Westblick #40: Weg nach vorn.

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Die momentane Lage, sie ist total frustrierend.
Abstieg, sportlicher Niedergang, fragliche Perspektive, vermutlich rote Zahlen, ein vergiftetes Umfeld, Unfrieden wohin man schaut, polternde Sponsoren, Interna die an die Öffentlichkeit gehen.

Man fragt sich, welche Katastrophe der FCN derzeit auslässt.
Und in diesem Tornado der schlechten Nachrichten und rasenden Zerstörung ist es schwer, den Blick nach vorne zu richten und einen Neuaufbau zu starten. Viele werden sagen, „solange Bader da ist, geht das ohnehin nicht“. Das sehe ich wie bereits geschrieben nicht so als Fakt an, schließlich scheint er schon ordentlich entmachtet was die Kaderplanung der nächsten Saison angehen wird. Aber sei es drum: angesichts der fortschreitenden Eskalation bin ich bereit zuzugeben, dass mein Wunsch, man möge erst die eine vakante Stelle neu besetzen und diesem Mann auch Zeit zum Einarbeiten geben, vielleicht nicht haltbar sein wird. Eventuell überholen uns lange davor die Ereignisse. An Baders Stelle würde ich – anders als von ihm öffentlich geäußert – tatsächlich überdenken, ob ein Verbleib im Verein für ihn überhaupt noch Perspektive hat.

Bader

Ade, Maddin B. Bleib schee.

Warum er sich diesem andauernden Sturm noch aussetzt, begreife ich nicht. Diese Saison war seine letzte Chance und er hat sie vertan und dass er gehen müssen wird, scheint wirklich klar. Er ist entmachtet, er ist angezählt und die Diskussionen drehen sich nur noch um den Zeitpunkt, eine der eher nachrangigen Fragen in der Geschichte.
Wie auch immer, der FCN muss schleunigst raus aus diesem Sturm. Rein in ruhigeres Fahrwasser. Ich fände es daher jetzt an der Zeit für die brutale Ehrlichkeit.

Es muss auf den Tisch, dass vieles in der Vergangenheit schöngefärbt wurde, etwa die Finanzierung der Fananleihe, die jetzt eben doch nur über einen neuen Kredit und den Verzicht vieler Fans abdeckbar ist. Oder die überhöhten Erwartungen an den diesjährigen Kader. Oder, oder, oder.
Es ist Zeit, einzugestehen, dass ein Neuaufbau dauern wird und in der zweiten Liga stattfinden wird und dass dabei viele Steine umgedreht werden müssen, personell wie strukturell. Und mit der Ehrlichkeit und der Zeit kann dann auch das Vertrauen wieder kommen. Das der Fans, aber auch das der Sponsoren und das möglicher Bewerber.
Dieser Schritt von der rosaroten Welt in die Wirklichkeit, er wird brutal. Die Wut über das bisher zelebrierte Bullshitbingo wird sicher nicht klein sein. Aber ist das nicht dennoch ein Fortschritt, angesichts der derzeit blühenden Verschwörungstheorien? Es könnte diesen den Hahn abdrehen und Platz schaffen für konstruktive Diskussionen über die Struktur von Aufsichtsrat und Vorstand, oder ob wir beispielsweise eine Kapitalgesellschaft wirklich brauchen, oder ob auch der e.V. Zukunft bietet. Doch dazu müssen die Fakten auf den Tisch, schöne Märchen helfen dabei niemandem.

Bullshitbingo

Satirische Verarbeitung der ständigen Worthülen und Beschönigung seitens des Sportteils

Und ja, ich verstehe, dass besonders die genannte Änderung der Rechtsform für viele ein rotes Tuch ist. Für mich persönlich auch, ich bin voller Stolz Vereinsmitglied. Aber das darf kein Grund sein, der Wahrheit nicht ins Auge zu blicken, SOLLTE es nur so möglich sein, konkurrenzfähig zu bleiben. Dann müsste diese Wahrheit auf den Tisch und die Mitglieder hätten dann die Wahl, ob man diesen Schritt zum langfristigen Erhalt der Bundesligaperspektive gehen möchte, oder eben einen niedrigklassigen, aber dafür familiäreren Weg gehen will.

Derzeit lässt sich das von außen eigentlich nicht beurteilen. Es bleiben nur Grundgedanken, die ich an dieser Stelle kurz aus meiner Perspektive sammeln will.

      Vorteile einer Kapitalgesellschaft:

    • Der Verkauf der Anteile bringt einmalig Geld.
    • Weitere Hebel wie eine Kapitalerhöhung ermöglichen theoretisch weitere Einnahmen.
      Investierende Firmen erhalten für ihre Bilanz eine Gegenleistung (Anteile) damit können sie häufig höhere Investitionen rechtfertigen als aus dem Sponsoring-Topf.
    • Eine direkte Berufung einiger Aufsichtsräte durch die Teilhaber könnte den Weg freimachen für kompetente Leute, die auf den derzeitigen Spießrutenlauf zum AR keine Lust haben.
    • Ein Bankrott beträfe nur die Kapitalgesellschaft, nicht den gesamten Verein
    • Die Vereinsanteile stehen in der Bilanz (vor einem Verkauf) auf der Habenseite, sodass man diese als Sicherheit für Kredite verwenden kann.
      Nachteile einer Umwandlung

    • Der Verein ist nur noch eine Stimme unter vielen im Teilhabergremium, die Selbstbestimmung nimmt ab.
    • Der Verkauf von Anteilen bringt einmalig Geld, der Vorteil gegenüber einem e.V. ist aber nicht endlos.
    • Ein Verkauf zum derzeitigen Zeitpunkt (Angebot vs. Nachfrage = Marktwert) dürfte einer der schlechtesten Ideen sein, da man sich derzeit wirklich günstig herschenken würde.
    • Die Möglichkeiten des e.V. scheinen derzeit überhaupt noch nicht ausgenutzt.
    • Die emotionale Bindung der Fans kann darunter leiden. Auch das kann wiederrum Geld kosten.


Fazit:
Welche Faktoren davon für uns aber kurz- mittel- und langfristig ausschlaggebend sind, kann ich nicht beurteilen. Der Verein sollte sich hierzu aber klar selbst positionieren, stattdessen habe ich das Gefühl, dass man um dieses Thema bewusst herumeiert. Auch hier mein Appell, wie bei den Finanzen: Mut zur Ehrlichkeit, Gegenfeuer aushalten, es zahlt sich langfristig einfach mehr aus, als alles unter den Teppich zu kehren.
Nur so kann das Zusammenkehren der Scherben beginnen und ein mehrjähriger Wiederaufbau mit Ziel Wiederaufstieg zustande kommen. Dazu braucht es ein ligenunabhängiges Konzept und eine sachliche, von Denkschranken befreite Diskussionskultur, damit der Weg nach vorn für den FCN wieder sichtbar wird.
Zu letzterer können wir alle unseren Beitrag tun.

RSG
Exilfrange

Bildquellen:
www.fcn.de mit freundlicher Genehmigung des Vereins.
http://der-sportteil.jimdo.com

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Ein Kommentar zu Westblick #40: Weg nach vorn.

  1. huber georg sagt:

    sagt bitte einen alten fan. die Wahrheit wo das Geld vom Transferüberschuss
    geblieben .wurde es verzokt oder in eigene Taschen verschwunden.

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