13. Spietag: 1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 1:1

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Das Spiel gegen den VfL Wolfsburg war aus unterschiedlicher Sicht eine sehr interessante Partie und der ehemalige Trainer des Ruhmreichen und jetzige Trainer der Wölfe, Dieter Hecking, trug seinen Beitrag dazu bei. Er kennt seine ehemalige Mannschaft wie kaum ein Zweiter und nach seinem unrühmlichen Abgang im vergangen Winter, sollte es auch nicht an Motivation im Lager des 1. FC Nürnberg fehlen. Aber auch aus taktischer Sicht war einiges geboten und der Einfluss beider Trainer auf die Partie war deutlich zu spüren.

Ich gebe zu, dass ich mich mit dem VfL Wolfsburg in dieser Saison nur sehr wenig auseinandergesetzt habe und etwas überrascht war, als ich Diego auf der rechten Außenbahn erblickte. Dies ist jedoch nachvollziehbar, da Dieter Hecking ähnliche Varianten bereits mit Kiyotake praktizierte. Im gestrigen Spiel lag er mit dieser Variante goldrichtig und bereitete dem Glubb enorme Probleme.

Gertjan Verbeek wählte wie in den vergangenen Wochen ein 4-1-4-1 und wollte das Mittelfeld kompakt gestalten. Dazu rückten die offensiven Außenbahnspieler Feulner und Hlousek bei gegnerischem Ballbesitz sehr weit ein und machten die Mitte dicht. Frantz kümmerte sich um Arnold, Hasebe um Medojevic, Kioytake um Gustavo und Drmic lief die Innenverteidigung bogenförmig an um den Spielaufbau auf die Außenverteidiger zu lenken und dort den Ball zu erobern. Die Positionierungen von Diego und Rodriguez machten Gertjan Verbeek jedoch einen Strich durch die Rechnung: Diego hatte keinen direkten Gegenspieler. Teilweise wurde er von Plattenhardt bearbeitet, dann wieder übernahm ihn Hlousek, Frantz zog es auch heraus und nicht selten fühlte sich niemand zuständig. Vor allem das Zusammenspiel von Plattenhardt und Hlousek fiel sehr negativ auf und häufig orientierten sich beide irgendwie an ihm, ohne wirklich am Mann zu sein. Dies eröffnete unglaubliche Räume auf der rechten Außenbahn in die Ochs mit sehr viel Schwung stoßen konnte. Häufig eröffnete Wolfsburg über Knoche und Drmic lenkte das Spiel auf Rodriguez, der durch den eingerückten Feulner und seiner eigenen tiefen Positionierung sehr viel Platz hatte um das Spiel auf den durchstartenden Ochs zu verlagern. Funktionierte dies, standen Hlousek und Plattenhardt, auch durch die Bewegungen Diegos, sehr eingerückt und Ochs war zu frei – teilweise musste in diesen Situationen sogar Pogatetz herausrücken. Besonders gefährlich wurde es dann, wenn der Ball auf Diego gespielt wurde, Frantz heraus rücken musste und Arnold auf einmal ungedeckt war – so ging der VfL Wolfsburg auch in Führung.

Die Seitenverlagerungen Wolfsburgs.

Die Mittelfeldpärchen Frantz-Arnold, Hasebe-Medojevic und Kiyotake-Gustavo sorgen für ausgeglichene Verhältnisse. Die Bewegung von Diego und dessen Spiel zwischen seinen Bewachern ergeben eine 4 VS 3 Überzahl Wolfsburgs und eine Öffnung der linken Abwehrseite des Glubbs. Die Verlagerungen von Rodriguez, ermöglicht durch die zentrale Positionierung Feulners, stellen Plattenhardt 1 VS 1 gegen Ochs und Frantz 1 VS 2 gegen Arnold und Diego. Pässe sind mit weißen, gestrichelten Linien dargestellt. Zuordnungen mit roten Linien. Bewegungen mit Pfeilen der entsprechenden Teamfarbe. Räume mit blauen Ellipsen.

Die eingerückte Positionierung Feulners ermöglichte Rodriguez aber auch den einfachen Pass in Richtung Perisic – glücklicherweise hatte Chandler diesen aber gut in Griff!

Einfache Pässe auf Perisic.

Die Mittelfeldpärchen Frantz-Arnold, Hasebe-Medojevic und Kiyotake-Gustavo sorgen für ausgeglichene Verhältnisse. Die Bewegung von Diego und dessen Spiel zwischen seinen Bewachern ergeben eine 4 VS 3 Überzahl Wolfsburgs und eine Öffnung der linken Abwehrseite des Glubbs. Feulners zentrale Positionierung erlaubt einfache Pässe auf Perisic, der gut von Chandler bearbeitet wird. Chandler verfolgt Perisic in das Zentrum und verhindert eine 1 VS 3 Überzahl von Frantz gegen Perisic, Arnold und Diego. Pässe sind mit weißen, gestrichelten Linien dargestellt. Zuordnungen mit roten Linien. Bewegungen mit Pfeilen der entsprechenden Teamfarbe. Räume mit blauen Ellipsen.

Meiner Meinung nach hätte sich Feulner breiter positionieren müssen um Rodriguez besser unter Druck setzen zu können. Die Kontrolle, die der Ruhmreiche auf das Mittelfeld der Wölfe ausübte, war mehr als in Ordnung, aber dabei wurde Rodriguez vergessen und ein Spieler seiner Qualität, noch dazu für seine Spielverlagerungen bekannt, nimmt solche Geschenke dankbar an. Die Hereinnahme von Mak und dessen offensivere Interpretation der Position, bestärken mich in dieser Idee, denn dadurch war Rodriguez mehr in der Defensive gebunden. Diese Maßnahme Gertjan Verbeeks führte dazu, dass das Spiel abrupt kippte und der Glubb in der Schlussphase tonangebend war. Was nach wie vor blieb war das miserable Zusammenspiel von Plattenhardt und Hlousek. Beide sprachen sich bei der Bewachung Diegos überhaupt nicht ab und auch in der Offensive war das Zusammenspiel alles andere als harmonisch. Dadurch, dass Diego auch in der Defensive zentral orientiert war hatten beide viele Freiräume auf links, speziell Hlousek aber fiel vor allem durch Ballverluste und Schläfrigkeit auf.

Ansonsten fiel auf, dass im Vergleich zu den vorherigen Spielen das Pressung milder ausfiel. Nur selten wurde die Abwehrreihe des VfL Wolfsburg von mehreren Spielern unter Druck gesetzt, vor allem dann wenn sich Gustavo zurückfallen ließ und man einen hohen Ball erzwingen wollte. Frantz wusste im defensiven Mittelfeld durchaus zu gefallen und speziell seine tiefe Positionierung im Spielaufbau, sei es in der Mitte zwischen der Innenverteidigung oder abkippend hinter Plattenhardt, wusste zu gefallen. In der Defensive aber würde ein defensiv-orientierter Spieler an seiner Seite nicht schaden, denn hier verhält er sich nicht immer klug, die doppelte Betreuung von Arnold und Diego war aber auch nur schwer zu bewerkstelligen. Was mir nicht gefällt ist die Tatsache, dass wir in den vergangen Spielen zu viele Distanzschüsse zulassen, da häufig nach Überwindung der ersten „Pressinghürde“ der Druck auf den ballführenden Spieler fehlt. Hasebe und Kiyotake müssen in solchen Situationen einfach schneller mit zurück, ansonsten sind die Lücken zu groß und die Abwehr wird vor kaum lösbare Probleme gestellt.

Die Nürnberger Pressingversuche.

Wenn sich Gustavo zwischen die Innenverteidigung fallen ließ und den Ball bekommt, rückt Kiyotake nach und setzte den Brasilianer unter Druck. Hasebe startet in Richtung Benaglio durch und setzt ihn unter Druck, die gesamte Glubb-Mannschaft rückt auf und versucht den erzwungenen Abschlag durch Überzahl an der Mittelinie zu erobern um einen Gegenangriff zu starten. Pässe sind mit weißen, gestrichelten Linien dargestellt. Zuordnungen mit roten Linien. Bewegungen mit Pfeilen der entsprechenden Teamfarbe. Räume mit blauen Ellipsen.

Im Spielaufbau wurde viel richtig gemacht, speziell aber Nilsson zeigte, dass der eröffnende Pass nicht unbedingt zu seinen Stärken gehört. Auf diese Weise kam es durch Fehlpässe aus der Abwehr heraus zu manch gefährlicher Situation durch die schnell-umschaltenden Wölfe. Vielleicht kann hier auf lange Sicht Niklas Stark für Abhilfe sorgen. Ärgerlich war auch, wie Konter teilweise leichtfertig vergeben wurden, so etwa als Hasebe in der Schlussphase auf die Abwehr der Gäste zulief und es selbst versuchte anstatt auf den mitlaufenden Hlousek zu legen, der den Ball dann leicht hätte in die Gefahrenzone bringen können.

Unterm Strich bleibt ein glücklicher Punktgewinn und wir hätten uns auch über einen höheren Rückstand zur Pause nicht beschweren dürfen. Gertjan Verbeek reagierte aber, sehr, bzw. vielleicht zu spät, mit der Hereinnahme von Mak und immerhin reichte es auf diese Weise, auch dank der Energieleistung von Ginczek, noch zu einem Punkt. Dass dieser eigentlich zu wenig ist brauche ich dem geneigten Glubb-Fan nicht zu erzählen und so bleibt vor allem die Hoffnung, dass der Rückstand bis zur Winterpause nicht zu groß wird und der Ruhmreiche in der Rückrunde die nötigen Punkte einfährt.
Pässe sind mit weißen, gestrichelten Linien dargestellt. Zuordnungen mit roten Linien. Bewegungen mit Pfeilen der entsprechenden Teamfarbe. Räume mit blauen Ellipsen.

 

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2 Kommentare zu 13. Spietag: 1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 1:1

  1. Nachtgieger sagt:

    Freue mich immer auf deine Analysen – super und danke!
    Wie lange sitzt du eigentlich im Durchschnitt an so einem Teil?

    • Chaos sagt:

      Danke für die Blumen. Das hängt stark vom Umfang ab – die letzten ca. 1h, die heutige, mit den GIFs und einiger Vorarbeit zusammen ca. 4-5h.

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