18. Spieltag 1. FC Nürnberg – TSG Hoffenheim 4:0

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Beim ersten Sieg der Saison darf natürlich eine Nachbetrachtung nicht ausbleiben. Deswegen in aller Kürze die wichtigsten Punkte zum gestrigen Spiel:

Balleroberung vs. Chancenvereitelung: Über Jahre war das Ziel der Nürnberger Defensivbemühungen das Unterbinden des gegnerischen Spiels sowie das Verhindern von Chancen. Die Balleroberung wurde nicht als Basis des Erzeugens eigener Tor-Möglichkeiten verstanden und entsprechend passiv wurde verteidigt. Seit Verbeek im Amt ist, wird dagegen versucht aktiv den Ball zu erobern und den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Diese Art der Verteidigung ist wesentlich komplexer und erfordert andere Spielertypen: Beispielsweise muss die Innenverteidigung wesentlich schneller sein, da sie viel häufiger in Situationen gerät, in der Angreifer mit Tempo auf die Abwehr laufen. In den Spielen der Hinrunde war zu erkennen, dass diese Verteidigungshaltung noch nicht komplett von den Spielern umgesetzt wurde. Gestern jedoch waren die Fortschritte deutlich erkennbar: Die Balance zwischen Pressing und Zurückziehen ist deutlich besser geworden und dementsprechend die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen geringer. Im Speziellen das Zusammenspiel der Offensivspieler war in der Verteidigung sehr überzeugend. Die Außenstürmer ließen sich zurückfallen, Kiyotake schob auf die Höhe von Ginczek und einer dieser Beiden attackierte jeweils den ballführenden Innenverteidiger, bzw. stellte den Passweg des Innenverteidigers zum defensiven Mittelfeld Hoffenheims, in der Regel war das Rudy, zu und lenkten somit den Aufbau auf die Außenbahn. Sobald hier der gegnerische Außenverteidiger den Ball bekam, spurtete ein Außenstürmer auf ihn zu und setzte ihn unter Druck. Da dadurch der Spielaufbau erschwert wurde, ließen sich die weiter vorne positionierten Mittelfeldspieler Hoffenheims zurückfallen, konnten sich aber bei Erhalt des Balles nie in Richtung des Nürnberger Tores drehen, da sich in ihrem Rücken direkt Frantz und Feulner befanden.

Hier ein paar weitere Aspekte und auch Spieler, die mir zudem besonders positiv aufgefallen sind:

Die Innenverteidigung mit Javier Pinola: Pinola hat, wie bereits gegen Schalke, gezeigt, dass er unsere Innenverteidigung mit Eigenschaften bereichert, die diese ansonsten nicht hat. Er ist nicht der kopfballstärkste Spieler, obgleich auch in dieser Disziplin solide, bringt dafür aber Geschwindigkeit und eine sehr quirlige Zweikampfführung sowie eine gute Spieleröffnung mit sich. Seine Vorstöße aus der Abwehr heraus in das defensive Mittelfeld entlasten Frantz im Spielaufbau, bzw. geben Überzahl im Mittelfeldzentrum. Zwar war seine Passquote ausbaufähig, aber man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass er einige riskante Pässe spielte, die von der Idee her sehr gut waren. Auch seine Ruhe am Ball, bzw. unter Bedrängnis, hat mir sehr gefallen.

Das defensives Mittelfeld mit Mike Frantz: Hierzu brauch man eigentlich gar nicht viel sagen. Frantz spielt mitlerweile beinahe genau so wie ein moderner Sechser spielen muss – meiner Meinung nach im Spielaufbau der beste Sechser seit Galasek und Mnari. Zwar spielt er manchmal noch zu risikobehaftete Bälle, aber insgesamt ist er genau der Spielmacher, der das Spiel aus dem defensiven Zentrum heraus lenken kann. Einzig sein defensiver Beitrag lässt manchmal noch zu wünschen übrig, vor allem, wenn er sich zu weit zurückzieht und seinem Gegenspieler dadurch Schussmöglichkeiten gibt – im Vergleich zur Hinrunde aber hat sich das auch deutlich verbessert, sodass ich insgesamt sehr optimistisch bin. Ich hätte ihm diese Entwicklung nicht zugetraut und kann nur meinen Hut vor dieser Leistung ziehen!

Die Dynamik aus dem Zentrum heraus: Feulner und speziell Kiyotake hatten gestern keine Sahnetage, aber dennoch wussten sie mit intelligenten Ausweichmanövern auf die Außenpositionen zu gefallen, sodass dort, speziell auf der rechten Seite mit dem Trio Chandler, Feulner und Drmic, immer wieder Überzahlsituationen hergestellt werden konnten, bzw. sich den Spielern der Außenbahn Wege in das Zentrum öffneten. Dieses einfache taktische Mittel sorgt für viel mehr Dynamik im Mittelfeld und durch die Bewegung wird der Gegner destabilisiert, bzw. werden Räume erzeugt.

Weitere Aspekte, die einen Einfluss auf das Spiel hatten waren die verbesserte Chancenverwertung, das zurückgewonnene Glück (vgl. das 1:0), so wie schlicht der Umstand, dass das System von Verbeek immer besser umgesetzt wird. Dringenden Verbesserungsbedarf sehe ich auf der linken Offensivseite (Hlousek) und es gilt auch abzuwarten, wie sich Feulner auf Dauer im Zentrum schlägt. Unterm Strich ein hochverdienter Sieg, der hoffentlich die Aufholjagd einleitet und den neunten Abstieg abwendet!

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