Westblick #31: Der verflixte sechste Sieg

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Es gibt wohl kaum eine schwerere Stunde in der Gefühlswelt eines Fans als einen Abstieg. Natürlich gibt es schlimmeres, nicht nur „im echten Leben“, auch auf Vereinsebene. Man könnte auch die Lizenz verlieren beispielsweise. Aber ist das hier „nur“ ein Abstieg? Zunächst einmal: Eine geringe Restchance verbleibt noch. Aber das kaum für möglich Gehaltene ist eingetroffen: Wir spielen noch schwächer als unter dem letzten Trainer. Ja, wir bekommen jetzt nur noch 2 Gegentore pro Spiel, aber das Offensivspiel, schon in den Wochen zuvor nicht mehr mit der nötigen Qualität gesegnet, es ist jetzt völlig in sich zusammengefallen.
Wie diese Mannschaft Schalke niederringen soll, das ja dieses Spiel keineswegs abschenken darf, bleibt in das, was ihnen noch bleibt: Worthülsen.

Prinzen

Der neue Trainer konnte das Ruder bisher nicht rumreißen.

In Wahrheit hatte man nach dreiwöchiger Suche nach eigener Aussage eigentlich in Verbeek bereits den perfekten Mann ausgemacht, hatte ihm in der Winterpause, unbeantwortet. Die Verantwortlichen flüchten sich daher obwohl laut Scout Möckel im Sommer doch bereits „all in“ gegangen, noch 2 brauchbare Spieler gekauft (unterm Strich viel zu wenig, aber entsprechende Warnungen hat der Verein ja schon seit Saisonbeginn in den Wind geschlagen) und schließlich mit dessen Entlassung kürzlich die dann wirklich allerletzte Patrone verschossen.
Soweit, so schlimm, so normal für einen Abstieg. Planlos, ratlos, hilflos taumeln wir durch diese Saison. Eine Saison in der es absurderweise uns gereicht hätte 6 Siege zu holen um die Relegation zu erreichen. Sechs. So unfassbar wenig. Alleine das Trauma des Hinspiels gegen Hannover würde uns jetzt reichen. DAS ist vielleicht das besonders traurig Erbärmliche in diesem Jahr, WIE strunzblöd wir uns in den Sog von Abstieg Nummer 8 gebracht haben. Wie wenig gereicht hätte, um dem Ganzen aus dem Weg zu gehen. Aber das ist alles hätte, wenn und wäre.
Hilfreich ist das alles nicht. Weswegen ich mich umso mehr wundere, warum der Verein sich in diese Floskeln flüchtet. Warum Günther Koch, der scheinbar auch nichts Wichtigeres momentan zu tun hat, als Medientermine wahrzunehmen und dafür sogar Ende April eine Aufsichtsratssitzung (seine eigentliche Aufgabe) links liegen liess, warum dieser Mann also meint, wir würden diese alte Leier von den Pfostenschüssen und Verletzungen noch glaubhaft finden, ist mir ein Rätsel. Vielleicht hofft er es einfach. Aber ich möchte doch daran erinnern, dass SECHS Siege genügt hätten zur Relegation. Auch mit all diesen Katastrophen muss mein Kader SECHS Siege hergeben.

Die Minimalchance auf diesen sechsten Sieg existiert ja weiterhin. Doch wird dies dieser Rumpftruppe, in der jetzt neuerdings zuvor Aussortierte wieder Startplätze haben, freilich ohne diese durch Leistung im Anschluss zu rechtfertigen, kaum gelingen. Zu ernüchternd war die vertane Chance gegen Hannover, zu leblos und resignierend dieser Auftritt. Ich glaube kaum, dass irgendjemand in diesem Team absteigen will. Aber das Rückgrat, auch einmal einen Rückschlag wegzustecken, fehlt ihr.
Die genaue Fehleranalyse, die belegt, dass dies nicht gerade überraschend kommt, käme jetzt noch ein Spiel zu früh. Noch muss auch die letzte Restenergie gebündelt in das letzte Spiel gesteckt werden, gleich wie wenig Hoffnung man gerade noch spürt.

Mitgliederversammlung

Kommt bald die außerordentliche Mitgliederversammlung?


Nach dieser Saison, auch wenn sie noch mit einem wundersamen Klassenerhalt garniert würde, muss es eine solche aber geben. Und dies ausführlich, schonungslos und rechtzeitig. Im Oktober, zur regulären Mitgliederversammlung, käme dies definitiv zu spät. Die Aussprache, die möglichen Veränderungen und Konsequenzen müssen vorher erfolgen. Ein „weiter so“ darf es nicht geben, auch wenn jetzt nicht automatisch alles scheiße ist, nur weil man absteigt. Das, was gut ist, muss geschützt werden. Und die außerordentliche Mitgliederversammlung, die es wohl geben wird und zu deren Antragsformular hier nochmal verlinkt sei, darf nicht von irgendwelchen Heilsbringern für ihre Agenda missbraucht werden. Nur weil der Bader die Heilkunde am Verein nicht allzu überzeugend voranbringt, heißt das noch lange nicht, dass man den Koch zum Medicus machen sollte.

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