Westblick #39: Eine Saison zum Vergessen.

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Wenn man, wie ich, über mehrere Monate keinen Eintrag mehr verfasst hat, dann staut sich eine Menge auf. Der überraschende Abgang Woys, das sportliche Auf und Ab (zuletzt wieder nur Ab). Die ständigen Querelen, das weitere Heraussickern von Interna, oder jetzt das Fanaufbegehren in Form einer Petition.
Romane ließen sich dazu verfassen und das wäre wohl auch eine Form der Katharsis, denn die Sorge um die Zukunft des Vereins, sie frisst mich manchmal auf.

Ich werde aber mich bemühen, diese Gedanken so gut es geht zu bündeln, damit das nicht in einen meiner berüchtigten Laberbeiträge ausartet. Da mir das aber so ganz sicher nicht gelingen wird, vorab ein kurzer Abstract meiner Ansichten, die Begründungen schiebe ich dann nach (allerdings keinesfalls so chronologisch, die Punkte sind dazu viel zu sehr miteinander verwoben):

1. Ich bin der Meinung, dass Woys Abgang überfällig war, es hat mich dennoch positiv überrascht und es macht gewissermaßen Hoffnung was den AR angeht, solange nicht blind nachverpflichtet wird. Davon hängt es ab.
2. Bader ist nicht weniger fällig. Die Frage ist nur, wann man diesen Schritt geht, nicht mehr ob.
3. Mein Verhältnis zur dazu passenden Petition ist gespalten.
4. Der Aufsichtsrat in seiner Besetzung aber auch Struktur bedarf auch weiterhin einer kritischen Prüfung.
5. Herr Weiler scheint insgesamt tauglich, auch wenn ich nicht alle seine öffentlichen Äußerungen und auch Aufstellungen für geschickt halte
6. Die Saison ist -natürlich- gelaufen, wirklich Zuversicht für die nächste will aber nicht aufkommen.
7. Der FCN steckt in entscheidenden Jahren und kann sich keine weiteren Fehltritte mehr leisten – falls es nicht schon zu spät ist.

Wer diese Liste verfolgt hat, der sieht schon, dass es hier von halbwegs positiv alsbald in sehr düster umschlägt. Es ist keine Freude, immer nur zu nörgeln, aber es gibt momentan halt auch wenig schönzufärben.

Woy

Ade, Ralf W. Bleib schee.


Trotzdem beginne ich mal mit dem Positivsten dieser Saison und das ist die Personalie Woy. Herr Woy hat zweifellos seine Verdienste in seiner langen Amtszeit gesammelt. Aus einem Chaosclub machten Woy und Bader (und viele andere) einen halbwegs seriös geführten Verein, welcher die ewigen Lizenzängste hinter sich ließ. Danach stockte die Entwicklung aber doch sehr. Auch finanziell wurde der Überschuss von Jahr zu Jahr immer kleiner, was auch an verpassten Chancen im Merchandising (wo bis heute ein besonderer Spezi von Woy sitzt) aber, viel gravierender, an der nicht gelungenen Anbindung der fränkischen Unternehmer an den Verein. Während in Augsburg, Hannover, etc. sich Firmen ins Boot geholt werden konnten und in anderen Städten (Kaiserslautern, Freiburg) immerhin großer Rückhalt von der Stadt vorhanden ist, kämpft der FCN auch nach 10 Jahren immer noch allein. Und wird dabei im Wettlauf abgehängt.

Vielleicht ändert sich jetzt mit einer möglichen Pacht des Stadions etwas an dieser Lage. Vielleicht, oder es bleibt die übliche Story, die man eben auftischt, wenn man öffentlich wieder mal unter Druck gerät und im Anschluss passiert dann wiederrum nichts.

Die Nichtverlängerung mit Woy (und die daraus resultierende vorzeitige Trennung) war also überfällig, denn das Erstellen von Bilanzen befähigt einen noch lange nicht zum Vorstand eines Millionenunternehmens, hier braucht es strategischer Expertise und guter Ideen, wie man als kleiner Verein seine Überlebensnische im Wettlauf mit den anderen findet. Dazu war Woy freilig der falsche Mann, bloß schien er mir so fest im Sattel zu sitzen (öffentlich stand von je her eher Bader im Kreuzfeuer), dass ich bei der Nachricht glatt umgekippt bin. Kurz kam Euphorie auf, dass unser neuer AR ein Glücksgriff sein könnte. Und was ich aus dem Gremium höre, scheint es auch ein konstruktives Miteinander zu sein, was in der Vergangenheit mitnichten immer so war. Dennoch ist es hier für Lobeshymnen zu früh. Erstens, weil immer noch Interna nach außen dringen, wie der Kicker Artikel der letzten Woche mal wieder eindrucksvoll unterstreicht.

Während Herr Grethlein sich nach außen müht, die Risse in der Außendarstellung zu glätten, steckt irgendjemand dem Kicker, welche Gräben sich in der letzten Sitzung zwischen Bader und Weiler auftaten. Dass die beiden nicht unbedingt die gleichen Ansichten haben, ist ja kein Geheimnis, aber was in den Sitzungen passiert, sollte in den Sitzungen bleiben. So führt man kein Unternehmen, das ist unprofessionell und es wirkt sich sicherlich nicht positiv aus, wenn man andere Menschen überzeugen möchte, hier Geld in die Hand zu nehmen. Denn niemand steckt in einen zerstrittenen Haufen Geld.

Grethlein

Was die mittelfristige Neubesetzung der Vorstandsposten angeht, bedarf es seitens des AR jetzt großens Geschicks, sonst wird sich der Trend fortsetzen, dass der FCN von anderen Vereinen abgehängt wird.

Der zweite kritische Aspekt ist für mich die Satzung. Meiner Ansicht nach ist der AR zu groß, um wirklich schlagkräftig zu sein. Eine Verkleinerung auf 6 Mitglieder wäre sicherlich eine gute Idee, dann ließen sich eventuelle Lecks auch etwas einfacher zurückverfolgen. Eine weitere spannende Frage ist die, ob nicht auch Aufsichtsratsmitglieder aus der Wirtschaft, die der FCN zweifellos bräuchte (Netzwerk, Vitamin B, Expertise), die sich aber scheinbar den Affenzirkus JHV nicht antun möchten, einfach berufen werden könnten. Im Moment wird ja auch im Glubbforum die Lösung 3 gewählte + 3 berufene Mitglieder diskutiert. In meinen Augen ist das eine schöne Idee, doch mit der Struktur eines e.V. wenig vereinbar. Denn während bei einer Kapitalgesellschaft dann die Anteilseigner eben Mitglieder berufen würden, die ihre Interessen vertreten sollen, wer würde das bei uns tun, wenn es eben nicht die JHV wäre? Der Vorstand? Der Aufsichtsrat selbst? Beides scheinen mir sehr schwierige Lösungen zu sein. Das Thema Kapitalgesellschaft klammere ich hier jetzt aber mal bewusst aus, sonst wird der Beitrag 5000 Wörter lang. Ein anderes Mal 😉

Wichtiger ist erst einmal ohnehin die Frage, wer auf Woy nachfolgt. Bitte nicht wieder jemand, der nur Bilanzen ordentlich führen kann, sondern einen Verein finanzstrategisch entwickeln kann. Gerne auch ohne sportlichen Background, das ist in meinen Augen erst einmal nachrangig. Wir brauchen Kohle, damit wir den Verein entwickeln können. Und das kriegen wir mit den netten Jungs von der Sparkasse nicht hin. Woy und Bader hatten ihre Verdienste und ich bestreite nicht einmal, dass sie bis zuletzt Dinge in Bewegung setzen und entwickeln. Nur entwickeln sich die anderen Vereine um uns herum eben viel schneller und effektiver, sodass uns in den letzten 10 Jahren etliche Vereine enteilt sind (Gladbach, Mainz, Augsburg, Hannover, um nur vier zu nennen). Die Verdienste der Vergangenheit sind also kein Freibrief, es zählt allein die Zukunft.

Bader

Ade, Maddin B. Bleib schee.

Und genau deswegen muss Bader seinen Posten ebenfalls räumen. Nicht einmal wegen der Transfers, oder der ganzen Worthülsen, die sehr verdeutlichen, dass er – wie bei langen Regierungsphasen völlig üblich – mittlerweile eher mit dem Machterhalt als mit der Vereinsentwicklung zu tun hat. Sondern weil er nachhaltig gezeigt hat, dass er sein Potential längst ausgeschöpft hat. Der Zeitpunkt der Trennung wäre jetzt ungünstig, da dann gleich beide Vorstandsposten vakant wären. Aber nach einer Neubesetzung des Finanzbereichs und einer Einarbeitung sollte man diesen Schritt definitiv gehen.
Während ich also den Inhalt der betreffenden Petition unterschreiben kann, halte ich das jetzt für schwierig, insbesondere, da wir mit Stilz, Ismael und wohl auch Woy bereits 3 Abfindungen in diesem Jahr unerwartet zu schultern hatten. Zudem umweht diesem Mittel immer auch der leise Verdacht des „halt online die Schnauze aufreißen, aber im echten Leben (z.B.: JHV) nicht das Maul aufkriegen“, auch das macht dieses Mittel schwierig. Auch wenn sich das eine und das andere ja keineswegs ausschließen.

Weiler

Schafft er die Wende zur neuen Saison?

Ein Blick auf die Liste zeigt mir, dass ich mich noch zur sportlichen Situation und zu Weiler äußern sollte. Weiler ist mit seiner ruhigen, sachlichen Art ein sympathischer Mann. Dass er sich offensichtlich nicht scheut, seine Überzeugungen auch gegenüber dem Sportvorstand anzubringen, macht ihn zudem noch mehr sympathisch. Sympathie ist aber irrelevant. Was zählt ist die Frage, ob er in der Lage ist, eine Mannschaft zu entwickeln (wobei neben taktischer Schulung auch ein Blick für Talente ins Gewicht fällt). Diese Frage lässt sich bisher höchstens unvollständig beantworten. Die Mannschaft spielt unter Weiler nicht sehr viel anders als unter Ismael, stellt sich allerdings etwas cleverer an. Zufrieden kann man mit dem Umgang mit dem Ball aber nicht sein. Weiler hat aber die Ausrede auf seiner Seite, diese Mannschaft nicht mit zusammengestellt zu haben. Für mich ist jetzt entscheidend, wie er die Restsaison nutzt (falls in der U21 noch Potential vorhanden ist, sollte man hier diesem eben Spielpraxis geben, außerdem Rakovsky kritisch überprüfen und gegebenenfalls frühzeitig nachverpflichten). Das Spiel gegen Bochum zeigte, dass er offensichtlich Rakovsky nicht vertraut, was für mich ein schwieriger Zeiptunkt für diesen Wechsel ist.
Pat hätte jetzt eigentlich die Chance gehabt, ohne Aufstiegsdruck an seiner Aufgabe zu wachsen – oder eben daran zu scheitern. Beides wären wichtige Fingerzeige gewesen. Wie sich Schäfer jetzt macht ist hingegen vollkommen irrelevant, ihm gehört ja ebenfalls nicht die Zukunft. Auch muss man sich fragen, warum ein sich stetig mühender Mlapa wirklich noch ständig gebracht werden muss (trotz des Tores), wo es doch jetzt eigentlich darum gehen könnte, Nachwuchstalenten die Probe auf Tauglichkeit unter Wettkampfbedingungen zu ermöglichen.

Zweitens wird es interessant sein, wie er seinen, nun stärkeren, Einfluss auf Transfers in der Sommerpause nutzt. Auch auf den öffentlich oft verspotteten Wolf hoffe ich hier. Beide vereinen in meinen Augen weit mehr Expertise auf sich als der Sportökonom, Chefscout und NLZ-Chef, die ansonsten unsere Transfers drehen.

Na bitte, ein hoffnungsfroher Ausblick zum Schluss! Wer sagt‘s denn! Dumm nur, dass es das substanzlose Prinzip Hoffnung ist, dass wir auch von Spieltag zu Spieltag anwenden (Motto: der Ersatzspieler kann es ja nicht schlimmer machen als die Nulpe auf dem Platz).
In diesem Sinne, der Glubb bleibt halt a Depp und wir mögen ihn längst nicht immer. Aber los kommt man halt auch nicht.

Euer Exilfrange

Vielen Dank an alle, die uns trotz deutlich geringerer Schlagzahl noch folgen und an das glubbforum, für (zwischen einer Menge Kindergarten 😉 ) viele interessante Denkanstöße.

Bildquelle: www.fcn.de mit freundlicher Genehmigung des Vereins.

Share
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.