33. Spieltag Fortuna Düsseldorf – 1. FC Nürnberg 1:2

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

So da wären wir also, nach mehreren Tagen mit einem vollen Terminplan kam ich endlich dazu, meine Stadioneindrücke durch eine vollständige Videositzung des Spiels zu ergänzen, den Spielverlauf mitzuschreiben (wichtige und charakteristische Ereignisse für beide Mannschaften mit Minutenangabe) und daraus eine Meinung in meinem Kopf zu formen, die ich nun, wie ich hoffe, strukturiert zu Papier bringe. Ich habe über den Verlauf dieser Arbeit einen ganz neuen Respekt für den Aufwand gewonnen, den sich Chaos wöchentlich macht. Ich sage es mal so: Vorschauen zu schreiben ist mir noch nie einfacher vorgekommen. Nun, ich habe nunmal versprochen, eine taktische Analyse zu schreiben und das werde ich, allerdings werde ich die Struktur dabei stärker an der Chronologie orientieren, als es Chaos normalerweise tut. D.h. ihr werdet nachprüfbare Zeitangaben für meine Behauptungen finden und die Spielbeschreibung wird in Halbzeiten (und einen kleinen Exkurs für Ereignisse nach Spielabpfiff) gegliedert sein.

Doch genug der einleitenden Worte, hier kommt Halbzeit 1:

Der Glubb begann sehr verhalten, Düsseldorf war der Zugzwang spürbar anzumerken, die Gastgeber waren von Beginn an voll da und erkämpften sich ein Ballgewinn- und Zweikampfplus. Das mit 2 defensiven Mittelfeldspielern versperrte Zentrum konnte die Fortuna dabei nicht überwinden, aber auf der Außenbahn ging etwas. In den ersten 10, vielleicht 15 Minuten sah man die Rheinländer immer wieder dort aufkreuzen und zur Grundlinie durchmarschieren, ohne aber dass dabei wirklich Gefahr entstand. Es schien mehr das Prinzip Hoffnung vorzuherrschen, dass sich schon irgendein Abnehmer finden würde, was zunächst nicht der Fall war. Es war ein durchschaubarer Plan ohne große Erfolgsaussichten, aber es war immerhin ein Plan. Vom Glubb konnte man als Außenstehender jedenfalls nicht sagen, dass er ebenfalls einen gehabt hätte. Auf dem Papier traten dabei beide Mannschaften mit der gleichen Formation, einem 4-2-3-1 an.

Allgemeine taktische Ausrichtung beider Mannschaften

Idealisierte Ausrichtung beider Mannschaften. Die Realität wich doch in einigen Punkten ab, wie nachfolgend erklärt wird

Obwohl beide Teams nominell ja die gleiche taktische Formation spielten, waren deutliche Unterschiede zu erkennen. Zum einen spielte Düsseldorf die eigene Formation recht strikt herunter, beim FCN gab es eine größere Variabiliät. Mal spielte Pekhart für einen Moment außen, dann wieder Mendler, dann Mak. Aus den 4 Offensiven zog lediglich Esswein selten in die Mitte und blieb seiner Position treu. Zum Anderen spielte Düsseldorf die Stärken des Systems zumindest ansatzweise aus, während der Glubb eine furchtbare erste Halbzeit in allen Belangen, auch taktischer Art, ablieferte.

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Die Offensivspieler stehen immer wieder aufgereiht wie auf einer Perlenschnur, womit sich keine Anspielmöglichkeiten für Sie ergeben. Zudem klafft eine gefährliche Lücke (roter Bereich) zum defensiven Mittelfeld. Düsseldorf wartet genau dort.

Der Spielaufbau war eine einzige Katastrophe. Lange, planlose Bälle auf die Außenbahn, entweder durch Schäfer oder die Verteidigung, mit fast garantiertem Ballverlust. Dafür sorgte schon alleine die oben gezeigte häufige Anordnung der (diesen Begriff allzu wörtlich nehmenden) Offensivreihe. Selbst wenn der Ball auf den Kopf eines Nürnberger Spielers traf, landetete er danach schnell beim Gegner, der die riesige Lücke zwischen Offensive und Defensive auszunutzen versuchte. Mit einem soliden Pressing, was man zu diesem Zeitpunkt beim Ruhmreichen vergebens suchte, gewann die Fortuna so viele Bälle. Bei unseren dann häufig aufgerückten Außenspielern suchte Düsseldorf dann den Weg über die jetzt nur einfach besetzte Außenbahn. Allerdings waren diese Versuche allesamt eher kläglich (2., 4., 25. Min), heraus kam nur ein harmloses Schüßchen in der 16. Minute, dem tatsächlich ersten Torschuss des Spiels, was eigentlich schon alles aussagen sollte über das „Niveau“ dieser ersten Halbzeit. Offensiv ging beim Glubb also nichts, aber defensiv stand man doch ordentlich, oder nicht?

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Der FCN setzte auf die gute alte Verklumpdefensivtaktik. Mit 9 Mann + Torwart hinter den Ball und die Räume dicht machen, vorne steht ein einsamer Pekhart. Düsseldorf steht im Raum verteilt und schafft somit weit besser Anspielstationen, als es der Glubb bei seinen Angriffen in Hälfte 1 tut.

Nun, ja. Schon. Allerdings auf Kosten einer sehr tiefen Staffelung. Gleich 9 Feldspieler klumpten sich immer wieder hinten ein, während Pekhart völlig isoliert alleine vorne stand und auf den Wunderpass wartete. Natürlich kam der nicht, sondern nur weitere planlose Bälle in die Spitze (15., 19., 28., 38., 50. Minute usw. usf.). Lediglich in der 11. Minute hatte unser einziger nomineller Stürmer mal eine Gelegenheit aus dem Spiel heraus, als Mendler einen tollen Pass in die Gasse zauberte. Damit überraschte er nicht nur die gegnerische Abwehr, sondern auch Pekhart, der bei der Durchführung des eigenen Laufwegs den Überblick über den Ball verlor und den Sprint abbrach. Hätte er durchgezogen, hätte es eine gute Chance werden können, doch es war mal wieder nicht der Tag unserer Nummer 9, die weiterhin wie ein Fremdkörper im Spiel wirkt und häufig durch schlechte Laufwege auffällt.

Was gibt es noch zur ersten Hälfte zu sagen? Achja, irgendwann wirkte das Prinzip Hoffnung auf der Seite der Fortuna mal und einer der vielen, ohne große Präzision, vors Tor geschlagenen Bälle fand einen Abnehmer in der Mitte, der vollendete. Kann passieren, das Spiel am Samstag war definitiv nicht das Schlechteste von Balitsch, der auf RV mal wieder einen soliden Job machte. Da ist er jedenfalls allemal wertvoller als im defensiven Mittelfeld, wo der Spielaufbau dringend gefördert werden muss, damit die obig beschriebene Krankheit der langen Bälle in die Spitze bzw. auf die Außenbahn endlich endet. Weiteres Notizwürdiges: Ohne Kiyo und Plattenhardt auf dem Platz sind unsere Standards auch keine Waffe. Eine einzige gute Aktion seitens des FCN stand zu Buche, nämlich eine Einzelaktion Essweins, der nach schnellem Abwurf (!!!) Schäfers zuerst Lambertz und dann Levels stehen ließ und mustergültig auf Mak flankte. Dieser konnte die große Chance aber nicht nutzen und 15 Minuten später endetete die Halbzeit mit einem Rückstand. Eine derart grausame erste Hälfte, dass es kaum Worte gibt. Daher muss es ein Bild tun.

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Ohne weiteren Kommentar.

Halbzeit 2:

Zum Glück war jetzt Besserung in Sicht. Der FCN wechselte für den Magen-Darm-geschwächten Esswein Plattenhardt und somit Standardqualitäten ein. Zudem war die linke Außenverteidigung jetzt somit doppelt abgesichert und allgemein stimmte die Raumaufteilung jetzt wesentlich besser.

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In der zweiten Hälfte stand der FCN leicht höher, stellte mehr Offensivkräfte ab und wartete in 2 geordneten Staffeln, nicht als verklumpter Defensivhaufen auf die Angriffe Düsseldorfs. Die Folge: Bis auf die Schlussphase maximale Souveränität.

Nürnberg musste etwas tun, um nicht das fünfte Mal in Folge als Verlierer vom Platz zu gehen. Es wurde aber nur sehr moderat geöffnet und im Wesentlichen an der Offensivaufteilung gewerkelt, weniger am Defensivverbund. Dort presste man jetzt allerdings wesentlich besser und es gelang somit leichter, Bälle in der Vorwärtsbewegung des Gegners zur erringen und entgegen dieser dann gezielt in die entstehenden Lücken gegenzustoßen.

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Die Raumaufteilung in der Offensive bot jetzt vielfache Möglichkeiten zur Dreiecksbildung und damit Passspiel trotz gegnerischer Deckung. Die Folge: Mehr Chancen.

Der FCN hatte dann auch schnell die erste dicke Chance auf den Ausgleich, die Mendler aber leichtfertig vergab (53.). Doch dann fiel er, der Ausgleich. Offiziell endlich mal wieder nicht nach einem ruhenden Ball, aber das stimmt eigentlich nur auf den ersten Blick. Denn das Tor fällt nach einem Einwurf, als beide Mannschaften mit recht vielen Spielern und sehr wenig Bewegung sich vor Fortunas Tor einfanden. Der Ball kommt zu Klose, der dort einen beinahe ruhenden Ball erhält und in aller Gelassenheit ohne gegnerischen Druck auf den sträflich ungedeckten Mak heben darf. Und Mak zeigt sich endlich einmal kaltschnäuzig, eine Fähigkeit, die ihm zuvor wie danach im Spiel leider abging, sonst wären sicher noch weitere Tore möglich gewesen. Trotzdem ein insgesamt sehr guter Auftritt von ihm, auch wenn es ihm Düsseldorfs Abwehr dort sehr, sehr leicht machte. Einer dieser Auftritte zog dann auch kurz darauf ein gegnerisches Foul und einen Freistoß nach sich. Plattenhardt versenkte diesen äußerst sehenswert im rechten oberen Eck und das Spiel war gedreht. Fortuna war davon geschockt, zeigte Nerven und offenbarte weitere Schwächen. Es wurde sichtbar, warum diese Mannschaft Rückrundenletzter ist. Leider konnte der FCN aus den sich zahlreich bietenden Chancen kein Kapital schlagen und hatte am Ende Glück, dass Fortunas Schlussoffensive an Schäfer scheiterte und die eigene Ineffektivität nicht bestraft wurde.

Insgesamt ein verdienter Sieg, der aber auch offenbarte, wie viele Baustellen es zur neuen Saison zu beheben gibt.

Nach dem Abpfiff:

In den vergangenen Pleitewochen kam es zu Irritationen zwischen Fans und Mannschaft, die auch auf diesem Blog umfänglich thematisiert wurden. Die Fans waren nach diesem Spiel aber eindeutig bereit, trotz sehr mäßiger Leistung alles vergessen sein zu lassen. Alles was die geschätzt 7000 Glubberer wollten, war mit der Mannschaft feiern. Versöhnung. Die Mannschaft wollte nicht, kippte lieber weiter Öl ins Feuer und ging nach kürzest möglichem Abklatschen wieder, ließ sich auch durch entsprechende Rufe nicht mehr umstimmen. Für mich bleibt dieses Verhalten unverständlich, gleich was vorgefallen ist. Denn die Mannschaft ist gegenüber vielen emotioanlisierten Fans in der Position, dass sie über mehr professionelle Sachlichkeit bei den Thematiken verfügt. Somit könnte sie auch beispielhaft vorweg gehen, statt nachtragend zu sein. Denn letztlich, so bescheiden Drohanrufe etc. auch sind, waren es doch einige Wenige, die derartig entgleist waren. Dafür alle anderen Mitgereisten in Sippenhaft zu nehmen, war wirklich unschön, unnötig und dann jetzt hoffentlich wirklich dieser unschönen Geschichte letzter Akt.

Von einigen ganz Wenigen kann man dann bei den Vorfällen viel später in der Nacht aber wohl leider nicht mehr reden. Und ja, die Zahl von knapp 300 kann durchaus angezweifelt werden und untermauert mal wieder das Gießkannenprinzip und die Verletzung der Unschuldsvermutung bei Fußballspielen – ein IGZ Mitglied wäre beispielsweise um ein Haar ebenfalls, obwohl völlig unbeteiligt, Teil dieser Zahl geworden, hätte man ihn nicht netterweise doch noch aus dem bereits abgeriegelten Polizeikessel gelassen. Somit kann es als wahrscheinlich angesehen werden, dass noch weit mehr Unschuldige unter den 300 sind. Trotzdem war es wohl doch eine nicht mehr ganz so kleine Schar, die es am letzten Auswärtsspiel der Saison nochmal richtig krachen ließ. Herzlichen Glückwunsch, durch diese Aktion habt ihr vieles beschädigt, wofür viele von uns kämpfen. Mitbestimmung und Mitarbeit im Verein, das wird jetzt wieder um Längen schwerer. Ganz zu schweigen vom vermutlich völlig anders ablaufenden nächsten Auswärtsspiel in Düsseldorf, wo man die Blocksperre und Polizeieskorte der Fan-Busse schon jetzt als beschlossen ansehen darf. Und dann wäre da noch die Kleinigkeit, dass ihr damit Leuten wie Wendt, Herrmann und den Medien (und allen Leuten, die sich darüber informieren) wieder einmal die einfachsten und billigsten Argumente frei Haus liefert, warum es gut und richtig ist, uns Fans weiter zu entrechten. Ich bin entsetzt und fassungslos.

Bildquelle: ClubTV

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