Westblick #42: Nomen est omen? Die leidige Namensdiskussion zum Achteck

Der Exilfrange gibt einen Blick von außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Teil 2 zur Stadionthematik. Teil 1 gibt es hier.

Die Namensfrage, sie stellt sich für uns eigentlich erst, wenn wir die viel zukunftsrelevantere Frage eines Stadionumbaus zumindest in die richtigen Bahnen gelenkt haben, argumentierte ich gestern. Selbst wenn die Wunschträume wahr werden, hat der Geldgeber doch das letzte Wort und der FCN wird es sich da nicht leisten können und wollen, die Konfrontation wegen des Namens des Gebäudes zu suchen. Kommt es hingegen nicht zu einem Umbau, können wir das Ding nennen, wie wir wollen. Das ist dann schon echt egal, weil es so keine Zukunft des Vereins gibt.
Die Diskussion um den Namen ist also legitim, aber letztlich gegenüber der Zukunft des Vereins in meinen Augen nachrangig.

Folglich müsste ich konsequenterweise den heutigen Artikel abblasen, denn die Stadt hat sich in ihrer gestrigen Stadtratssitzung dazu entschlossen, den FCN eben NICHT zum Pächter und Betreiber zu machen, sondern das für die nächsten 1-2 Jahre dies selbst zu tun. Man kann das interpretieren wie man will. Von „schönes Konzept, aber wir können uns noch nicht ganz durchringen, weil wir (die Stadt) an alten Zöpfen kleben“ bis „Was? Das soll euer Konzept sein? Bessert mal nach, dann überlegen wir es uns!“ ist alles möglich.
Letztlich aber auch egal, die Namensfrage liegt damit eigentlich auf Eis.

Maxl 90 Jahre

Nochmals alles Gute, Maxl!

Dennoch will ich sie hier mal erörtern, erstens hatte der Maxl diese Tage 90. Geburtstag, zweitens nimmt die Kampagne für seinen Namen als Titel für das Stadion wieder Fahrt auf.

Produktname

Ein „kleines“ Detail kann auch die schönsten Stadionansichten verschandeln.

 

Den Wunsch nach einem Traditionsnamen, ich kann ihn gut verstehen. Auch wenn wir alle letztlich „ins Stadion“ gehen, schmerzte der Produktname, vor allem der vorangegangene, doch sehr. Aber dennoch gibt es ziemlich viel Zoff, was jetzt der „richtige“ Name fürs Achteck sei.

Im günstigsten Fall, sollte der Name Programm sein. Nomen est omen, der Name ist ein Zeichen. Im Falle von Iiiehsiigreddid hieß das „hier gibts billig Punkte“, zumindest aus meiner Wahrnehmung. Ein Traditionsname dagegen könnte Strahlkraft haben, dass hier eine Region mit Stolz und Liebe ihren Verein lebt. Dabei wäre natürlich die Traumlösung, wenn wir, die Fans, die geforderte Summe, die ein Namenspächter sonst aufbrächte, selber beisteuern würden.
DAS hätte wirklich Aussagekraft und es würde sicher auch positive Aufmerksamkeit auf unseren Negativschlagzeilenglubb werfen, ähnlich wie es die „Ich bereue diese Liebe nicht“-Aktion tat. Das würde natürlich umso mehr fruchten, wenn die Umbenennung, eingebettet in ein Gesamtkonzept „Traditionsmarke FCN“ wäre. Sprich: „Es gibt viele Vereine, aber nur einen Glubb“ – und das kann man eben dann zum Beispiel am Stadionnamen ablesen (aber eben nicht nur). Dieser Weg, konsequent weitergedacht, könnte den Rückhalt des FCN in der Region deutlich verstärken und damit auch wiederum zu höheren Einnahmen führen. Allerdings kann dies nur mit konsequenter Umsetzung geschehen, sonst bleibt es ein halbherziges Manöver. Und natürlich muss, bevor die Früchte eingefahren werden, erstmal in Vorleistung gegangen werden. Möglichkeiten zur Verwirklichung gibt es viele, insbesondere den virtuellen Klingelbeutel (crowdfunding).
Nicht ganz so glorreich, aber auch möglich: Der Pächter sponsort den Namen, bringt nur ein „sponsored by“ am Stadion an, was aber nicht offizieller Bestandteil des Namens ist. Das wäre für diesen (ähnlich wie für Wolfmöbel beim Braunschweigspiel durch den Verzicht der Trikotwerbung) sicherlich ein PR-Gewinn. Ob dieser aber höher als konventionelle Werbung liegt, ist sicher diskutabel.

Aber selbst wenn es verwirklicht wird, gibt es ja noch immer Streit. Nämlich um den Traditionsnamen selbst.
Viele kritisieren, dass die Hervorhebung von Max-Morlock unverhältnismäßig sei. Stuhlfauth, Strehl, Kalb und Kennemann, dazu aus nicht ganz so ferner Vergangenheit Brunner, Eckstein, Brungs und Köpke – um nur einige zu nennen, sie hätten es doch genauso verdient. Und ja, da ist irgendwo was dran. Die Eingrenzung auf die glorreichste Zeit des FCN ergibt irgendwo noch Sinn, aber auch da fällt das Herausstellen doch schwer.

Maxl Legende

Unser Maxl, eine Legende in guter Gesellschaft

Zwar ist Morlock Rekordnationalspieler und weist auch sonst beachtliche Leistungen für den FCN auf (451 Oberligaspiele + 21 Bundesligaspiele, dabei insgesamt über 300 Tore), aber weder ist er Rekordspieler in der Oberliga, noch in der Bundesliga. Andere (z.B. Stuhlfauth) holten bei weitem mehr Meisterschaften. Also was ist jetzt das korrekte Kriterium, das anzulegen ist?

Aber, höre ich euch sagen, es gibt doch auch noch andere Möglichkeiten für den Traditionsnamen.
Und das stimmt. Neben einigen Ausreißern, die Eigennamen trugen (wie die Bielefelder Alm) bekamen die Meisten ihren Namen nach der Lage.

Egal ob Stadion an der Castroper oder Grünwalder Straße, ob an der Alten Försterei, am Böllenfalltor, Millerntor, am Bruchweg, ob Weser- oder Rheinstadion, ob Müngersdorfer oder Volksparkstadion: Jeder weiß, wo dieser Kultname sein Zuhause hat.
Und diese Tradition ist sicherlich älter als die der Spielernamen, wie man am Beispiel Betzenberg/Fritz-Walter-Stadion gut ablesen kann.

Für den FCN, (der mit dem Sportpark Zabo auch ein so benanntes Stadion besaß) und das Achteck könnte man daraus den Namen „Stadion am Dutzendteich“ ableiten, was in meinen Augen auch sehr viel Charme hätte (und gegenüber einem „Stadion am Zeppelinfeld“ historisch unbelastet wäre).

Frankenstadion

Das Frankenstadion, in meinen Augen keine gute Option für einen Traditionsnamen – trotz unbestrittener Nostalgie.

Und außerdem gäbe es natürlich noch die Möglichkeit, das Stadion wieder der Region nach zu benennen, wie es ebenfalls an mehreren Standorten üblich war (Franken-, Niedersachsen- und Westfalenstadion).
Dem möchte ich allerdings entgegensetzen, dass der Name Frankenstadion weder für allzu große Erfolge steht noch (und das wiegt für mich schwerer) einzigartig ist. In Heilbronn – das ist jetzt keine Überraschung – steht ebenfalls eins. Und in Zeiten, wo der FCN sich sehr auf die Stärkung seiner Marke und dem Finden von Alleinstellungsmerkmalen fokussiert, hielte ich diese Option für nicht klug.

Fazit: Den perfekten Namen gibt es nicht.
Die Entscheidung von UN für Max Morlock war sicher auch eine, die anders hätte ausfallen können, aber die auch absolut vertretbar ist. Morlock steht nicht zuletzt auch wegen seiner bescheidenen, ehrlichen Art bei vielen noch immer hoch im Kurs. Ihn zu ehren muss nicht bedeuten, dass man die anderen großen Spieler schmäht. Und mittlerweile ist es auch einfach so, dass der Name in Verbindung mit dem Stadion einen gewissen Marktwert erreicht hat. Ein Umschwenken jetzt (egal ob auf einen anderen Spieler oder das „Stadion am Dutzendteich“) wäre ziemlich katastrophal für die Erfolgschancen der Kampagne.

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