Bremen im Rückspiegel, nächste Ausfahrt: Hamburg

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Gertjan Verbeek: Wir haben gut gespielt, aber vergessen, ein Tor zu machen. Bremen ist das dagegen gelungen. […]. Es macht mir Spaß, die Mannschaft so spielen zu sehen. […].Mir auch. Und ich denke auch, dass der Glubb gut gespielt hat. Und ich glaube immer noch, nein, mittlerweile weiß ich es, dass Verbeek der richtige Mann für den Ruhmreichen ist.

Warum sind wir trotzdem nicht als Sieger vom Platz gegangen?

Es bleibt festzustellen, dass Bremen ein Schatten vergangener Tage ist und keinerlei Interesse an Ballbesitz hat. Sie haben sich damit abgefunden, dass ihre Glanzzeiten erst einmal vorbei sind und sie wissen über ihre Stärken und Schwächen sehr gut Bescheid. Mit dieser pragmatischen Sichtweise bestreiten sie ihre Spiele und in den letzten Wochen mit zunehmenden Erfolg.

Die Bremer machten das Zentrum dicht und drängten den Glubb auf die Außenbahn. Vor allem der linke Außenverteidiger, Caldirola, rückte sehr weit in die Mitte, machte dadurch das Zentrum noch kompakter und verhalf Bremen zu drei hochgewachsenen Spielern (Lukimya, Prödl und Caldirola) im defensiven Zentrum. Nebenbei konnte er somit die Bewegungen von Mak in das Zentrum besser kontrollieren. Obraniak auf der linken Halbposition agierte zurückgezogen, passiv und weit, was dazu führte, dass Angha häufig anspielbar war, ihm jedoch der Weg zur Grundlinie verstellt war und er Flanken aus dem Halbfeld schlagen musste. Insgesamt aber wurde durch diese Maßnahmen der Ball vor allem auf die rechte Abwehrseite der Bremer gelenkt. Ingovskyi positionierte sich relativ weit und Hlousek wurde somit, ähnlich wie Angha, zu frühen Flanken gezwungen. Diese waren aber dank der Größenvorteile der Bremer im Zentrum und der eingerückten Positionierung von Caldirola sehr leicht zu verteidigen (4 von 37 Flanken kamen an!). Plattenhardt und Hlousek kombinierten unzureichend, denn obwohl sie häufig Überzahl am linken Flügel erzeugen hätten können um in den Rücken der Abwehr zu kommen, war meist nur ein Spieler in der Offensive zur Stelle und beide nahmen sich gegenseitig den Raum weg – warum nicht einer den Weg in die Mitte suchte um Ignovskyi mitzuziehen ist mir ein Rätsel.Zusammengefasst: Bremen lenkte das Spiel auf die Außenbahn, machte das Zentrum dicht und lockte unsere Außenbahnspieler nach vorne. Die Lücken dahinter nutzten sie bei Kontern aus, da in diese ihre zentralen Mittelfeldspieler stießen. Unsere Außenverteidiger hatten schwache Passquoten, brachten vor allem Bälle in das kompakte Zentrum nicht zum Mann.

Was hätte man besser machen können?Zum einen hätten sich Außenstürmer und Außenverteidiger besser bewegen müssen um in den Rücken der Abwehr zu kommen. Gegen tief stehende Mannschaften ist dies das Mittel des Erfolgs und hätte deutlicher forciert werden müssen Prinzipiell machte auch die weite Positionierung Sinn um den Gegner auseinander zu ziehen, da dieser darauf aber mal überhaupt nicht reagierte (aufgrund der angesprochenen brutalen körperlichen Überlegenheit im Defensivzentrum), sah sich Verbeek dazu gezwungen Pekhart zu bringen. Dies war vermutlich auch die einzige richtige Entscheidung!

Uns fehlt (noch) die Klasse das Spiel aus dem Zentrum heraus gegen ein kompaktes Zentrum zu gestalten, in diesem Bereich aber haben ganz andere Mannschaften Probleme (Bayern vs. Inter, Bayern vs. Chelsea) Mit einer Kombination aus Kontern durch das Zentrum (teilweise sensationelle Doppelpässe zwischen Kiyotake und Drmic), vereinzelten Fernschüssen und häufigeren Seitenverlagerungen, einfach um den Gegner auseinanderzuziehen, dürfte auch hier eine Verbesserung erreichbar sein.

Ich bleibe dabei, dass dieses Spiel deutlich besser war als beispielsweise die Leistung der Mannschaft gegen Braunschweig oder Berlin. Campana hat, abgesehen vor dem schweren, irreparablen Ballverlust vor dem 0:2, angedeutet, dass er sehr wichtig für die Mannschaft werden kann, da er Kiyotake im Spielaufbau entlastet. In den drei Spielen vor Bremen war Kiyotake bei der Hälfte seiner Pässe in der eigenen Hälfte, gegen Bremen dagegen konnte er 70% seiner Pässe aus der gegnerischen Hälfte heraus spielen. Der Glubb hatte nur geringe Probleme den Ball in das Mittelfeld zu bekommen, diesmal bereite der Mannschaft der Übergang in das vordere Drittel Probleme.Was kann man für Erkenntnisse für das Spiel gegen Hamburg mitnehmen? Hamburg unter Slomka spielt, wie eigentlich alle Mannschaften unter Slomka, sehr reaktiven Fußball, gewöhnlich im 4-4-2 und legt keinen großen Wert auf Ballbesitz. Somit war Bremen keine schlechte Übung. Ich vermute jedoch, dass wir in der Mitte etwas mehr Platz haben werden und uns dafür die gegnerischen Stürmer den Spielaufbau schwer machen wollen. Geduld wird in diesem Spiel sehr wichtig sein. Ein weiterer Punkt ist die Personalie Lasogga, der uns bei voller Fitness sicherlich Probleme bereiten kann. Einerseits würde uns die Kopfballstärke eines Nilsson in der Innenverteidigung weiterbringen, andererseits könnte ich mir Petrak, aufgrund der Kombination aus Kopfballstärke und Schnelligkeit, ebenfalls sehr gut als Gegenspieler vorstellen. In jedem Fall wird dieses Spiel in gleicherweise schwierig wie richtungsweisend werden.

Share
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.