Ralf Peisl im Interview

Die Jahreshauptversammlung rückt in greifbare Nähe. Wir möchten alle Mitglieder an dieser Stelle nochmals einladen, am kommenden Montag, den 14.10.2013 gegen 18.30 in die Meistersingerhalle zu strömen und insbesondere an der diesjährigen Aufsichtsratswahl teilzunehmen.
Im IGZ-Interview stellt sich Fanvertreter Ralf Peisl heute diesbezüglich unseren Fragen.

Ralf Peisl

IGZ:Hallo Ralf, vielen Dank dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Könntest du dich für die Neumitglieder vielleicht noch einmal kurz vorstellen?

Ralf Peisl: Ich bin 37, verheiratet, zwei Kinder, von Beruf Rechtsanwalt. Doch schon recht lang Glubbfan. Bei mir war es tatsächlich so, dass ich irgendwann als ganz kleiner Bub mit meinem Vater und meiner Mutter am Dutzendteich spazieren war und mich für den Lärm interessierte, der da von diesem seltsamen Gebäude herdrang. Mein Vater ordnete dann an, dass er und ich spontan ein Glubbspiel, das bereits lief, im Städtischen Stadion (damals hieß es noch nicht Max-Morlock-Stadion) besuchten. Unser Verein spielte gegen einen mit Milchflaschen auf dem Trikot.

IGZ: Viele kennen dich über die Rot-schwarze-Hilfe, eine Rechtsvertretung für Fußballfans, die im Rahmen eines Spieltages in rechtliche Schwierigkeiten geraten sind. Mancher legt dies als Parteinahme für Gewalttäter aus. Wie oft bist du mit derartigen Vorwürfen konfrontiert? Was antwortest du und hat es mittlerweile vielleicht auch ein gewisses Umdenken gegeben?

Ralf Peisl: Letzteres glaube ich schon zu erkennen. Nicht nur seitens des Vereins, auch von anderen Stellen bekomme ich immer wieder und öfter die Bestätigung, dass die meisten Menschen eben doch verstehen, was ein Anwalt von Beruf tut. Es kommt ja wohl auch keiner auf die Idee, mir zu unterstellen, dass ich Tötungsdelikte, die auch zu meinem Beruf gehören, gutheißen würde. Parteinahme ist der Beruf des Anwalts. Wenn ich Chirurg wäre, würde vermutlich keiner auf die absurde Idee kommen, mir vorzuwerfen, dass ich verletzte Beteiligte einer Schlägerei zusammenflicke. Im Übrigen nehme ich kein Blatt vor den Mund. Ich sage meinen Mandanten durchaus einmal, dass ich ihr Verhalten nicht gut finde, bevor wir zur Sacharbeit übergehen. Außerdem halten sich Mandate in Sachen Gewalt beim Fußball ohnehin sehr in Grenzen. Wie auch insgesamt die “Fußball-Sachen” bei weitem nicht den Hauptteil meiner Arbeit darstellen. Zum Glück!

IGZ: Mittlerweile ist auch ein zweiter „Fan-AR“ gewählt worden, bist du froh über die Verstärkung?

Ralf Peisl: Na freilich. Chris Ehrenberg ist zwar ein völlig anderer Mensch als ich, aber wir verstehen uns prima. Er hat seine Stärken auch eher im Sektor Zahlen, sprich Bilanzen lesen und dergleichen.
Bei neun Menschen im Aufsichtsrat darf man ohne allzu dreist zu sein, schon zwei Leute haben, die nicht auf der Haupttribüne zu Hause sind. Die ist stark genug vertreten.

IGZ: Heißt das, dass ihr einen Block innerhalb des Aufsichtsrates bildet?

Ralf Peisl: Nö, sicher nicht. Wir sind denkende Menschen und Chris Ehrenberg und ich sind wie alle im AR nicht zu jedem Thema immer der gleichen Meinung.

IGZ: Warum braucht es auch in Zukunft Fanvertreter in diesem Gremium?

Ralf Peisl: Damit der im modernen Fußball engagierte Verein 1. FC Nürnberg einen Anker bei den Wurzeln hat und nicht zum Spielball von VIPs oder Scheichs wird. Ich habe den Fans und Mitgliedern bei meiner Wahl versprochen, dass ihre Stimme im AR gehört werden wird. Diese Interessen der Kurven/Gegengerade zur Frage der Einführung z.B. einer Paycard können von gecaterten Logen-Nadelstreifis eben kaum verstanden und noch weniger zur Durchsetzung gebracht werden. Die verstehen auch nicht, warum man bloß keinen Zwanni für nen Steher zahlen kann oder will, wo man doch so eine „tolle Gegenleistung“ bekommt (Zitat eines HT-AR). Genau diese Lücke können Fanvertreter ausfüllen und damit wertvolle Arbeit für Verein und Fans leisten.

IGZ: Was entgegnest du Kritikern, die sich eher Fußballfachmänner oder Finanzexperten wünschen als Fanvertreter?

Ralf Peisl: Nachdem der AR nur eine kontrollierende Funktion hat, braucht es die da drin eigentlich auch nur eingeschränkt. Außerdem haben wir die doch. Das Problem ist, dass viele dieses Ehrenamt als Chance sehen, sich ein Pfauenrad um den Kopf zu binden. Das ist doch der Grund. Was soll denn ein “Finanzexperte” Herrn Woy sagen? Und: ein Fußballfachmann im AR? Sollten die Fachleute ihre Sachkompetenz nicht anderweitig ehrenamtlich zur Verfügung stellen? Wenn jemand sportlich wirklich super Ahnung hat, kann er doch ehrenamtlich als Scout rausgehen und Herrn Bader Tipps geben. Der ist sicher der Letzte, der sich so etwas nicht anhört. Das macht aber kaum jemand, weil man da ja nicht in der Sonne steht, sondern ein echtes Ehrenamt leistet. Ich finde es suspekt, wenn jemand dem Verein nur dann etwas zu geben bereit ist, wenn er dafür hofiert wird. Das mag verträumt klingen, so sehe ich es aber.

Ralf Peisl
Ausschnitt aus dem BAC-Flyer für die Wiederwahl von Ralf Peisl. Er gibt einen Überblick, wofür und wogegen Ralf Peisl eintritt.

IGZ: Trotzdem konnte man auch schon Unkenrufe vor 3 Jahren vernehmen, gern mit Verweisen auf Zustände a la Hamburg, welche die Eignung von Fans für dieses wichtige Gremium anzweifelten. Bereitet es dir manchmal Genugtuung wenn du auf 3 konstruktive Jahre Zusammenarbeit verweisen kannst?

Ralf Peisl: Sicher. Wir haben in den drei Jahren manch hitzige Diskussion geführt aber im Endeffekt hat die Arbeit im AR prima funktioniert. Bis auf wenige Ausnahmen sind auch keine Interna nach außen gedrungen. Für mich ist die Schweigepflicht eine berufliche Gewohnheit aber ich freue mich wirklich, dass auch die anderen AR sich nahezu immer daran halten.

IGZ: Wie beurteilst du die Entwicklung des FCN während dieser Zeit?

Ralf Peisl: Wenn man sich die finanzielle Entwicklung ansieht, kann man eigentlich nur hochzufrieden sein. Sportlich darf man sich meiner Meinung nach nicht von der aktuellen Situation irritieren lassen, vielmehr sollte man mal die Platzierungen der letzten Saisons betrachten und die Tatsache, dass der Glubb sich in einer der längsten Phasen der Bundesligazugehörigkeit seit deren Gründung befindet.

IGZ:Kannst du den Mitgliedern vielleicht über Dinge berichten, die du angestoßen oder wesentlich mitgetragen hast?

Ralf Peisl: Nachdem Herr Woy das ohnehin auch öffentlich erwähnt hat, darf ich beispielhaft die moderate Eintrittspreiserhöhung zur aktuellen Saison erwähnen. Da danke ich Herrn Woy auch nochmals ausdrücklich, dass er mein Feedback zu dem Thema so ernst genommen hat. Sonst wäre sein eigentlich ja sinnvoller Trieb, Geld für den Verein heranzuschaffen doch, ich formuliere es vorsichtig, ganz schön hervorgebrochen. Es gibt eine Vielzahl von kleineren und größeren Steinen, die ins Rollen gekommen sind, aber im Hinblick auf die Schweigepflicht möchte ich da Zurückhaltung üben.

IGZ: Mancher würde sich eine derartige Rückmeldung öfter wünschen, kannst du kurz darlegen, warum man als AR eher weniger öffentliche Statements abgibt?

Ralf Peisl
Ralf Peisl – am 14.10. heißt es: Wiederwählen!


Ralf Peisl:
Auf das Gremium als Ganzes bezogen: Das kann man sicher verbessern, ich werde das gerne ansprechen. Unser Vorsitzender ist keiner, der eine öffentliche Stellungnahme scheut.
Was mich persönlich angeht halte ich mich an das oben genannte Versprechen, welchens ich den Fans gegeben habe. Gleichzeitig habe ich aber auch dem Verein versprochen, nichts ohne Rücksprache rauszugeben und ich stehe voll hinter dieser Schweigepflicht. Es ist ja kein Wettbewerb, wer seine AR-Tätigkeit gerade medial am besten verkaufen kann. Vielleicht denkt der eine oder andere Fan dadurch, dass er gar nicht weiß was ich tue. Die Arbeit im AR ist aber eben keine medienwirksame und sollte nicht das Ziel haben sich persönlich zu profilieren. Darum bin ich keiner, der ständig in der Zeitung mit Forderungen oder vermeintlichen Leistungen drängen würde. Ich versuche einfach meinen Job für den Verein unter Berücksichtigung von Faninteressen zu machen und hoffe, dass die wenigen Dinge über die ich sprechen darf, ausreichend sind die Mitglieder ein weiteres Mal zu überzeugen.

IGZ: Wo siehst du noch Entwicklungsspielräume?

Ralf Peisl: Da gibt es jede Menge. Stillstand ist der Tod, man muss sich immer kritisch hinterfragen um besser zu werden. Auch dafür stehe ich, die Glubbfans können vor und nach dem Spiel mit allem kommen, was sie schon immer mal loswerden wollten, auch dies ist Teil des Versprechens an die Fans.

IGZ: Was sind deine ganz persönlichen Ziele für die nächste Amstzeit?

Ralf Peisl: Ich möchte gern weiter dafür stehen, dass der Verein den Kontakt zu Basis nicht verliert. Außerdem wirds natürlich dringend Zeit für die zehnte Meisterschaft, das darf man auch nicht aus den Augen lassen… *lacht*

Wir bedanken uns herzlich bei Ralf für dieses Interview! Wir sehen uns am 14.10.!

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