5. Spieltag Eintracht Braunschweig – 1. FC Nürnberg 1:1

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Ich schreibe wirklich sehr gerne über Fußball. In den letzten Wochen und Monaten verging mir aber die Lust daran. Was soll ich über eine Art zu spielen schreiben, die nur noch am Rande etwas mit Fußball zu tun hat? Gerne zitiere ich eine Erkenntnis der Jungs von www.spielervlagerung.de Spiel zum Spiel gegen Augsburg:

[… ]Problematisch dabei waren die Sechser, welche sich weder kreativ noch aufrückend zeigten. Vereinzelt kippte Balitsch ab, um dem Pressing der Augsburger entgegenzuwirken und Kiyotake ging dann in die Nähe des Sechserraums, ansonsten gab es aber keine wirklichen Mechanismen im Spielaufbau, die über die Grundprinzipien (Spiel breit machen, usw. usf.) hinausgingen. […]

Ich habe Dieter Hecking dafür kritisiert, dass er kein Offensivkonzept besitzt, bzw. dass die Art und Weise seiner Mannschaften zu verteidigen nicht zum Ziel hat einen Gegenangriff zu starten, sondern den Gegner am erfolgreichen Spielaufbau hindern soll. Bedingt durch die zurückgezogene Verteidigungshaltung und das Prinzip „Jeder hinter den Ball!“ wird das eigene Offensivspiel unnötig erschwert.

Wenn jetzt während der Glubb-Spiele Michael Wiesinger und Armin Reutershahn eingeblendet werden, werde ich daran erinnert, dass Dieter Hecking tatsächlich nicht mehr Trainer bei uns ist. Und ich bin froh. Aber sollte ich das sein?

Offensichtlich ist unser Trainerduo vom Geist des Heckingnismus beseelt, ohne diesen richtig umsetzen zu können. Oder anders formuliert: Das Spiel unter Wiesinger und Reutershahn ist eine schlechte Kopie des Spiels unter Hecking. Unser Spiel im Ballbesitz ist nach wie vor grauenhaft, aber zusätzlich ging die defensive Stabilität verloren. Das, was der der Glubb-Fan im Moment zu sehen bekommt, ist die schlechte Kopie einer ohnehin fragwürdigen Spielausrichtung und kann wahlweise als Zumutung oder Unverschämtheit bezeichnet werden.

Im Winter titelte ich noch „Die Schande als Chance“ – und jetzt muss ich konsterniert feststellen, dass die Chance nicht genutzt wurde. Es bestand die Möglichkeit wieder frischen Wind in den Verein zu bringen und sich vom langweiligen Ergebnisfußball zu lösen: Auf der letzten Jahreshauptversammlung wurde stolz verkündet, dass sich der Glubb dem Kurzpassspiel verpflichtet fühlt, dass den Ruhmreichen in den 1960ern zu Ruhm verhalf. Was ist diese Aussage wert, wenn auf dem Platz seit Jahren unstrukturiertes Gebolze geboten wird? Wiesinger und Reutershahn haben nichts davon erreicht. Nach einigen anfänglichen Veränderungen (Höher stehende Außenverteidiger, zaghafte Pressingversuche) wurde genau der gleiche vorhersehbare, statische und unattraktive Fußball geboten, den man in den letzten Jahren bewundern durfte.

Es ist ermüdend darüber zu schreiben, denn die Fehler sind bekannt und sie immer und immer wieder zu wiederholen sinnlos. Es gibt überhaupt keine Struktur in unserem Spiel. Einstudierte Spielzüge fehlen genauso wie ein geplanter Spielaufbau oder vernünftige Laufwege. Was soll man da noch analysieren? Es fehlen die einfachsten Grundprinzipien erfolgreichen Fußballs. Wären Wiesinger und Reutershahn erst seit kurzem im Amt würde ich sagen, kein Problem, das kommt mit der Zeit, aber sie haben es offensichtlich über zwei Vorbereitungen nicht geschafft ein Konzept auszuarbeiten, bzw. dieses Konzept der Mannschaft zu vermitteln. Das ist ein Armutszeugnis und die für mich einzig logische Konsequenz ist die Trennung vom Trainerteam.

Man muss sich das einmal vergegenwärtigen:

Wir schaffen es nicht mit einem Aufsteiger um den Ballbesitz zu konkurrieren. Das ist an sich, nach fünf Jahren Erstligazugehörigkeit beschämend, schmerzt aber doppelt, wenn der Gegner so limitiert aufgestellt ist wie Braunschweig. Entsetzliche 34% unserer Pässe gingen zum Gegner und Braunschweig hatte mehr als doppelt so viele Torschüsse wie der 1. FC Nürnberg. Das tut so weh.

Es ist für mich unbegreiflich, wie beispielsweise unsere Außenverteidiger seit Jahren halbhohe, unmöglich zu kontrollierende Bälle entlang der Außenbahn schlagen und dies – das ist das Schlimmste daran – so etwas wie unser Standard-Spielaufbau ist. Spätestens nach zwei Spielen, von mir aus können es auch fünf sein, muss der Trainer hier einschreiten und sagen: „So kann das nicht weitergehen, da müssen wir etwas ändern!“ Aber anscheinend passiert das nicht, denn ich kann mir auch nicht erklären warum Spieler, die nachweislich nicht flanken können, seit Jahren eine Flanke nach der anderen in Richtung des gegnerischen Tores schlagen dürfen.

Wie konnte es zu diesem Murks kommen? Wir haben uns richtig gut verstärkt, spielen aber – auf gut fränkisch gesagt – „einen Stopfer zusammen, dass es einer Sau nur grausen kann.“ Das Trainerteam hat versagt aus relativ guten Einzelspielern eine Mannschaft zu formen, die zu mehr in der Lage ist als der ein oder anderen individuellen Aktion und die die Qualität auf den Platz bringt, die sie auf dem Papier besitzt. An der Kritik an einzelnen Spielern wird dabei nur selten gespart (Ildiz, Mak, Kiyotake), das große Ganze scheint aber längst aus den Augen verloren gegangen zu sein.

Deshalb kann ich an dieser Stelle nur nochmals den Austausch des Trainerteams fordern: Gegen Dortmund erwartet niemand Wunder und so haben die neuen Verantwortlichen zwei Wochen Zeit die richtigen Schritte einzuleiden. Als Glubb-Fan hat man gelernt vorsichtig zu sein, aber seien wir ehrlich, schlimmer kann es kaum werden!

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Ein Kommentar zu 5. Spieltag Eintracht Braunschweig – 1. FC Nürnberg 1:1

  1. Hubi sagt:

    Hallo Chaos,

    wie passend ist dein Namen zur aktuellen Verfassung unserer Mannschaft 🙂

    Du sprichst mir aus der Seele, das Trainerteam hat versagt!

    Wenn man möchte und wenn das finanziell möglich ist, dann würde ich z. B. den Jupp Heynkes als eine Art „Technischen Direktor“ installieren, der ein bis zweimal die Woche auch beim Training vorbeischaut und die Richtung vorgibt.

    Sollte dies nicht möglich sein, Herr Bader ist ein kluger Kopf und im Vorbericht zum Spiel am Sky Mikrofon hat er ja auch kein deutliches Bekenntnis Richtung aktuelles Trainerteam ausgesprochen, insofern wird es es schon richten…

    Und wir können nur hoffen, dass dies bald geschieht und er aufs richtige „Pferd“ setzt…

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