Die Lehren aus Gladbach?

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Es fällt schwer die vergangenen drei Wochen in Worte zu fassen und vielleicht ist es gerade deshalb sinnvoll mit einem Rückblick zu beginnen. Ich behaupte, dass wir, in der Zeit nach dem Pokalsieg, mit Ausnahme einer kurzen Phase unter Dieter Hecking, wirklich Grauenhaftes auf dem Platz geboten bekommen haben. Vor ein paar Monaten habe ich in den „Ansichten eines Zeitreisenden“ geäußert, dass ein Großteil der sportlichen Entwicklungen einen weiten Bogen um Nürnberg machte. Jetzt haben wir mit Gertjan Verbeek einen Trainer, der innerhalb von drei Wochen die Versäumnisse von fünf Jahren nachgeholt hat und seit Hans Meyer der erste Trainer ist, der den Fußball ganzheitlich versteht: Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat er ein Konzept das Verteidigung und Angriff umfasst und dessen Früchte nach kurzer Zeit zu sehen sind und jetzt nur noch in Form von Punkten eingefahren werden müssen.

Ich war immer der Meinung, dass mit unserer Mannschaft mehr möglich ist – doch wie viel tatsächlich möglich ist, dass hätte ich mir nicht träumen lassen: Innerhalb von drei Wochen lässt Gertjan Verbeek den attraktivsten und dominantesten Fußball seit der Pokalsiegersaison spielen und nur unfassbares Pech, bzw. eine miserable Chancenverwertung führen dazu, dass sich der Gegner, ähnlich wie der Glubb in der vergangenen Rückrunde unter Michael Wiesinger fragt, „Wie zum Teufel konnten wir aus diesem Spiel mit drei Punkten gehen?“. In meinen Artikel „Das Scheitern als Konzept“ habe ich eine Erklärung dafür gesucht, warum Michael Wiesinger gescheitert ist. Schlussendlich war ich der Meinung, dass es auch jeden anderen Trainer hätte treffen können und sich Wiesinger in diesem sportlichen Umfeld, welches durch eine sehr knappe Kalkulation auffällt, nicht besonders gut angestellt hat, aber man ihm auch nicht zu große Vorwürfe machen könne. Von außen fällt es immer schwer das wahre spielerische Können einer Mannschaft einzuschätzen, jetzt aber, nach drei Spielen unter Gertjan Verbeek, muss ich diese Aussage korrigieren: In einer zugegebenermaßen schwierigen Situation, hat Michael Wiesinger das denkbar schlechteste gemacht und den Karren immer weiter in den Dreck gefahren.

Diese Worte klingen hart und es schmerzt sie gegen einen Glubberer richten zu müssen, aber diejenigen, die eine Entlassung Michael Wiesingers bereits zu Beginn der Saison gefordert haben, erfahren durch die jetzigen spielerischen Verbesserungen eine nachträgliche Legitimation. Sollten wir in dieser Saison absteigen, wovon ich nach wie vor nicht ausgehe, da ich an die Qualität der Mannschaft glaube, dann nicht zuletzt aufgrund der leichtfertig vergebenen Punkte gegen Mannschaften wie Augsburg und Braunschweig – und daran trägt Michael Wiesinger seine Mitschuld!

Obwohl sich in den letzten Wochen die Tabellensituation verschärfte, hat sich etwas im Glubb-Umfeld zum Positiven verändert. Der Glaube ist zurück. Die Resignation, welche nach dem Debakel gegen Hamburg bei den Fans zu spüren war, wich dem Trotz: Mit geschlossenen „FCN!, FCN!, FCN!“-Rufen wurde die Mannschaft nach Freiburg aufgebaut und auch die Bilder nach dem Gladbach-Spiel sprechen eine deutliche Sprache: Die Fans stehen hinter der Mannschaft!

Und dennoch muss ich an dieser Stelle noch einmal Kritik äußern, an der Art und Weise, wie beim Ruhmreichen die sportliche Lage analysiert wurde und wird: Michael Wiesinger hätte früher entlassen werden müssen, denn das, was auf dem Spielfeld zu sehen war, sprach eine deutliche Sprache und dennoch führte, laut Martin Bader, erst die „Ergebniskrise“ zur Entlassung Michael Wiesingers, denn mit seiner grundsätzlichen Arbeit sei man zufrieden gewesen. Ich frage mich, wie man bei dieser Sicht der Dinge frühzeitig auf sportliche Fehlentwicklungen reagieren möchte? Selbst Armin Reutershahn wies in einem Interview darauf hin, dass er sich, zusammen mit Michael Wiesinger, einiges vorgenommen hatte, sie ihr Konzept jedoch nicht umsetzen konnten. Braucht es wirklich erst eine Ergebniskrise damit die Verantwortlichen im Verein aufwachen? Um es etwas anders auszudrücken: Wir müssten Gertjan Verbeek schnellstmöglich entlassen, wenn es wirklich nur um das Ergebnis geht! Aber so einfach ist es zum Glück nicht: Unter Michael Wiesinger hatten wir eine Systemkrise, eine Krise in der konzeptionellen Arbeit, die schließlich in einer Ergebniskrise mündet – das ist deutlich schlimmer als das alleinige Ausbleiben von Ergebnissen, denn diese kommen von alleine, sobald die Arbeit auf dem Platz stimmt.

Um es zu konkretisieren: Sollten wir absteigen, und ich kann nur noch einmal mantraartig wiederholen, dass ich das nicht glaube, da ich von der Qualität der Mannschaft und von ihrem Trainer Gertjan Verbeek überzeugt bin, sollten Sportdirektor Martin Bader und der Aufsichtsrat besser eine vernünftige Antwort für ihr zögerliches Handeln, bzw. der völligen Fehleinschätzung der Lage bereit halten. Einen erneuten „Betriebsunfall“ wird das Glubb-Umfeld nicht so leicht akzeptieren wie nach dem Pokalsieg. Ich halte Martin Bader für einen guten Sportdirektor, der zum Beispiel auch in der Personalie Gertjan Verbeek seine gute Kenntnis des Fußball-Geschäftes beweist, aber beispielsweise auch mit dem Aufgabengebiet Öffentlichkeitsarbeit betraut ist. Ich würde mir beim Glubb noch jemanden zwischen den Trainern und dem Sportdirektor wünschen, einen technischen Direktor, bei dem Profibereich, 2. Mannschaft und Jugendarbeit, sowie Scouting zusammenlaufen und der direkt Martin Bader zuarbeitet. Vielleicht würden dann auch Fehleinschätzungen, wie bei der Personalie Simons vor der Saison (Martin Bader im Kicker: „Soll ich jetzt Angst vor dem Abstieg haben, weil ein 36-Jähriger gegangen ist?“), seltener werden.

Ja, gestern wurde auch gespielt. Eine Analyse ist überflüssig, da die Jungs von www.spielverlagerung.de bereits exzellente Arbeit verrichtet haben. Ich kann jedem Fußballbegeisterten den Artikel „Borussia M’gladbach – 1. FC Nürnberg 3:1“ nur weiterempfehlen. Für alle anderen die Kurzfassung: Das gestrige Spiel war ähnlich dem Spiel gegen Freiburg, mit deutlich verbessertem Angriffspressing, ähnlichen kleinen Abwehrfehlern und noch viel mehr Pech.

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Ein Kommentar zu Die Lehren aus Gladbach?

  1. 100% Zustimmung!
    Bereits im Rahmen der Satzungsänderung habe ich vor wenigen Jahren an der JHV den Antrag gestellt zu Bader und Woy eine 3. Person in den Vorstand zu berufen.
    Dies wäre keine Schwächung sondern Stärkung von Bader der auch viel Gutes macht.
    Das wurde aber zu 90% abgelehnt.
    Zu Verbeek: Im Grunde ist es sensationell, dass man in so kurzer Zeit so deutlich seine Handschrift erkennt. Das jetzige Auftreten MUSS sich einfach auszahlen…

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