Aufstieg à la carte, oder: So einfach ist es nicht!

Chaotische Meinungsmache

Chaotische Meinungsmache

Warum ist niemand zuvor auf diese brillante Idee gekommen? Man nehme einige mehr (Schöpf) oder weniger (Pachonik) talentierte Dritt- und Viertligaspieler, vermenge diese mit Zweitligaspielern, die das Spektrum von abgehalftert (Koch) bis hoffnungsvoll (Sylvestr) abdecken, füge ein paar gescheiterte Erstligaspieler hinzu (Mlapa) und garniere dies mit fußballerischen Anachronismen (Schäfer, Pekhart) – fertig ist der Aufstiegskader!

So einfach ist es dann überraschenderweise doch nicht. Der Start in die Saison gelang, wenn auch bereits gegen Aue die Schwächen, die – zum Glück! – bei den Verantwortlichen bekannt sind (und offensichtlich ignoriert werden), aufgezeigt wurden, aber danach nahm das Unheil, mit dem Debakel gegen Fürth und dem DFB-Pokal aus gegen Duisburg seinen Lauf.

Unser Problem ist das zentrale Mittelfeld, nicht erst seit Polak fehlt, aber spätestens dann ist es besonders offensichtlich geworden. Wir sind in der unglücklichen Lage, dass jede Mannschaft erwartet, dass wir den spielgestalterischen Part übernehmen. Dass unser Team, unabhängig vom Personal auf und neben dem Platz, irrsinnige Probleme mit dieser Form der Spielgestaltung hat wurde durch unzählige, sich wie Kaugummi ziehende, Duelle gegen Teams auf Augenhöhe, und schlussendlich die Punktausbeute gegen die direkte Konkurrenz bewiesen. Warum ist das so? Vermutlich weil über die Jahre immer und immer wieder und völlig unerklärlicherweise Spieler verpflichtet wurden, die sich eher für eine reaktive Spielweise eignen.

Spielgestaltung erfolgt über das zentrale Mittelfeld– doch wie will man in einem 4-4-2 mit flacher Vier den Kampf um die Vormacht im Mittelfeld gewinnen? Zur numerischen, zwei gegen drei Unterzahl gegen die gängigen Formationen im modernen Fußball (4-1-4-1, 4-2-3-1, 4-3-3) kommt das Fehlen von Anspielstationen im Zehnerraum dazu, welches bei uns weder durch aufrückende Sechser (Schöpf), noch durch einrückende Außenbahnspieler (Koch, Füllkrug) und schon gar nicht durch sich zurückfallenlassende Stürmer mit Spielmacherqualitäten, so wie es etwa seit Jahren in Gladbach praktiziert wird, (Mlapa, Pekhart, Sylvestr) kompensiert werden kann.

Diese Punkte führten dazu, dass das Spiel nicht nur das Zentrum gestaltet werden konnte und die Angriffe vornehmlich über die Außenbahn vorgetragen wurden. Die Außenbahn aber ist mit Füllkrug, dem so ziemlich alles fehlt, was einen Außenbahnspieler auszeichnen könnte und Koch, dem wiederum einfach die Qualität fehlt einen potentiellen Aufstiegskandidaten zu verstärken, nicht ausreichen besetzt. Diese Unzulänglichkeiten führten im Verbund mit einer völlig passiven Verteidigungshaltung (kein Pressing, aber auch schwer im 4-4-2 mit flacher Vier) und individuellen Fehler dazu, dass der Glubb gegen Fürth enorme Probleme hatte.

Die Probleme im Zentrum wurden richtig erkannt und Ismael reagierte mit der Umstellung auf ein 4-4-2 mit Raute gegen Duisburg entsprechend. Schöpf gefiel in aufgerückter Position deutlich besser, aber insgesamt war die Interpretation dieser neuen taktischen Ausrichtung ebenfalls mangelhaft. Evseev’s Bemühungen kamen nicht über Ansätze hinaus und Petrak, so sehr ich ihn schätze (auch wenn ich bezweifle, dass er der Spieler ist, der den gesamten Verein über Jahre hinweg besser macht), ist für die Halbposition völlig ungeeignet. Man muss bedenken, dass die Raute kein einfaches System ist und eine vernünftige Interpretation dieser eine eingespielte Mannschaft und Spieler mit hohem taktischen Verständnis und situativem Gespür erfordert. So muss etwa die fehlende „natürliche Breite“ durch kluges Verschieben der Spieler auf den Halbpositionen und Läufe der Außenverteidiger kompensiert werden. Die Raute ist, wie kein anderes System, mit dem Aufstieg und Niedergangs Bremens in der letzten Dekade verbunden und der Fall Bremen zeigt welchen atemberaubenden Fußball die Raute ermöglicht, aber eben auch was passiert, wenn das Spielermaterial nicht (mehr) deren Ansprüchen genügt.

Unabhängig davon dass ich Spielsysteme mit einem oder drei Stürmern bevorzuge, glaube ich, dass die Raute im Moment der falsche Weg ist: Die Mannschaft ist weder eingespielt, noch besitzt sie Selbstvertrauen (woher auch?) und torkelt nach dem Ausfall von Polak mehr oder weniger orientierungslos von einer Blamage zur nächsten. Hier ist dringend Stabilität gefordert und ich vermute, dass ein 4-2-3-1 mit Mössmer und Petrak auf der Doppelsechs etwas Struktur und Sicherheit in das Spiel bringen würde, und sich beispielsweise Schöpf auf der Zehn gut entfalten könnte. Die Außenbahn wäre, wie auch im 4-4-2 mit flacher Vier qualitativ nicht gerade hochwertig besetzt (Füllkrug, Koch), aber die gesamte Spielanlage wäre zentrumslastiger.

Was soll man also aus den ersten Spielen mitnehmen? I) Zweistürmersysteme (mit Viererabwehrkette) bringen uns nicht weiter. II) Das Zentrum ist unterbesetzt und es werden Verstärkungen benötigt. Dies wird aber nicht geschehen, da die Planungen mit Mössmer abgeschlossen sind. Er hat seine Sache gegen Duisburg nicht so schlecht gemacht, aber ich halte es fragwürdig, ob er höchsten Ansprüchen genügt, bzw. ein potentieller Erstligaspieler ist. III) Die offensive Außenbahn ist drittklassig besetzt. Wenn man weiter plant so flügellastig zu spielen, wird dies katastrophale Folgen haben. Hier muss personell deutlich nachgelegt werden und der vielgeforderte „Kracher“ (am besten derer zwei) verpflichtet werden.

In jedem Fall ist das Ziel direkter Wiederaufstieg im Moment sehr weit entfernt und gleicht, in der jetzigen Konstellation, einem Himmelfahrtskommando!

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Ein Kommentar zu Aufstieg à la carte, oder: So einfach ist es nicht!

  1. G. R. sagt:

    Liebe Clubfans
    Schaut mal auf die Facebook Seiten Kommentare zum Teil wird Super Baader
    Betrug vorgehalten bei Spielerverkäufen . Seine sportliche Naivität sein unsicheres Auftreten bei Pressegesprächen fast schon ein Gegatze. Außerdem spielt fast eine komplette Mannschaft in Europäischen Fußballwettbewerben die in den letzten sieben Jahren das Clubtrikot trugen nicht einen einzigen konnte er halten.Kein vernüftiger Trainer wollte den Club trainieren, ohne Ismael Valerien verletzen zu wollen. Auch Hecking hats geahnt und hat mit viel Diplomatie die Flucht ergriffen Aber das reicht beim Club immer noch nicht aus um einen selbsternannten Sportdirektor samt seiner dazugehörigen Taugenichtse aus dem Amt zu heben. Ich hoffe nicht das wir in Liga drei müssen den dann wirds sehr schwer jemals wieder in Liga 1 aufzusteigen.
    Schönen Tag noch

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