Das Scheitern als Konzept

Chaotische Meinungsmache

Chaotische Meinungsmache

Der schlechteste Saisonstart seit über einem Vierteljahrhundert. Fünf Punkte aus acht Spielen. Kein Sieg. Der Relegationsplatz. Ein Heimdebakel gegen den Hamburger SV. Ist dass der „Glubb 2013“?

Nein! Vielmehr ist es die Konsequenz einer Kalkulierung auf Spitz und Knopf: Das Scheitern von Michael Wiesinger ist das Scheitern der wahnwitzigen, rund um den Ruhmreichen jedoch populären Idee, das aufkommende Probleme durch die Bank durch „interne Lösungen“ – mittlerweile wohl als feststehender Begriff in den Nürnberger Sprachgebrauch aufgenommen – adressiert werden können. Michael Wiesinger ist dabei das letzte Glied in einer ganzen Kette von Fehlern, die lange vor seiner Berufung als Cheftrainer begangen wurden: Seit Jahren bestreitet der Verein, der doch ach so gerne an den spielerischen Glanz seiner ruhmreichen Vergangenheit anschließen möchte, sein Spiel auf Basis der Verneinung des Gegners. Michael Wiesinger hatte Visionen, er wollte eine andere Mannschaft auf dem Platz sehen, eine Mannschaft die das Heft des Handelns in die Hand nimmt und sich von der Reaktivität löst, die vielleicht den Status Quo sichert, aber jede höhere Ambition im Keim erstickt. Als Ziel wurde ausgegeben höher zu verteidigen, den Gegner zu jagen, ihn zu überrumpeln und zum Abschluss zu kommen. Von den guten Ansätzen war aber nach wenigen Spielen nicht mehr viel zu sehen. Michael Wiesinger schaffte es nicht die festgefahrenen Strukturen zu lösen, die sich in den letzten Jahren etabliert hatten. Als dann mit Timmy Simons ein Spieler ging, der im Positiven wie Negativen wie kaum ein anderer dieses System verkörperte, brach das Kartenhaus zusammen:

Michael Wiesinger trägt nicht die alleinige Schuld am Zustand des Ruhmreichen. Mit dem Ritt auf der Rasierklinge, den der 1. FC Nürnberg seit Jahren praktiziert, war das Scheitern vorherprogrammiert. Ich bin fest überzeugt davon, dass auch Dieter Hecking, der mit seinem verneinenden Fußball einer der Grundlagen eben dieses Scheiterns legte, früher oder später in eine ähnliche Situation gekommen wäre.

Wiesinger

Das wars. Der Club trennt sich nach etwa 9 Monaten von Michael Wiesinger

Michael Wiesinger aber muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass er seine eigenen Ideen nicht durchsetzte, bzw. nicht vermitteln konnte, und dann auf das Heckingsche‘ System vertraute, hinter dem er nicht stand und dessen Halbwertszeit längst überschritten war. In Verbindung mit offensichtlichen taktischen Fehlern und einer seltsamen Personalpolitik legte er damit das Fundament seines Scheiterns. Die zahlreichen Umstellungen, Rochaden, die Suspendierung Balitschs und auch der Kurz-vor-knapp-Transfer Hasebes zeigen vor allem eines sehr deutlich: Michael Wiesinger hat nichts unversucht gelassen um das Blatt zu wenden und ist doch gescheitert, mit dem Latein am Ende.

Es schmerzt dies über Wiesinger schreiben zu müssen. Wer wünscht sich nicht einen Trainer, der von sich sagen kann, dass er ein echter Glubberer ist? Doch die letzten Wochen – was schreibe ich, Monate! – konnten nicht ignoriert werden. Zu planlos, zu strukturlos und zu hilflos präsentierte sich die Mannschaft.

Ich hoffe, dass die Verantwortlichen beim Ruhmreichen erkennen, das nicht immer der Weg, der am einfachsten aussieht, auch tatsächlich der einfachste ist. Jahr für Jahr gibt man unterschiedlichsten Trainern ein neues Hochrisikoprojekt in die Hände und hofft, dass diese dies irgendwie „wuppen.“ Das Scheitern als Konzept – das ist der wahre „Glubb 2013“!

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6 Kommentare zu Das Scheitern als Konzept

  1. Alabama sagt:

    Seltsame Sichtweise, stark verzerrt durch die Glubb-Brille. Wiesinger wirkte von Anfang an unsouverän, planlos, ein Möchtegern-Konzepttrainer ohne wirkliches Konzept, ein Dampfplauderer im Westentaschenformat.
    Die Behauptung, daß Hecking mit _verneinendem_Fußball_ das Fundament für Wiesingers Scheitern gelegt haben soll, bleibt ohne jegliches Argumente und müffelt nach schwer gekränkter Fanseele, weil DH es gewagt hat, selbst über sein Schicksal zu entscheiden und dem Traditions-Glubb den Rücken zuzudrehen, um bei einem in Glubb-Augen unwürdigen Verein anzuheuern .

    • Exilfrange sagt:

      Du hast das Argument einfach überlesen und dazu den Artikel noch missverstanden. Wiesinger stellte in den ersten Spielen um und erklärte auch auf allen PKs, eine andere Fußballphilosophie zu verfolgen. Dann aber stellte er auf die Vorgängertaktik um. Damit legte Wiesinger selbst das Fundament zum Scheitern, nicht Hecking. Der war ja schon weg. Hier fehlte es einfach an Mut, wirklich etwas Neues zu bgeinnen.

  2. Michael sagt:

    Das trifft es schon punktgenau, allerdings muss man Bader ganz klar den Rücken stärken, er hat von anfang an klar gesagt, er würde, wenn nötig , auf jeder Position nachlegen. Ob nun die Ersatzbank von Wolfsburg die richtigen Kandidaten hatte, um den Club punktuell zu verstärken, sei dahingestellt. Nur, wie schon richtig geschrieben, wer nach 8 Spieltagen immer noch kein System gefunden hat, dem muss man zumindest taktisch Unzulänglichkeiten unterstellen. Allerdings vergißt man bei diesem Kommentar, das die Zielrichtung darin bestand, junge Spieler an die Bundesliga heranzuführen. das man jetzt wieder in alte Muster verfällt und auf Spieler setzt, die ihren Zenit überschritten haben, kann man auch Bader vorhalten.

    • Jo Meier sagt:

      Der Grund des Scheiterns liegt darin, dass man nicht mal Geld in die Hand nimmt und richtig einkauft. Götze oder Tiago wären möglich. Ich verstehe einfach nicht, warum man da nicht einfach mitbietet.

  3. fortunecookie sagt:

    Vielleicht haben wir aber auch einfach zu selten Spieler die wirklich offensiv können ? Auch unter Oenning wollte man offensiver sein. Oder wir haben zu viele Spieler die nur unter knurrenden Hunden bereit sind, die taktischen Vorgaben des Trainers umzusetzen. Und bei allem werde ich nicht das dumpfe Gefühl los, dass A. Reutershahn wesentlich mehr zu der Situation beigetragen hat, als nach außen dargestellt wird. Deine berechtigten Einwände jedoch lass ich voll ganz gelten, denn wer vorne steht, den muss es (leider9 treffen:

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