Ansichten eines Zeitreisenden

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Wenn ich Spiele des 1. FC Nürnberg verfolge, fühle ich mich in die 90er, bzw. frühen 2000er zurückversetzt. Kaum eine Mannschaft wehrt sich mit solcher Vehemenz gegen die Neuerungen des modernen Fußballs wie der Ruhmreiche. Hier regiert der Zerstörer vor der Abwehr und der Irrglaube, dass Flanken das Mittel der Wahl wären um die gegnerische Abwehr zu knacken, erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Ich denke mit Freude an die Zeit zurück, in dem unser defensives Mittelfeld mit Galasek und Mnari besetzt war. Galasek, obwohl in die Jahre gekommen, überzeugte als Stratege, der in der Defensive die Lücken antizipativ stopfte und im Spielaufbau die Pässe spielte mit denen der Ball dorthin gebracht wurde, von wovon sich aus Gefahr entwickeln konnte. Mnari war technisch stark, konnte den Ball behaupten und diesen am Fuß in die Spitze schleppen. Dieses kogeniale Duo bildete völlig unspektakulär und routiniert das Herz der Pokalsiegermannschaft. Keiner der beiden fiel durch markige Worte auf, und sie waren bestenfalls als schweigsam zu bezeichnen und dennoch bildeten sie die Schaltzentrale des Teams, das uns den größten Erfolg in der jüngeren Vergangenheit bescherte.

Was danach in den Köpfen unserer Verantwortlichen vorging, erschließt sich mir nicht. Es wurden zahlreiche Spieler für das defensive Mittelfeld verpflichtet, aber die Qualität der beiden blieb unerreicht. Erst Simons brachte auf diese Position Qualität zurück, jedoch erreichte er im Spielaufbau nie die Klasse von Galasek oder Mnari. Dafür habe ich ihn in der letzten Saison häufig kritisiert, seine Rolle als defensiver Stabilisator aber immer respektiert. Deswegen nochmals diese deutlichen Worte:

Es ist mir völlig unbegreiflich, wie man ein defensives Mittelfeld, das zu den spielschwächsten defensiven Mittelfelden der 1. Bundesliga gehört, zusätzlich noch defensiv destabilisiert und keine Anstalten macht, adäquaten Ersatz zu verpflichten. Stattdessen setzt man einen Spieler auf diese Position, der mit seinem Karriereende kokettiert und dem in der vorausgehenden Saison noch das Vertrauen für diese Position entzogen wurde. Zusätzlich ignoriert man noch das junge Talent, das in den zugegeben wenigen Spielen auf dieser Position, vollkommend zu überzeugen wusste. Es fällt schwer diese Vorgehensweise nicht als FAHRLÄSSIG oder ABWEGIG zu bezeichnen.

Um den Bogen zum Anfang zu schlagen:

Das zentrale (defensive) Mittelfeld ist die Schaltzentrale des modernen Fußballs. Hier wird entschieden, wer das Mittelfeld und damit das Spiel dominiert. Hier wird entschieden, wer die Spiele gewinnt und es reicht nicht, Spieler aufzubieten, die dem Gegner auf den Füßen stehen, bzw. das gegnerische Spiel zerstören. Auf dieser Position werden intelligtente Spieler benötigt, die über den nächsten Pass hinaus denken können und die wissen, wie ein Spiel zu lesen ist. Ansonsten ist man dazu gezwungen immer und immer wieder Flanken aus dem Halbfeld zu schlagen, die Dank gut geschulter Verteidiger und des modernen Torwartspiels selbst für drittklassige Mannschaften keine Probleme mehr darstellen.

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6 Kommentare zu Ansichten eines Zeitreisenden

  1. Michael sagt:

    Die Ansichten bringen es auf den Punkt, allerdings hätte man sandhausen mit einem einfachen mittel schlagen können, bis zur Grundlinie laufen und dann den pass in den rücken der Abwehr, das die schlecht standen, konnte man nach 30 Minuten erkennen. Mal die Gegenfrage, kann es nicht sein, das wir zu wenig Fachkompetenz im Aufsichtsrat haben, bis auf GüKo ist da keiner.

  2. Chaos sagt:

    Mich würde auch interessieren, warum man diese Schwachstelle ignoriert, die selbst Fußball-Laien auffällt.

  3. dinky sagt:

    also das gallasek gut war mnardi a kein zweifel. man darf auch nicht vergessen da war der klewer der uns paar mal im elfer schiessen rettete wir hatten nen mintal der tore an vittek.jetzt reden wegen simons steigen ma ab is für mich hirnlosses denken. das verteidigen fängt beim stürmer an und der angriff beim torwart.diese mannschaft hat substanz nur muss a vom trainer mehr kommen. taktisch fehlt es…ballerobern und na jo solche leute wie esswein und frantz de sollten doch öfters einzelaktionen und direkt zum tor das ein s gegen eins suchen..da zwetschge wäre sicher ne option a wenn keiner ihn mag. nach niederlagen de mannschaft klein reden kann jeder

    • Exilfrange sagt:

      Dinky. Chaos sagt nirgendwo dass wir wegen Simons absteigen würden. Er gibt lediglich zu Bedenken, dass wir schon letzte Saison im DM eine Schwachstelle (von der Spielanlage her) hatten und dass diese noch größer geworden ist. Und das beunruhigt. Selbstverständlich kann es auch gut gehen. Natürlich verteidigt und attackiert eine Mannschft im modernen Fußball gesamtheitlich, das bedeutet aber nicht, dass eine derartige Schwachstelle sich nicht bemerkbar machen würde.

  4. Matthias Denk sagt:

    Absatz 4, Zeile 1 :
    spielwächsten? 😀
    Sollte das nicht „Spielschwächsten“ heißen? 😀

  5. Vielen Dank Chaos für die für die wie immer hervorragende Analyse von Dir. Ich als Fan Deiner Analysen hätte es nicht besser beschreiben können, du hast die Probleme bei unserem Glubb richtig erkannt und vortrefflich beschrieben.

    Man sieht sich im Stadion und zittert gemeinsam dem (noch) vermeidbaren Abstieg entgegen.

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