Westblick #27: Alles wird gut! (?)

Der Exilfrange gibt einen Blick von Außen auf das Geschehen in Nürnberg

Mein Blick vom tiefen Westen der Republik auf das Geschehen in Nürnberg

Wer in der letzten Woche den Bemühungen des Vereins folgte, der bekam in den Zwischentönen immer wieder die selbe Botschaft: „Nur die Ruhe, alles wird gut! Wir wissen um die Probleme, außerdem bessert sich doch gerade alles.“
Das ging los mit der „Fragen an Martin Bader“-Aktion und den überaus optimistischen Antworten auf die sorgsam ausgewählten (weil leicht zu entkräftigenden) Fragen. Weiter ging es mit Günther Kochs Wohlfühl-Auftritt beim Bayerischen Rundfunk, inklusive Lob auf die „klugen Fans“. Das Kriterium wer klug und wer nicht klug sei war übrigens der Glaube an den Nichtabstieg, ein zu diesem Zeitpunkt absolut nicht vorhersehbares Endresultat einer noch zu spielenden Restsaison.

Ich bin ja durchaus ein ebenfalls optimistisch gestimmter Mensch, erst kürzlich habe ich im Westblick „Zeit für eine Kurskorrektur?“ dafür plädiert, Verbeek mehr Zeit zu geben die Mannschaft zu entwickeln und Martin Bader die Gelegenheit, die Schwachstellen im Kader zumindest abzumildern. Zudem finde ich die Beruhigungstaktik des Vereins nachvollziehbar und grundsätzlich richtig. Panik kann jetzt keiner gebrauchen, Hektik schon gar nicht. Wir brauchen jetzt einen kühlen Kopf, damit die Saison noch gerettet werden kann.

Martin Bader

Martin Bader beantwortete zuletzt einige Fanfragen, leider war die Geschichte sichtlich darauf angelegt, Dinge über Gebühr positiv darzustellen.


Trotzdem schwillt mir bei so viel durchsichtiger Stimmungsmache manchmal der Kamm. Ich fühle mich stellenweise für dumm verkauft. Beginnen wir bei der Fragen-Aktion. Ein Haufen Soft-Balls, die man JHV-Style abbügeln kann. Ein paar selbstkritische Sätze zum Eingang, danach wird der Scheinwerfer auf all die positiven Dinge gerichtet. Darum wundert es mich einerseits nicht, dass beide IGZ-Anfragen (eine war eine Detaillfrage zum Abgang zu Simons und zur anschließenden Kaderplanung, die andere hakte bei der genauen Begründung zur Entlassung Wiesingers nach) nicht beachtet wurden, ich kann das vereinspolitisch/taktisch nachvollziehen. Andererseits aber ist es allzu offensichtliche Propaganda, schließlich sind wir einer vollkommen prekären Situation. Na klar, das waren unangenehme nicklige Spezialfragen, denen man nicht einfach ausweichen konnte. Zudem scheinbar nicht mehr von Bedeutung, da beides ja längst Vergangenheit und damit für die Zukunft zu vernachlässigen. Könnte man meinen. Denn beide Fragen bzw. die Antwort Baders darauf hätten Einblick in die Planungs- und Denkweise des Vereins geben können, weswegen ich ihre Nichtbeachtung mal wieder schade finde. Dazu hat Martin Bader auf die berechtigte Frage zur Jugendarbeit eine Reihe Spieler als Aushängeschilder der Jugendarbeit aufgezählt (unter anderem Gündogan) die erst spät in ihrer Ausbildung zu uns kamen. Deren Wechsel sind in meinen Augen auch weiterhin Erfolge, aber Erfolge des Scoutings, nicht der Jugendarbeit. Gündogan war innerhalb kürzester Zeit gesetzt und auch schon beinahe bundesligatauglich (wenn auch fern des jetzigen Glanzes, den man beim BVB an ihm hervorbrachte), der Ausbildungsanteil in der Jugend verschwindend. Hier werden Fakten zurechtgebogen, um ein Produkt positiv darzustellen, weils ja eh schon keiner merken wird. Da sage ich entschieden: Falsch! Es wird bemerkt und die Nummer zieht ganz und gar nicht!
Frei nach YABASTA muss ich daher leider so hart formulieren: „Der Vorstand antwortet, aber er antwortet nicht mit Herz“.

Günther Koch

Günther Koch wurde durchs Mikro zur Legende, heute möchte man ihm manchmal nahelegen, es doch wegzulegen, zumindest in seiner Funktion als Aufsichtsrat.

Dann die Auftritte einiger ARs. Erst Manfred Müller, der in der Halbzeit des Mainzspiels über einen möglichen Zugang auf der 6er Position auf Sky erzählt, dann Günther Koch in Reinkultur (Der Beitrag ist leider nicht mehr in der Mediathek des BRs). Ich meine, einerseits war der Auftritt schon wieder zum Gernhaben. Der Mann kann einfach nicht anders, wenn er die Bühne sieht, dann nutzt er sie auch. Und der arme Medienkollege (Moderator) kam kaum zu Wort, als GüKo zum Färben in allen Rosatönen ansetzte. Ich war hin und hergerissen zwischen Entsetzen und Begeisterung. Aber auch hier war es unterm Strich einfach zu durchsichtig. Kein schlechtes Haar (falls es diesen Ausdruck gibt) durfte da am Glubb verbleiben, dabei gäbe es trotz vieler positiver Tendenzen so viel, was man zu Recht ansprechen dürfte und müsste und das nicht erst nach dem immer noch nachhallenden 3:3 vom Samstag. Liebe AR-Mitglieder: Mir wäre es viel lieber, ihr würdet euch auf eure Kernaufgaben konzentrieren, das heißt kontrollieren und beraten und das Ganze öffentlichkeitsfern. Sprachrohre haben wir im Verein doch wirklich genug und Leute die sich zu möglichen Transfers äußern, auch. Natürlich, das war beides fern von der Nummer, die Klaus Schramm mit Christian Gross vor einiger Zeit ablieferte, ich will das gar nicht überdramatisieren. Aber warum nur muss sich der AR bei uns jetzt bereits wieder in Szene setzen? Das ist nicht die Aufgabe des Aufsichtsrats, es ist vielmehr (so weit gehe ich) der Missbrauch des Amtes zur Selbstdarstellung. Und das ist mit einer der Gründe, warum auf dieser Plattform eher unauffällige Typen wie Ehrenberg oder Peisl unterstützt werden im Wahlkampf. Weil deren Amtsführung nämlich in diesen Dingen um Längen professioneller daherkommt.

Neue HP

Die Homepage zeigt sich endlich zeitgemäß auf Augenhöhe zur Konkurrenz. Der Mannschaft gelingt dies derzeit leider nur spielerisch, nicht ergebnistechnisch.


Fast zur Randnotiz verkommt angesichts dessen das ebenso gnadenlos geschönte/ghostwritergefärbte Interview mit Marek Mintal. Da wird aus einer überfälligen Homepagemodernisierung der Startschuss in eine neue Zeit und natürlich wird wieder betont wie sehr alles voran geht. Das Interview hätte mich sonst wohl kaum gejuckt, aber im Gesamtkontext führt halt auch das zu weiterem Augenrollen. Lieber FCN: Wir verkraften durchaus eine harte und schonungslose Selbstanalyse. Das macht uns nicht weniger treu oder entschlossen, den Weg bis zum bitteren Ende mitzugehen, im Gegenteil, wir fühlen uns ernst genommen und nicht als ewige Schwarzmaler (oder nicht klug) abgetan. Ihr müsst uns nicht eine Situation schönfärben, die nicht schönzufärben ist.

Der Kader wurde falsch zusammengestellt, jede Auswechslung bedeutet momentan eine signifikante Schwächung der Elf auf dem Rasen. Die Innenverteidigung ist für die neue, höhere Verteidigungslinie zu langsam. Mike Frantz ist kein 6er, so redlich er sich auch müht und so gut er es phasenweise macht, immer wieder zeigt sich, das wir an gleicher Stelle eigentlich einen antizipierenden Stabilisator bräuchten. Dazu die linke Außenbahn, die mit Hlousek und Esswein keinesfalls tauglich besetzt ist. Unterm Strich heißt das viel Nachbesserungsbedarf und damit auch ein schlechtes Zeugnis für die Sommertransfers (und auch die vorhergegangenen Transferphasen), wo eigentlich für unsere Verhältnisse viel Geld ausgegeben wurde. Nicht, dass Drmic und Ginczek Fehleinkäufe wären, aber noch immer gibt es Baustellen ohne Ende. Dazu ging man mit einem Trainergespann in die Saison, dass die eigenen Ansprüche nicht umsetzen konnte. Und zu guter letzt greifen Verbeeks Umstellungen zwar, aber wir haben momentan eine echte Ergebniskrise (anders als zu Wiesingers Entlassungszeitpunkt) und der Frankfurter Sieg bedeutet Überwintern maximal auf dem Relegationsplatz.

Die Mischung aus Optimismus und Selbstkritik ist schwierig zu treffen, das weiß ich. Aber wirklich gelungen finde ich sie bis hierher nicht. Mut zur Ehrlichkeit lieber FCN, dann wird vielleicht wirklich alles gut!

Bildquellen: fcn.de
Die HP Umstellung des FCN hat viele der Bildlinks in unseren Artikeln ungültig werden lassen. Wir bitten das zu entschuldigen.

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Ein Kommentar zu Westblick #27: Alles wird gut! (?)

  1. Nachtgieger sagt:

    Eine Krise hat die (un)angenehme Eigenschaft gnadenlos den Fokus auf die Dinge zu legen, die am Schlimmsten im Argen liegen.
    Deshalb stimme ich dir bezüglich der sportl. Leitung unseres Vereins vollkommen zu. Für meinen Geschmack wurden hier deutlich zu viele, sehr grobe, Fehler gemacht.
    Ein „Weiter so“ darf es nicht geben – egal wie die Saison endet.
    Wir müssen die Chance die uns diese Krise bietet nutzen und uns bzgl. Organisation und sportl. Kompetenz deutlich besser aufstellen.
    Ebenso stimme ich dir zu, das der AR jetzt stark, in der Arbeit nach Innen, gefordert ist.
    Wo sind denn unsere erfahrenen Wirtschaftsprofis dort?
    Seht ihr denn nicht, dass unsere jetzige Org.struktur absolut unprofessionell ist?
    Seht ihr denn nicht, das unser SportVorstand deutlich zu viele Fehler macht?
    Analysiert ihr denn nicht warum das so ist?
    Kann er es nicht besser oder ist er schlichtweg bzgl. Arbeitsumfang überfordert?
    Habt ihr überhaupt eine Planung bzgl. sportl. Entwicklung und hinterfragt ihr diese regelmäßig?
    Habt ihr Ziele def. fürs NLZ?
    Wieso stagniert die Mitgliederzahl des Vereins?
    Wo ist eine pfiffige Mitgliederwerbung?

    Ich könnte noch Stunden so weitermachen.

    Bei mir, Außensicht, herrscht das Gefühl vor, dass unsere sportl. Planung und Ausrichtung eher einem Zufallsprodukt gleicht als einer strat. Planung.
    Ich sehe viel Flickwerk.
    Wenn wir wirklich dauerhaft in der BL bleiben wollen, müssen wir deutlich professioneller werden.
    Wir haben massiven Nachholbedarf bzgl.:
    Sport, Organisation, Marketing, und PR/Außendarstellung

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