vor und der gewählte Aufsichtsrat wird ergänzt durch berufene Räte. Das Verfahren der Kooptierung ist dabei bei vielen Firmen, aber auch beim FC Schalke 04 gängige Praxis.

IGZ: Droht der Gesichtsverlust nicht auch durch die reine Zugehörigkeit zum Gremium, mal abgesehen von der JHV?

Schamel: Je mehr Wirtschaftskompetenz da drinsitzt, desto besser wird es laufen, desto weniger droht auch ein Imageverlust. So einfach ist das.

IGZ: Das setzt voraus, dass auch die richtigen Personen kooptiert werden…

Schamel: Garantien gibt es nie, ich glaube aber, dass diese Maßnahme wirklich interessante und kompetente Leute anziehen würde, von denen der Club enorm profitieren könnte.

IGZ: Wo wir schon bei der Zusammensetzung des Gremiums sind, es war zu vernehmen, dass Sie einen kompletten Rücktritt des jetzigen Aufsichtsrats befürworten würden. Warum?

Schamel: Ich hätte es ganz einfach für gut befunden, wenn alle, die aus welchen Gründen auch immer, viel zu lange am Status quo festgehalten haben, die Chance zu einem unbelasteten Neuanfang ermöglicht hätten. Sie hätten sich ja wieder zur Wahl stellen können.

IGZ: Wo, außer im Wahlmodus des Aufsichtsrats liegen ihre weiteren Zukunftsvorstellungen?

Schamel: Dass der Vorstand nach bestimmten Richtlinien des Aufsichtsrats die Zukunft gestaltet. Diese Richtlinien müssen aus dem Leitbild stammen und geben als Leitplanken die Vereinsidentität vor. Wir brauchen einen Plan, wir müssen klar formulieren, wo wir hinwollen und dann das passende Personal zu diesem Plan suchen. Wenn der Plan beispielsweise eine gewisse Spielidee beinhaltet, muss diese dem ausführenden Sportvorstand und Trainer selbstverständlich die nötigen Freiräume lassen. Es darf kein strammes Korsett sein, aber die Kreativität muss sich im Rahmen konzeptioneller Identitätsgrenzen entwickeln. Kraft kann sich prinzipiell immer nur innerhalb von Grenzen entfalten, ansonsten strömt alles der Beliebigkeit zu. In die Beliebigkeit darf der Club aber keinesfalls weiter abdriften. In meiner Vorstellung definiert sich der FCN als Erstligaverein mit klarer Markenidentität, bei dem Spieler- und Trainerkandidaten genauso wie Mitglieder und Sponsoren wissen, was sie erwarten dürfen.

IGZ: Was, wenn sich die Liga und die Anforderungen ändern und das vorgegebene Leitbild obsolet und antiquiert wird?

Schamel: Aus meiner Sicht ist das Club-Leitbild zeitlos gültig. Sollte es dennoch einmal gewisser Änderungen bedürfen, dann ist es die Verantwortung des Aufsichtsrates, die Anpassungen durchzuführen und den Mitgliedern gegenüber transparent zu machen.

IGZ: Und dann stellt sich der Erfolg ein?

Schamel: Es gibt eine grundsätzliche Logik: Unternehmen mit strategischem Konzept haben mehr Aussicht auf Erfolg als Unternehmen ohne! Dazu muss jetzt eben alles auf den Prüfstand und zwar ohne Hysterie. Gleichzeitig müssen sich alle, die etwas zu sagen hatten, für ihren Bereich und den Beitrag zur momentanen Lage hinterfragen lassen. Ich glaube, dass man Erfolg im Fußball nicht erzwingen, wohl aber durch strategisch-konzeptionelles Vorgehen wahrscheinlicher machen kann. Wir müssen aufhören, uns mit Unterdurchschnittlichem zufrieden zu geben und nur aus der Tradition heraus Erfolg zu erwarten. Tradition ist sehr wichtig, aber Erfolg setzt zudem harte Arbeit, schonungslose Selbstkritik und fortwährende Optimierungsprozesse voraus. Dabei will ich mithelfen.

IGZ: Vielen Dank Herr Schamel für das Interview

Schamel: Ich bedanke mich für die Gelegenheit, mich zu erklären.

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