Westblick #32: Schön, dass wir mal drüber geredet haben

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Die gestrige außerordentliche Mitgliederversammlung hätte ein ungemütlicher Abend für die Verantwortlichen in Vorstand und Aufsichtsrat werden können.
Immerhin stieg der FCN nach 2008 schon wieder ab, tut dies demnach unter Bader und co nicht seltener als im Mittel der Jahre seit dem ersten Abstieg (Abstand zum letzten Abstieg 6 Jahre, Durchschnitt seit Abstieg Nummer 1 im Jahr 1969: alle 5,6 Jahre steigt der FCN ab) und das, obwohl man sich doch, wie immer betont wird, „auf einem guten Weg“ befindet.
Immerhin durfte Makoto Hasebe ablösefrei gehen, obwohl noch im vergangenen Sommer für eine erhebliche Ablösesumme und nach zähem Ringen aus Wolfsburg losgeeist.
Immerhin hatten etliche Leistungsträger (darf man das so nennen, bei 26 Punkten?) Ausstiegsklauseln, die ihnen eine günstige Flucht ermöglichten.
Immerhin hatte Bader vor der Verbeek Verpflichtung noch angekündigt, der nächste Trainer müsse sitzen. Er selbst aber beschrieb Verbeek gestern als einen, den man schlichtweg entlassen musste. Saß also nicht. Und über Roger Prinzen brauchen wir nicht sprechen.
Immerhin flog der FCN mal wieder postwendend aus dem Pokal.
Immerhin reagierte man nie wirklich auf offensichtliche Schwachstellen im Kader und setzte zum wiederholten Mal auf Dauerverletzte (Gebhart) und ewige Talente (Mak, Frantz).
Immerhin drangen aus dem Aufsichtsrat wieder Interna nach außen, zum Beispiel vorab zur Entlassung Verbeeks.
Immerhin ist der FCN überproportional abhängig von den Einnahmen aus TV Geldern, die jetzt auf Jahre hin geschmälert sind, selbst im Falle eines direkten Wiederaufstiegs.
Immerhin waren all diese Fakten vielen Glubbfans bekannt, die Wut war groß, man wollte es dem Vorstand mal so richtig zeigen.

Bader

Martin Bader hatte mit einer durchschaubaren, aber wirksamen Rede die aoMV innerhalb kürzester Zeit unter Kontrolle


Doch Geschick seitens des Vorstands, naives bis tölpelhaftes Vorgehen seitens des Initiators der aoMV und diverser Antragssteller und ein erfüllungswilliges Publikum, dem das bekannte Übel immer noch weniger schlimm als das Unbekannte erscheint, ließen jegliche erhoffte Opposition und damit auch den Sinn der gesamten Veranstaltung in kürzester Zeit zerfließen.
Schon mit der Rede Baders, die, wie jemand auf twitter süffisant kommentierte, auch ein Zusammenschnitt der Reden der letzten 10 Jahre hätte sein können (zerknirschtes Einräumen gewisser Fehler, Darlegung der Schwere der Aufgabe beim FCN, Andeutung des Gedankens an einen möglichen Rücktritt (diese Drohung zieht immer), Gegenangriff auf die bösen Kritiker im Netz und schließlich der gute, gute Weg, auf dem wir uns doch befinden) war der Käs im Grunde gegessen. Frenetischer Applaus derjenigen, die kritisches Nachfragen mit Umsturz verwechseln, war dem Vorstand ab da sicher. Begünstigt durch einen Initiatior der aoMV, der meinte er habe dadurch irgendwie auch halb die Funktion eines Moderators der Veranstaltung und der damit gleich den ganzen Saal gegen sich aufbrachte, war die Stimmung bereits nach kürzester Zeit klar: Wir wollen alles, aber keine Revolution und jeder, der hier etwas Kritisches sagt, ist des Revoluzzertums verdächtig und gehört ausgebuht.
Mitglieder

Die Mitglieder gaben sich trotz all der denkbaren Kritikpunkte gegenüber dem Vorstand lammfromm und buhten und pfiffen stattdessen den Initiator der aoMV, Rainer Kurzmann aus, was dieser ertrug, aber auch selbst verschuldet hatte.

Dass Kurzmann sich diesem Pfeiffkonzert stellte, nötigt mir schon wieder Respekt ab, auch wenn er dabei nicht aufhörte, Steilvorlagen gegen seine Position zu liefern. Warum der Verein nicht hartnäckig genug durchgriff (Versuche waren zu erkennen) und die Saalordnung wahrte, ist mir nicht wirklich ein Rätsel, schließlich spielte es doch in ihre Karten (Schamel: „aus einer aoMV muss der Verein als klarer Sieger hervogehen“), skandalös blieb es trotzdem.
Die schon im Vorfeld kritisierten Anträge plus das eine oder andere Mitglied, dass Themen wie Charisteas oder die Auflösung des e.V. ins Spiel brachten, zerstörten dann endgültig jede Hoffnung auf ein Ergebnis, außer der Stärkung des Vorstands.
So gehen also die Scheiternden der letzten Saison als Sieger hervor. Die Hürden für neue aoMVs liegen nach dieser katastrophalen Erfahrung nun unendlichfach höher und die sachlich-kritische Opposition im Verein, liegt kriechend am Boden.

Es gibt aber am bei allem Entsetzen über diesen Verlauf doch auch Positives zu berichten. Die Vertagung der Anträge schafft Zeit, diese zu überarbeiten und aus „gut gemeint“ auch „gut gemacht/ausgearbeitet“ zu machen. Oder einzusehen, dass der Antrag so evtl. mehr schadet als nutzt. Ich hatte mich auch persönlich an dem einen oder anderen Antrag beteiligt, aber letztlich entstanden diese in zu kurzer Zeit und zu undurchdacht und ich empfand bei Manchem, was sich zuerst gut anhörte bald Zweifel, sodass ich diese letztlich nicht mittrug. Den sachlich-kritischen Kräften im Verein wurde an diesem Abend in jedem Fall aufgezeigt, dass sie sich besser aufstellen, früher aufstehen müssen, um etwas im Verein anzuschieben. Eine gute Vorbereitung und eine kritischere Prüfung des eigenen Vorhabens vorab tut Not.
Eine Krawallveranstalung wie die Vergangene bringt dagegen mehr Schaden als Nutzen. Wenn etwas per Antrag auf der JHV gehen soll, dann nur gemeinsam mit Satzungskundigen und mit vorheriger Sondierung des Rückhalts für die Anträge bei den organisierten Fanstrukturen.
Es war eine bittere Lektion, aber eine aus der man lernen kann.

Wie es NICHT geht, sollte nun ja mehr als klar sein.

Bildquellen: fcn.de

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