Ein offener Brief an die Nürnberger Nachrichten

Alles was die Kurve betrifft

Unser Kommentar zur aktuellen Kurvenlage


Folgender Brief ging heute Abend an die Redaktion der Nürnberger Nachrichten. Die IG Zukunft hat gemeinsam entschieden, sich VOR der morgen wohl stattfindenden Choreographie „gegen Gewalt“ öffentlich zu äußern. Wir sprechen sicherlich nicht für alle Fans, aber wir hoffen, dass wir mit dieser Meinungsäußerung etwas Positives bewirken können. 

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Samstag soll, wie Sie auch in den Nürnberger Nachrichten berichtet haben, eine Choreographie „von den Fans gegen Gewalt“ im Max-Morlock-Stadion stattfinden. An und für sich mag für Außenstehende kaum einleuchten, warum diese Aktion augenblicklich in diversen sozialen Medien höchst kontrovers diskutiert wird. Zunächst sollte man ja glauben, dass ein Statement „gegen Gewalt“ von so ziemlich allen getragen werden sollte, denn allein schon rein statistisch haben wir nur sehr wenige tatsächliche Gewalttäter. Dass es trotzdem gute und wichtige Gründe gibt, an der Aktion als Fan nicht teilzunehmen, möchten wir hier kurz erörtern. Bitte verstehen Sie diesen Brief als eine Art „Vorsichtsmaßnahme“, weil wir uns die Schlagzeilen nur allzu gut vorstellen können, wenn am Samstag das halbe Stadion nicht mitmacht. An die NN schreiben wir, weil sie in den letzten Jahren in Sachen Fanpolitik sehr viel dazugelernt hat und durch eine sehr differenzierte Betrachtung aufgefallen ist. Dafür sind nicht wenige Fans sehr dankbar!

Wir von der IG Zukunft, einer unabhängigen Fanorganisation, die sich konstruktive Fanarbeit auf die Fahnen geschrieben hat, lehnen Gewalt wie praktisch alle Fans des 1. FC Nürnberg grundsätzlich ab. Vorfälle wie in Düsseldorf finden auch wir beschämend, unnötig und unsozial den sehr freundlichen Gastgebern in der Düsseldorfer Altstadt gegenüber, auch wenn diese sicher von weit weniger Menschen als der festgenommenen Schar verübt wurden. So entging zum Beispiel ein völlig unbeteiligtes IGZ Mitglied nur knapp dem Festsitzen im Polizeikessel und der darauf üblicherweise folgenden Ingewahrsamnahme. Dies zeigt exemplarisch, dass vermutlich noch viel mehr Unschuldige jetzt rechtlichen Konsequenzen, mindestens aber einem Stadionverbot nach dem Gießkannenprinzip ausgesetzt sind. Demnach sehen wir es auch nicht so, dass der FCN ein generelles „Gewaltproblem“ hätte. Massenveranstaltungen ziehen leider immer auch Menschen an, die sich nicht anpassen und die Freude der anderen durch Gewalt und Vandalismus zerstören wollen. Auf fast jeder Kirchweih, auf fast jedem Rockkonzert und auf anderen Großveranstaltungen kommt es leider zu derartigen Zwischenfällen. Noch nie mussten wir uns danach aber als Kirchweihbesucher oder Rockfan von der Gewalt, für die andere verantwortlich sind, distanzieren. Weder ist ein Kirchweihbesucher für einen geworfenen Maßkrug im Bierzelt verantwortlich, noch ist der durchschnittliche Nordkurvenbesucher für einzelne Hooligans zur Rechenschaft zu ziehen. Aus diesem Grund wüssten wir nicht, warum es nötig wäre, sich erneut von einer Gewalt zu distanzieren, zu der wir eh noch nie gestanden haben, die noch nie Teil unserer Lebensrealität war oder sein wird. Um es einmal salopp zu formulieren: Wenn ein Bürger mutwillig die Zeche prellt, müssen nicht alle anderen Bürger seines Landes sofort ein Statement über Ihr Zahlverhalten in Gaststätten abgeben. Oder wenn einige Motorradgangs sich an illegalen Geschäften beteiligen, müssen sich dadurch nicht per se alle Motorradliebhaber ständig von Gewalt und Kriminalität distanzieren.

Wer auch immer diese Choreo angeleiert hat, versteht im besten Fall nicht, dass man sich mit so einer Aktion in die Selbstrechtfertigungsecke drücken lässt und dass dies dem sachlichen Umgang mit der Thematik einfach nicht zuträglich ist. Sollte diese Entschuldigung der Unwissenheit unzutreffend sein, werden die Gebote der Sachlichkeit eben bewusst ignoriert zugunsten einer plaktiven Aktion, die alle sich am Samstag Verweigernden indirekt als Unterstützer und Billiger von Gewalt brandmarkt. In beiden Fällen bleibt es aber dabei, dass wir diese Aktion nicht guten Gewissens unterstützen können.

Deshalb bitten wir Sie um nur eines: Machen Sie nicht eben diesen Fehler und behaupten, dass jeder, der die „rote Karte gegen Gewalt“ nicht hochhält, automatisch ein Gewalttäter oder Gewaltsympathisant ist. Unsere Kurve ist bunt, unsere Kurve ist Lebensfreude, unsere Kurve ist in ihrer großen Mehrheit friedlich. Wir wollen, dass dies auch so bleibt, doch auf dieses „Zeichen“ verzichten wir gerne.

Mit freundlichen Grüßen

Die Mitglieder der IG Zukunft

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4 Kommentare zu Ein offener Brief an die Nürnberger Nachrichten

  1. Gerhard Pallor sagt:

    Es ist Leiter schonn immer so ,gewessen,das es Solche Debben gegen hat ,die auf Randale und Krawall aus sind ,ich habe Dies schonn immer Abgelend ,auch in den Schlimsten zeiten ,in der Geschichte des 1.fcn.

  2. Rolligünny sagt:

    Es ist mit „Clubfans gegen Gewalt“ auf FB so eine positive Resonanz gekommen,das auch andere Bundesligisten mit machen wie : Augsburg,Fürth,1FCN, HSV,Wolfsburg,FSC Frankfurt, es werden bis zum neuen Saison -start noch mehr dazu kommen weil wir Fans die Nase voll haben das sich vor und in den Stadion Gewalttätige sich prügeln müssen und die friedlichen Fans darunter leiden müssen. Deswegen sagen wir Stopp mit der Gewalt und machen diese Aktion um in Zukunft mit anderen Fans friedlich mit Fangesängen die Spiele anzuschauen.

    • Exilfrange sagt:

      Wie gesagt, wir als Clubfans machen jetzt also ein überregionales allgemeines Statement gegen irgendwas. Noch dazu ein ziemlich insignifikantes (deutschlandweit gesehenes) Irgendwas. Warum denn keine Choreo zu einem wirklichen Problem? Zb dem Außerkraftsetzen der Unschuldsvermutung rund um den Fußball, was ein klarer Bruch unserer Rechtsstaatlichkeit ist. Das würde ich mal gerne sehen, dass die Fans für FANINTERESSEN ihren Mund aufmachen und solidarisch zusammenstehen. Und auch wenn ihr das iwie allgemein meint und nicht als halbes Eingeständnis von einem großen Problem – das wird sicher fast zu 99% genau so verstanden werden – und ist als solches nicht zweckdienlich. Auch wenn ich ja vielen abnehme, dass sie damit eine gute Intention haben. Aber diese Aktion kann halt auch als Schuldeingeständnis und Pauschalverurteilung der lebendigen Kurve gewertet werden – und das werden bestimmte Medien sicherlich auch tun.

      Und das ist eben Populismus, den ich ablehne, auch wenn ich dir keine bösen Absichten unterstelle.

      Warum Populismus?
      Wir haben eine gewisse Klientel die durchaus gewaltaffin ist, das bestreite ich nicht. Es passiert aber relativ wenig und in relativ geringem Ausmaß, sodass man jetzt nicht so tun muss, als sei das ein allgemeines und gigantisches Problem. Es ist ein Problem, was diesen Personenkreis angeht, aber der ist relativ überschaubar. Natürlich ist es ärgerlich, einen gewissen Prozentsatz von Raffern uzu haben, es bleibt bei einer großen und heterogenen Anhängerschaft aber einfach nicht aus. Ich werde mich nicht für die paar % Menschen mit Gewaltneigung rechtfertigen, weil ich mit denen nichts am Hut habe.

      Ansonsten: Gegen die Bestrafung überführter Randalierer usw. ist ja auch nichts zu sagen, allerdings kotzt mich dieses hochgejazze unserer angeblichen Gewaltdimensionen von Medienseite schon genug an, denn das ist die Basis für Gießkannenstrafen, die dann eben mal wieder zahlreiche Unschuldige treffen und die Unschuldsvermutung KOMPLETT außer Kraft setzen. Und dann gibt es eben noch die Fans, die jubilierend in diesen Gesang der maßlosen Übertreibung miteinstimmen und sich damit mitschuldig an der zunehmenden Fanentrechtung machen. Und ja, du bist durch deinen Support der Aktion und der damit einhergehenden Übertreibung des Problems einer davon, auch wenn ich dir persönlich gar nichts will.

      Aber diese Aktion bestätigt quasi alle, die uns bisher nachgesagt haben, dass wir ein Gewaltproblem hätten. Durch eure Billigung dessen fördert ihr indirekt die weitere Außerkraftsetzung unser rechtsstaatlich zugesicherten Rechte.

      Vielleicht wirst du (falls du auswärts fährst) einmal erfahren, wie schnell einen der Bannhammer treffen kann, obwohl ich dir das wirklich nicht wünsche. Für einen der IGZ wars in DüDo schon wieder verdammt knapp, obwohl er nur nichts ahnend aus der Kneipe kam. Mit viel Glück und gutem Zureden kam der noch aus dem Polizeikessel, sonst wäre die Zahl der „Randalierer“ jetzt wieder ein bisschen höher.

      So kommen dann diese Polizeiberichte und Zahlen zustande, die man eben nicht einfach so hinnehmen und glauben darf, sondern kritisch hinterfragen muss. Ich war in Düsseldorf. Es war zu 99% ein absolut faires und wunderbar friedliches Fußballfest mit einem sehr harmonischen Miteinander mit den Fortunen. Dass ein paar Leute sich dann danebenbenehmen, ist ärgerlich und ich finds auch nicht nachvollziehbar, ändert aber am Gesamtbild wenig. Das 1% ist scheiße, wirklich, aber es ist auch nur 1%.
      Ok: wie viele es wirklich waren und wie viele nur miteingekesselt wurden wissen wir nicht. Aber machen wir mal ne Rechnung: 15? 20? 50? 100? Bei 7000 mitgereisten ist das dann knapp über einem Prozent! Die restlichen 98,xy % haben sich nicht schuldig gemacht, werden jetzt aber mit in den Dreck gezogen! Wie gesagt, wie viele es genau waren, keine Ahnung. Auf jeden Fall zweifle ich die offizielle Zahl an, weil ich eben weiß, wie schnell abgeriegelt wurde und wie viele dann festsaßen. Und davon waren dann bestimmt einige nicht mutig oder wortgewandt genug um sich dann noch aus der (unverschuldeten) Lage rauszuquatschen, wie es unserem Mitglied eben noch gelang. Und auch hier gilt die Unschuldsvermutung, dh erstmal muss ich davon ausgehen, dass die Festgesetzten ALLE unschuldig sind bis man ihnen das Gegenteil NACHWEISEN kann.
      Natürlich haben da Leute sich danebenbenommen. Es hat geknallt, das ist Fakt.
      Warum und wie viele genau, das wissen wir nicht. Also Schluss mit der wilden Spekuliererei, die nichts bewerkstelligt als unseren eigenen Ruf in den Dreck zu ziehen!
      Fakten abwarten, dann kann man weiter urteilen als nur „Scheiße, dass überhaupt was passiert ist“. JA! Finde ich auch scheiße.
      Aber es war zum absolut überwältigendem Großteil trotzdem die von allen Seiten aus entspannteste Auswärtsbegegnung seit langem!

      Ihr braucht keine Aktion „um in Zukunft mit ande­ren Fans fried­lich mit Fan­ge­sän­gen die Spiele anzuschauen“, diese Zukunft ist längst Gegenwart.

      Lasst euch von den Medien nicht einreden, das Problem (dessen Existenz ich nicht verneine, allerdings mal im Verhältnis gesehen für ein absolutes Minderheitsproblem halte) sei so groß, dass es iwelche Zeichen oder Aktionen nötig seien. Damit stimmt ihr nämlich unbewusst auch allen Fanentrechtungen zu, die genau an dieser Argumentationsschiene hängen.

      Bitte mal reflektieren. Dankeschön und nichts für ungut. Nochmal: Ich gehe davon aus, dass die meisten von euch es eigentlich nur gut meinen. Es ist trotzdem für die Kurve kontraproduktiv.

  3. Jo sagt:

    @Rolli: ah ja! 🙂

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