Offener Brief der IG Zukunft im Vorfeld der Jahreshauptversammlung 2015

Mein Senf

Unser Senf zur JHV

Liebe Clubfamilie,

am kommenden Sonntag steht die ordentliche Jahreshauptversammlung 2015 (JHV) unseres Clubs an. Diese Mitgliederversammlung ist laut Satzung das oberste Organ unseres Vereins. Viele Augen und Ohren werden darauf gerichtet sein. Von einem relativ großen, auch überregionalen, Medieninteresse ist auszugehen. Es geht um nicht weniger als die Zukunft bzw. das Fortbestehen unseres geliebten Clubs. Dies mag etwas pathetisch klingen, ist aber in der Situation, in der sich der 1. FCN aktuell befindet, eine Tatsache. Bereits im vergangenen Jahr befand man sich nach dem Bundesligaabstieg und dem mehr als holprigen Start in Liga 2 in einer ähnlichen Situation. Doch damals wurde die Chance, den Verein in ruhigere Gewässer zu führen, konstruktive Kritik zu üben, aus der ggf. auch positive Veränderungen erwachsen und ihn letztendlich zu einen, vertan. Stattdessen wurde in der Frankenhalle ein Schauspiel aufgeführt, das deutschlandweit für Gelächter und Kopfschütteln sorgte. Kurzum, die letzte Jahreshauptversammlung war eine Verlorene. Die IGZ ist der Meinung, nochmal dürfen und können wir uns so etwas nicht erlauben, zumindest dann nicht, wenn die Zukunft des Clubs eine positive sein soll.

Ein Appell an die Verantwortlichen. Herr Meeske und Herr Bornemann, Sie beide sind noch nicht lange hier. Sie können unbelastet an die Arbeit gehen und viel Positives erreichen. Das Thema Transparenz geistert ja nun seit Monaten, wenn nicht schon Jahren durch den Verein. Es ist aus unserer Sicht unbedingt notwendig, dass an der JHV den Mitgliedern ganz klar und offen präsentiert wird, was Sache ist. Schnörkellos und ehrlich. Nebelkerzen, wie Projektskizzen eines Stadions, das in 5 -10 Jahren vielleicht einmal gebaut wird, drei lustige Sterne unseres NLZ (aus dem seit Jahren trotzdem nahezu keine Spieler in die Profimannschaft integriert werden konnten) oder Organigramme der Geschäftsstelle, wurden uns in den vergangenen Jahren oft präsentiert, sind aber genauso sinnvoll, wie im Frankenstadion Schals der Westvorstadt zu verteilen. Wir Mitglieder des Clubs sind leidensfähig, auch was Zahlen und Fakten zur Situation unseres Vereins betrifft, also bitte gebt sie uns!
Wie steht es wirklich um das strukturelle Defizit?
Wie viele und welche Auflagen gab es wirklich in den letzten Jahren im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens?
Wieso konnte in 5 Jahren Bundesliga keine Rücklage zur Rückzahlung der Anleihe aufgebaut werden?
Was steht wirklich „unterm Strich“?
Egal was da nun dabei raus kommt, gemeinsam schaffen wir das!

Ein Appell an den Aufsichtsrat. Wir Mitglieder haben ein Problem. Wir sollen euch wählen ohne eure Arbeit beurteilen zu können. Den Sinn eines verschwiegenen Aufsichtsrates stellen wir grundsätzlich nicht in Frage. Aber wir bitten darum, euch in der kommenden Amtszeit auch hierzu Gedanken zu machen. Eine Drei-Minuten-Rede, die auf Emotionen setzt, ist genauso wenig sinnvoll wie ein relativ nichtssagender Bericht des AR-Vorsitzenden. Ein mindestens genauso großes Problem ist aber die Präsentation des Gremiums nach außen. Da gelangen Dinge sofort an die Presse, es gibt private Pressekonferenzen, ein Mitglied betreibt einen Blog, ein anderes beruft selbstständig eine Sitzung ein, die dann wiederum wegen sekundengenauer Spontanerkrankung eines anderen Mitglieds abgesagt wird, was bereits am nächsten Tag genau so wiederum in der Presse steht. Dazu äußert sich der Sprecher des Aufsichtsrates dahingehend, dass ihm Dinge gesagt wurden und man das daher als normal hinnimmt ohne dies zu hinterfragen. Die Bewertung dieser Außendarstellung verkneifen wir uns an dieser Stelle, man könnte aber sagen, dass sie ausbaufähig ist. Egal in welcher Besetzung das Gremium künftig agiert, reißt euch endlich mal am Riemen, stellt eure persönlichen Eitelkeiten zurück und überlegt, ob und was genau ihr nach außen hin kommuniziert. Gemeinsam schaffen wir das!

Ein Appell an die Mitglieder. Wir Mitglieder sind das wichtigste Element der Jahreshauptversammlung. Wir haben eine enorme Verantwortung und entsprechend sollten wir uns verhalten. Zunächst einmal sollte sich wirklich jeder bewusst machen, dass jeder in der Halle den Club genauso im Herzen trägt wie man selbst, unabhängig davon ob man dieselbe Meinung vertritt oder nicht. Wenn einem das klar ist, ist es vielleicht auch einfacher alle Menschen, die ans Mikrofon gehen oder sich als Aufsichtsrat vorstellen, zu akzeptieren und diese einfach ausreden zu lassen. Man muss ja nicht alles gut finden und muss am Ende nicht applaudieren, aber andere Mitglieder und Fans des FCN niederzuschreien darf nicht sein und trägt auch nicht zu einem gemeinsamen Miteinander bei, das wir so dringend brauchen. An dieser Stelle möchten wir auch etwas Selbstkritik üben. In der Hitze des Gefechts ist es nicht immer leicht, ruhig zu bleiben oder sich eben nicht verleiten zu lassen etwas zu rufen. Aber das muss anders werden. Bei uns, bei organisierten Gruppen und Fanclubs und auch bei Einzelpersonen. Einfach mal auf die Zunge beißen. Gemeinsam schaffen wir das!

Ein Appell an den Versammlungsleiter. Das eben Geschriebene soll auch an Sie gehen. Wir bitten darum, Ihr Möglichstes zu tun, um die Versammlung in einem ruhigen, sachlichen und fairen Rahmen zu halten, hierbei aber allen verschiedenen Meinungen Gehör zu verschaffen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Ihr Auftraggeber der 1. FC Nürnberg als Gesamtverein ist und nicht lediglich die Organe Aufsichtsrat oder Vorstand. Im vergangenen Jahr gelang das aus unserer Sicht nicht immer. Aber dieses Jahr schaffen Sie das!

Ein Appell an die Medienvertreter. Die mediale Berichterstattung in den letzten Wochen war wohl nicht zwingend förderlich für das öffentliche Ansehen unseres Clubs. Natürlich gab es von Seiten des Vereines auch genügend Futter, aber muss man wirklich alles bis ins Letzte ausschlachten? Muss man jedes Wort komplett auf die Goldwaage legen und in ganz Franken oder gar Deutschland präsentieren? Zumindest den regionalen Medien wird ja eine Affinität zu unserem Verein nachgesagt. Der ein oder andere Journalist ist ja gleichzeitig auch Mitglied im Verein. Es will ja keiner, dass lediglich rosaroter Journalismus betrieben wird, aber einige der Artikel, die man in letzter Zeit lesen konnte waren wohl nicht im Sinne des Clubs und bereits unter der Gürtellinie. Dies verwundert insofern, da gerade von den hiesigen Medien Kritik an den Verantwortlichen sehr lange komplett ausblieb. Auf einmal wurde aber aus alles Rohren geschossen. Ein Journalist sollte sich doch nicht ausschließlich von tagesaktuellen Emotionen leiten lassen.

*Damit ist aber keineswegs gefordert, dass Sie Kritikpunkte verschweigen, im Gegenteil. Wir denken, bereits in den vergangenen Jahren hätte man das eine oder andere mehr hinterfragen und gleichzeitig heute den Verein etwas weniger plump darstellen können. Weder war damals alles so rosig, wie es uns die Vorstände glauben machen wollten, noch hat sich jetzt auf einmal die Lage dramatisch gedreht. Die Probleme sind nicht neu, die Lage spitzt sich zu, aber auch das war abzusehen. Die plötzliche Flut an sehr dramatischen Artikeln ist aus unserer Sicht daher unglaubwürdig.
Ihre zu unkritische Haltung der Vergangenheit können Sie nicht mehr korrigieren, eine Überkompensation ist aber ebenso unnötig. Besser wäre es, die eigene, vergangene Berichterstattung auch öffentlich kritisch zu hinterfragen und die jetzige Kritik rein sachlich und maßvoll zu gestalten. Bitte denken Sie darüber nach. Auch Sie gehören zur Clubfamilie.

Für uns alle gilt: Lassen wir den 11. Oktober 2015 den Startschuss für eine bessere Zukunft sein. Gemeinsam schaffen wir das!

Die IG Zukunft

(Dieser offene Brief wurde per Mail den Vorständen sowie dem
Aufsichtsratssprecher des 1. FC Nürnberg, dem Versammlungsleiter, der
NN, NZ und der Bild Nürnberg gesendet.)

*Wir haben den Abschnitt zur Medienkritik nachträglich editiert, weil er anscheinend so missverstanden werden konnte, dass wir uns das Totschweigen von angebrachter Kritik erwarten würden. Dem ist definitiv nicht so. Wir bitten um Nachsicht.

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3 Kommentare zu Offener Brief der IG Zukunft im Vorfeld der Jahreshauptversammlung 2015

  1. Reiner Willmitzer sagt:

    Dem Inhalt kann ich bis auf einige Passagen in Bezug auf die Medienberichterstattung voll und ganz zustimmen.

  2. Joachim Aust sagt:

    Ein Schriftstück, dem hoffentlich viele zustimmen.
    Jetzt können wir nur hoffen, dass sich möglichst viele der angesprochenen Personen bzw. Gremien auch daran orientieren, damit bei der JHV sachlich und mit volle Herzen der Grundstein für eine bessere Zukunft des 1.FCN gelegt werden kann.

  3. Martin Helmreich sagt:

    Ein Schriftstück mit vielen Apellen, wie man sich im Vorfeld, im Umfeld und im Nachgang einer so wichtigen Jahreshauptversammlung verhalten sollte.
    Soweit stimme ich dem zu.
    Für mich aber nicht klar wird, was die „Interessenemeinschaft Zukunft“ für unseren Glubb erreichen will.
    Wird sie selbst aktiv zur JHV?
    Sellt sie evtl. selbst Kandidaten zur Wahl?
    Wird ein Programm / Programme für die Zukunft vorgestellt?
    Wenn ja, wie stellt man sich ggf. Oppositionsarbeit vor ohne eine Basis zu haben?
    So ganz schlau werde ich nicht daraus.

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