JHV 2014: Rainer Gömmel im Interview

Gastbeitrag

Interview mit Prof. Rainer Gömmel zu seiner Kandidatur.

Hallo IGZ-Freunde. Zur diesjährigen Jahreshauptversammlung präsentieren wir euch wieder einen Kandidaten, von dem wir glauben, dass es sich lohnt, ihn zu unterstützen. Dieses Mal ist das  Prof. Dr. Rainer Gömmel, der bis vor wenigen Jahren den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte an der Uni Regensburg innehatte und seit 3 Jahren Professor für Sportmanagement an der HaM ( Hochschule für angewandtes Management Erding) ist. Für ihn sprechen unserer Meinung nach Kompetenz, Erfahrung und Engagement. Aber lassen wir ihn doch lieber selber erklären, warum er kandidiert.


IGZ: Hallo Herr Gömmel. Würden Sie sich den Lesern bitte kurz vorstellen?


Gömmel:
Gern, zunächst einmal, in der Glubfamilie duzt man sich. Ich bin also einfach der Rainer. Ich hatte, wie richtig erwähnt, seit 1990 (bis 2010) den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte in Regensburg. Vor dem Studium der Volkswirtschaftslehre absolvierte ich eine Banklehre, und danach war ich in dieser Branche noch gut 2 Jahre tätig bis es mich zur Wissenschaft zog. In Regensburg war eines meiner Schwerpunktthemen die Geschichte des modernen Sports. Nach dem Club-Abstieg 1994, den ich live in Dortmund erlebte, inklusive der nach dem Spiel vielen weinenden Clubfans, habe ich in meinem Forschungs- und Lehrprogramm den Bereich Sportökonomie, speziell Fußballclub-Management eingeführt. Es hat mich einfach interessiert, was die Gründe für ein mehr oder weniger erfolgreiches Management sind. Warum wir hier scheiterten und andere Erfolg hatten.

Gömmel Uni

Forschung ist neben dem Glubb Rainers große Leidenschaft. Zu seinem Glück ließ sich beides oftmals kombinieren.


IGZ: Das klingt bereits sehr spannend. Was uns aber auch interessiert: Du hast dich 2010 vergebens für den Aufsichtsrat beworben. Was hat dich nun bewogen, nach 4 Jahren wieder zu kandidieren?

Gömmel: Ich bin damals gar nicht so deutlich gescheitert, habe die Schuld dafür aber allein bei mir gesehen. Ich wollte in der kurzen Redezeit zu viel erklären, was für eine Wahlempfehlung nicht gut ist. Danach habe ich mich wieder in meine für mich spannende Arbeit gestürzt, insbesondere kam bald das Engagement an der Fakultät Sportmanagement der HaM. Weiterhin die Anregung und Betreung verschiedener wissenschaftlicher Arbeiten mit praktischem Bezug. Es mag übertrieben klingen, aber es ist so: Hinter allem steckt der Wunsch, mit diesem Wissen irgendwie meinem Herzensverein ein bisschen helfen zu können. Mit dem Beinamen „Club-Professor“ haben mich die Regensburger Studierenden richtig charakterisiert, und meinen Kollegen hat’s auch gefallen.

IGZ: Du sprichst von Mithilfe. Wie würde der 1. FC Nürnberg von einem Aufsichtsrat Rainer Gömmel profitieren bzw. welche betriebswirtschaftlichen und vor allem sportrelevanten Kompetenzen bringst du mit?

Gömmel: Zunächst einmal habe ich mir im Laufe der Jahre aufgrund der Betreuung zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten (z.B. Doktorarbeiten) zu allen wichtigen Bereichen des Fußballs, auch im rein sportlichen Bereich (z.B. Teamoptimierung), umfassende, nicht nur theoretische, sondern vor allem praxisorientierte Kenntnisse verschafft. Natürlich bin ich auch Mitglied im Institut für Fußballmanagement der eingangs erwähnten Hochschule. Jüngstes Beispiel: Vor kurzem wurde eine mehrjährige Untersuchung (als Doktorarbeit) zum nützlichen Einsatz sozialer Netzwerke für das Marketing im Spitzenfußball abgeschlossen. Dieses Projekt hat ein etablierter Bundesligaverein sehr interessiert begleitet und aktiv unterstützt. Für mich persönlich war der Einblick in das Management auch dieses Vereins ein enormer Gewinn. Des Weiteren arbeite ich mit einer Gruppe von Experten an diversen besonders wichtigen Kennzahlen aller 36 Bundesligavereine, u.a. Unternehmenswert, Markenwert und Image im längerfristigen Verlauf. Natürlich hat das für mich auch einen ganz persönlichen Grund, nämlich eine Antwort auf die Frage: Wie hat sich der Club in der Vergangenheit entwickelt, insbesondere im Vergleich zu anderen Vereinen? In welchen Bereichen müsste etwas geschehen?

IGZ: Darf man daraus ablesen, dass du bei uns noch gehöriges Entwicklungspotential, besonders nach dem erneuten Abstieg, siehst? Hört man unseren Vorständen zu, erscheint alles ziemlich besonnen, ruhig und unter Kontrolle.

Gömmel:
Das ist eine ziemlich weit greifende Frage, eigentlich mehrere auf einmal. Nur in Stichpunkten. Zwar ist jeder Abstieg ein schwerer Rückschlag, aber dieser ist ganz besonders bitter. Nicht nur, aber auch durch die Reform der Verteilung der TV-Gelder hätten wir höhere, planbare Einnahmen gehabt. Ist es an sich schon negativ, dass der FCN überdurchschnittlich von diesen Einnahmen abhängig ist, so belastet uns dieses (hoffentlich nur eine!) Zweitligajahr noch mehrere Jahre. Weit schlimmer aber ist, dass uns die Erstligavereine, vor allem die etablierten, weiter abhängen. Unsere nicht berauschenden Kennzahlen erschweren, wie jetzt erlebt, die Suche nach wirklich potenten Sponsoren und Werbepartnern enorm. Ein Blick auf die meisten Erstligavereine zeigt, dass nur Paderborn z.B. beim Trikotsponsor hinter uns liegt. Stuttgart, Köln, Bremen, auch Mainz und selbst Freiburg liegen z.T. um ein Mehrfaches vor uns. Zum Weinen…
Unterm Strich: Der Club ist innerhalb von 7 Jahren aus einer glänzendn Position mit internationaler Werbepräsenz zum Rekordabsteiger ohne besondere Attraktivität für Sponsoren geworden. Ob wir uns wieder deutlich „berappeln“ oder nicht, entscheidet sich in den kommenden Jahren. Bei diesem Versuch wieder nach oben zu kommen, und zwar nicht nur irgendwo in die 1. Liga, möchte ich mithelfen. Mir blutet das Herz, wenn ich an die erlebten Meisterschaften der 60er Jahre denke, als wir die Nr. Eins in Deutschland waren. Seit 45 Jahren gilt mittlerweile das Wort „Clubanhänger müssen leidensfähig sein“. Das mag irgendwie auch etwas Besonderes sein, aber letztlich ist es Ausdruck für das Hin und Her zwischen erster und zweiter Bundesliga. Und das soll auf Dauer unser Anspruch sein? Jede noch so große Tradition verblasst mit der Zeit, wenn Sie nicht durch aktuelle Erfolge aufgefrischt wird.

Gömmel Trikot

Unter Kollegen ist er seiner leidenschaftlichen Liebe wegen auch als „Glubb-Professor“ bekannt.


IGZ: Du sprichst die ruhmreiche Vergangenheit an. Warum hat der 1. FC Nürnberg in den 70er Jahren den Anschluss zum professionellen Spitzenfußball verpasst?

Gömmel: Es würde hier zu weit führen, alle wesentlichen Gründe anzuführen. Im Endeffekt hatten wir über lange Jahre hinweg ein ehrenamtlich tätiges Präsidium, das unseren Profifussball nicht mit einem wirklich professionellen Management betrieben hat. Professionell bedeutet nicht, dass man lediglich etwas als (bezahlten) Beruf ausübt, sondern diese Tätigkeit aufgrund spezieller Kenntnisse ausüben kann.

IGZ: Inwiefern wird aus der Verwurzelung des 1. FC Nürnberg in der Region zu wenig gemacht und wie siehst du beim Club ähnliches identitätsstiftendes Potenzial wie beispielsweise bei Athletic Club Bilbao oder dem FC Barcelona?

Gömmel: Interessant, dass du das ansprichst. Wer Zeit und Muße hat, kann meine Publikation aus 2004 lesen „Der Club und sein Hinterland: der 1. FC Nürnberg als Faktor fränkischen Regionalbewußtseins“, erschienen in „Der lange Weg zur Bundesliga. Geschichte des Fußballs, Band 4“. Darin habe ich in der Tat u.a. wehmütig die starke emotionale Bindung der katalanischen Bevölkerung zu „ihrem“ FC Barcelona erwähnt. Eine solche Beziehung wünschte ich mir für einen größeren Teil der Franken zu unserem Club. Das schafft einfach ein nach außen äußerst positiv wirkendes Flair, eine Stärke, wenn eine ganze Region sich um ihren Club schart.

IGZ: Auf dem Weg dahin, ist da ein neues Stadion, bzw. ein Umbau des jetzigen Stadions notwendig, damit der 1. FC Nürnberg wettbewerbsfähig bleibt?

Gömmel: Unmittelbar nach dem Pokalsieg 2007 hätte ich dies Frage mit „Ja“ beantwortet. Der Abstieg hat die Antwort „Nein“ gegeben. Jetzt müssen wir mit dem jetzigen Stadion auskommen, das im Vergleich zu den Vereinen, mit denen wir uns leider noch eine Weile herumschlagen müssen, durchaus leistungsfähig ist.

Gömmel bei BR Alpha

Gömmel ist als Experte vielerorts gefragt, so auch hier in einer Diskussionsrunde von BR alpha zum Thema „Nürnbergs Bedeutungsverlust“


IGZ: Kannst du ein paar konkrete Maßnahmen nennen, die du anstreben würdest, um den Club Schritt für Schritt nach vorne zu bringen? Das ist zwar mehr eine Frage an das Management, aber es muss auch deutlich werden, wie der Aufsichtsrat das sieht, der ja schließlich das Management kontrolliert und damit beurteilen muss.

Gömmel: Ich kann hier nur das Grundsätzliche ansprechen. Auf der Basis des existierenden wirklich sehr guten Leitbildes bedarf es einer realistischen strategischen Planung mit dem eindeutigen Ziel der Etablierung in der 1. Bundesliga. Diese strategische Planung wird über die operative Planung ausgeführt, begleitet von einer Erfolgs- und Liquiditätsplanung. Inwieweit und in welcher Klarheit so etwas bereits existiert, entzieht sich meiner jetzigen Kenntnis als Außenstehender.

IGZ: Du hast jetzt Verschiedenes angesprochen, wo du Handlungsbedarf siehst. Wie würdest du dies gegenüber einem Vorstand verteten, der zumindest nach Außen hin das Gefühl vermittelt, alles sei gut?

Gömmel: Ein Aufsichtsrat wird solange keine Kritik üben, solange alles bestens „läuft“, sportlich und wirtschaftlich. Wenn das nicht der Fall ist und der Aufsichtsrat sich unkritisch verhält, erfüllt er seine ureigenste Funktion nicht mehr. Aufgabe des Aufsichtsrats ist es vorrangig, wie erwähnt, die strategische und operative Planung mitzugestalten, vor allem aber zu überwachen. Das ist und muss in jedem Unternehmen so sein.

IGZ: Danke für dieses sehr aufschlussreiche Interview, Rainer. Eine letzte Frage: Wo siehst du den Glubb in 10 Jahren?

Gömmel: Diesen Traum verrate ich nicht. Aber wer 45 Jahre überwiegend gelitten hat, möchte irgendwann wieder auf der Fußball-Sonnenseite stehen. Das gilt es anzupacken.

Bildquellen: www.br.de, www.uni-regensburg.de

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6 Kommentare zu JHV 2014: Rainer Gömmel im Interview

  1. Klasse Interview! Stellt Ihr jeden Kandidaten so ausführlich dar, damit man gut vergleichen kann?

    • Exilfrange sagt:

      Jeden sicher nicht. Aber jeden, der es wünscht und der mit unseren grundsätzlichen Ansichten entweder harmoniert oder seine eigenen schlüssig darlegen kann. Es sollte normalerweise eine gewisse Harmonie IGZ-Kandidat geben, aber wenn sich jemand anderer Meinung einem kritischen Interview stellen würde – warum nicht?

  2. block4 sagt:

    Der Club-Professor überzeugt nicht nur mit Verstand, Intelligenz und Wissen, das setze ich bei einem Professor voraus. Aber er scheint auch das richtige rot-schwarze Herz zu haben – absolute Wählempfehlung!

    Und schaden könnte es dem Club sicher nicht, wenn der AR jemanden aufweist, der es nicht nur fachlich sondern auch rhetorisch mit MB aufnehmen kann.

  3. Wolfgang Hofer sagt:

    Prof. Dr. Rainer Gömmel hat Herzblut und wäre sicherlich eine Bereicherung für den Aufsichtsrat. Ich sehe in ihm einen kompetente Fachmann, der mit seiner Erfahrung den Club zu neuen Strukturen verhelfen könnte. Sein Wissen und Engagement sind gefragt. Deshalb mein Appell, unterstützt und wählt ihn, damit dieses Gremium endlich wieder mit professionellen Leuten besetzt wird.

  4. Fraunholz Dieter sagt:

    Mein lieber Rainer,

    leider habe ich das obige Interview erst n a c h Deiner Wahl gelesen, jedoch, es war egal, mein Kreuzchen habe ich richtig gesetzt. Auch Dein fundiertes Wissen hat mich ja auch schon vor vier Jahren fasziniert.

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