Westblick #38: JHV 2014 Teil 2 – Meinungsmache und Intransparenz

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Fortsetzung von Teil 1

Bevor ich zum nächsten Hauptpunkt komme, an dieser Stelle ein kleiner Einschub. Ich habe in den letzten Tagen viel über das Publikum der JHV lesen dürfen und ja, es wurde wieder viel gebuht und gepfiffen. Angesichts mancher Leute, die einfach nicht zum Punkt kommen wollten, trotz vielfacher Ermahnung, ist das teilweise aber auch menschlich verständlich. Gerade angesichts des Mammutprogramms der diesjährigen JHV. Zudem bemühten sich sowohl Lederer als auch Adrian sehr und unermüdlich, dass der Einfluss der Störer nicht überhand nahm, was ihnen zumindest teilweise gelang. Es war sicher nicht alles gut, klar. Aber angesichts der auch durch den extrem aggressiv geführten Wahlkampf und die Exisstenzängste vieler Mitglieder sehr angespannten Stimmung blieb es eigentlich noch im Rahmen. Damit möchte ich die vorherrschende giftige Gesamtstimmung, die nur schwarz und weiß, Freund oder Feind zuzulassen schien aber nicht beschönigen. Zumindest aber war es von der aoMV aus betrachtet ein Schritt in die richtige Richtung seitens der Versammlungsleitung.

Frankenhalle

In der gut gefüllten Frankenhalle herrschte ging es hoch her, die Versammlungsleitung
mühte sich aber, Sachlichkeit herzustellen.


Dennoch muss ich auch das Podium mal wieder in genau diesem Punkt kritisieren. Wenn man sagt, dass auf dieser Veranstaltung „alle reden und ausreden“ dürften, darf ich nicht aus Zeitmangel Fragen abwürgen und Mitgliedern, die noch überhaupt nicht zu Wort gekommen waren, vor ihrer Meldung das Mikrofon abdrehen. Wenn ein Mitglied auf einem bereits benannten Punkt herumreitet und sich alles im Kreis dreht – bitte, kein Problem. Aber hier war das für mich wirklich nicht in Ordnung. Das wirkt besonders fatal, wenn man bei der Aussprache zur Dringlichkeit nicht die selben Standards anlegt und dort endloses Durchkauen derselben Thematik vier mal im Kreis herum erlaubt. Gegen Veranstaltungsende war es dann auf einmal auch wieder gestattet 15 Punkte herunterzuleiern, während im Mittelteil das bloße Voranschieben einer Respektserklärung vor eine sehr kritische Nachfrage Proteststürme von den Rängen und Ermahnungen vom Podium zur Folge hatte. Dass die Veranstaltungsleitung ein sehr schwieriger Job ist, möchte ich aber bei aller Kritik hervorheben. Ohne Druckmittel eine hochemotionaliserte Menge im Zaum zu halten, ist kein Kinderspiel. Was aber unbedingt hätte getan werden müssen, wäre die Neutralität des Vereins zu wahren. Wieder einmal griffen Podiumsmitglieder in gestellte Anträge mit ein und sprangen für Koch in die Bresche (wenn auch immer mit einer gewissen inhaltlichen Einschränkung). Das war sicher gut gemeint, aber wie schon bei Schramm letztes Jahr ist es Job des Betroffenen sich dazu zu äußern und Job der Versammlungsleitung für eine respektvolle Atmosphäre zu sorgen. Wenn offizielle Repräsentanten des Vereins aber dessen Neutralität verletzen und das höchste Gremium desselben in eine bestimmte Richtung zu manipulieren versuchen, dann ist das für mich keine Bagatelle, das gehört sich in meinem Vereinsverständnis nicht. Lederer und Adrian ließen dies aber mehrfach unkommentiert zu.
Bader

Bader hatte die aufgewühlte Menge auch in dieser Nacht wieder fest im Griff.


Wo wir gerade bei Meinungsmanipulation waren, als letzter wichtiger Punkt fehlen uns noch Bericht des Vorstands und die Abstimmung über die Entlastung. Martin Bader wandte mal wieder seine rhetorischen Fähigkeiten an und sagte im Grunde inhaltlich sehr wenig. Niemand Der Vorstand hat die Absicht eine Mauer ein Stadion zu errichten, wir sind dabei sehr selbstkritisch, glauben aber an den Weg – so in etwa die Botschaft. Aufkommende Kritik und auch kritische Nachfragen wurden dabei nach allen Regeln der Kunst zerbadert. Das polemische Pfeifkonzert, als die Mannschaft aus der JHV entlassen wurde, wandelte Bader in 3 Sätzen in zustimmenden Applaus. Und als ein Mitglied anmerkte, dass Bader sich an seinen Zielsetzungen (Nichtabstieg, Wiederaufstieg) messen lassen müsse und wenn man diese nicht erreiche eine Erklärung und Fehleranalyse nötig sei, erging es ihm nichtbesser. Dies wurde zerbadert, indem Bader zunächst begründete, warum es wichtig sei Ziele zu haben. Auf das eigentliche Thema hingewiesen, sagte er dann doch allen Ernstes, dass diese Frage müßig sei da die Vergangenheit schon zur Genüge durchgekaut wurde.
Die Anwesenden, alle voller Sehnsucht auf zu Hause, applaudierten ihm und buhten den kritischen Nachhaker vom Mikro weg.
Woy

Woy gab sich wie üblich sehr positiv, ohne z.B. den für nächstes Jahr erwarteten dramatischen Einbruch der TV-Gelder zu thematisieren.


Woy stand und steht dem in Nichts nach und präsentierte eine Bilanz, die knapp positiv war (+400.000). Damit trifft er wie zufällig genau die „richtige“ Zone, denn, wie er selber anmerkt, zu viel Überschuss hätte die Frage aufgeworfen, warum nicht mehr Geld in die Mannschaft investiert wurde. Ein Verlust wäre ebenfalls wohl schlecht rübergekommen. Dass Woy durch geschicktes Verschieben der Transfers ins alte bzw. neue Bilanzjahr diese Überschusssummen exakt beeinflussen konnte, wurde dabei von der ermatteten JHV schon gar nicht mehr wahrgenommen. Stattdessen war die Resonanz insgesamt eher positiv. Für mich (erstes Bauchgefühl, eine genaue Analyse der Zahlen steht noch aus) aber las sich das erschreckend schwach, vor allem, wenn im nächsten Jahr der Einbruch der TV-Gelder hinzukommt und wir kaum noch transferierbare Spieler haben, auf die wir aber nach wie vor angewiesen sind, um die schwarze Null zu halten. All diese Negativaspekte wurden von Woy (ich unterstelle: ganz bewusst) nich genannt und die gesamte Zahlenpräsentation muss klar als (ich unterstelle erneut: ganz bewusst) intransparente Angelegenheit bezeichnet werden. In eine aufrichtige Präsentation hätten so nette Dinge wie die anstehende Rückzahlung (oder wahrscheinlicher: Umschuldung) der Anleihe sowie neu dazukommende finanzielle Belastungen wie die ersten Schritte Richtung Stadionumbau und Bau des Miniaturstadions (das aber bereits seit 2003 geplant ist, also mal abwarten, ob das was wird) gehört. Woy klammerte diese Aspekte aus, aber vermutlich sind sie ihm nur kurz entfallen.

Überhaupt ist der Stadionbau für mich nur sinnvoll, wenn die Stadt Gebäude und Grund endlich für einen symbolischen Euro abtritt. Letztlich bringt das Stadion der Stadt jährlich nur Verluste. Bei einem Abtritt aber ergäbe sich für den Glubb die Chance, mit einem moderneren Stadion Gewinne zu erwirtschaften, wovon die Stadt wiederrum in Form von Steuern profitierte. Win-win nennt man das neudeutsch. Bleibt das Stadion aber in der Hand der Stadt, wie es sich momentan abzeichnet, sehe ich die Perspektive für unseren Verein weiter düster. Der Vorstand darf diesen Weg auf keinen Fall mitbeschreiten, schon gar nicht dafür feiern lassen. Zur Not muss ein neuer Standort her, wenn auch das neue Probleme mit sich bringt.

Unterm Strich stellten mich also weder Auftritt, Bilanz noch Zukunftsvision des Vorstands zufrieden, sodass ich auch keine Entlastung geben konnte. Das sah die Mehrheit jedoch anders und so ging der Vorstand wie schon aus der aoMV als strahlender Sieger hervor.
Dennoch war die Kritik und der Widerstand in meinen Augen noch nie so deutlich wie auf dieser Versammlung und Baders Aktien beginnen trotz seiner Siege so langsam zu sinken. Ca. 20% Misstrauensabstimmung (in nackten Zahlen: ca. 160 Nichtentlaster mehr hätte es um die Uhrzeit noch gebraucht) ist ein Votum, was es so gegen den Vorstand noch nie gab. Eine Ablösung halte ich für langfristig nach wie vor für wahrscheinlich, es sei denn es gelingen die erträumten großen Durchbrüche, was Infrastruktur wie sportliche Erfolge angeht.
Dann könnte ich dem Vorstand auch wieder mein Vertrauen aussprechen.
Fürs erste bleibt dieses erschüttert und die einzige Hoffnung ruht darauf, dass der neu formierte AR es schafft, zusammen mit dem Vorstand die Kurve zu kriegen.

Bildquelle: www.fcn.de

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