32. Spieltag 1. FC Nürnberg – Bayer 04 Leverkusen 0:2

Spieltagsanalyse

Artikel zum aktuellen Spieltags unseres geliebten 1. FC Nürnbergs

Trotz einiger Veränderungen in der Startelf blieb der Erfolg am heutigen Tag aus. Immer mehr verstärkt sich dabei der Eindruck, dass mit personellen Veränderungen allein das Ruder nicht mehr herumzureißen ist. Entscheidungen in Art derer, wie Balitsch für Chandler spielen zu lassen, haben nur minimalen Einfluss auf das Spiel des Glubb. Der Kader ist ausgeglichen, doch die Frage ist auf welchem Niveau? Wichtiger als personelle Veränderungen wäre die Erarbeitung eines Team-taktischen Konzeptes, das die Stärken und Schwächen des Spielermaterials des 1. FC Nürnberg berücksichtigt und gegnerspezifisch modifizierbar ist.

Normalerweise ist der Glubb für stärkere Mannschaften ein unangenehmer Gegner, jedoch hat Leverkusen heute exemplarisch gezeigt, wie die größte Stärke des Glubb, die Kompaktheit, auszuhebeln ist. Ich erwarte zukünftig ähnliche Ansätze von anderen Mannschaften und der 1. FC Nürnberg sollte schleunigst einen Gegenplan entwickeln. Der Glubb begann im 4-2-3-1 und Leverkusen bot ein 4-3-3 auf. Systeme mit drei Stürmern sind relativ selten, aber die Formation von Leverkusen war ein richtiges 4-3-3. Das wäre an sich sehr interessant zu beobachten gewesen, wäre der Glubb nicht so gewaltig unter die Räder gekommen.

Allgemeine taktische Ausrichtung beider Mannschaften

Allgemeine taktische Ausrichtung beider Mannschaften. Pfeile zeigen typische Laufwege an.

In der Regel gilt, dass kompakte Mannschaften am besten durch Breite zu bespielen sind, zum Beispiel dadurch, dass die Außenstürmer die Außenbahn halten und die Viererkette auseinander ziehen. Leverkusen wählte jedoch einen komplett anderen Ansatz: Die Außenstürmer Sam und Schürrle waren sehr zentral orientiert und zogen nur situationsbedingt auf die Außenbahn. Als Folge mussten sich auch ihre Gegenspieler Balitsch und Plattenhardt eher zentral orientieren. Dies führte dazu, dass die Außenbahn offen war und die gegnerischen Außenverteidiger aufrücken konnten. Wurden diese nicht konsequent von ihren Gegenspielern verfolgt, so geschehen zum Beginn der Partie, als Mak Boenisch laufen ließ, hatten die Außenverteidiger sehr viel Freiraum. Dies zwang wiederum die Außenverteidiger des Glubb aus der Mitte herauszurücken und den Gegenspieler zu stellen, wodurch in der Mitte drei Abwehrspieler gegen drei Stürmer spielten. Um das Übel zu vervollständigen, stießen die außen positionierten zentralen Mittelfeldspieler der Leverkusener, Castro und Rolfes, in genau diese Räume zwischen dem herausrückenden Außenverteidiger und der Innenverteidigung und konnten somit immer wieder in den Strafraum eindringen. Simons und Stark wirkten durch diese Läufe immer wieder überfordert und konnten sich weniger zentral positionieren als gewünscht. Dies resultierte darin, dass auch das Zentrum destabilisiert wurde und Leverkusen auch vor der Abwehrreihe des 1. FC Nürnberg den Ball zirkulieren lassen konnte. Die beschriebenen Vorgänge sind in nachfolgender Animation nochmal bildlich dargestellt.

Leverkusen schafft Freiräume und Überzahlsituationen

Leverkusen schafft Freiräume und Überzahlsituationen. Pfeile zeigen Laufwege, gestrichelte Pfeile Pässe.

Was hätte man dagegen tun können? Eine Umstellung auf ein 4-4-1-1 hätte die Laufwege der Außenstürmer des Glubbs in der Defensive verringert und um den Raum vor der Abwehr kompakter gestaltet. Auch ein 4-4-2 wäre aufgrund dieser Überlegungen ein interessanter Ansatz gewesen. Unabhängig von der Formation hätten die dynamsichen Bewegungen der Leverkusener besser verfolgt werden müssen. Auch eine Abkehr von der Mannorientierung, die schlussendlich große Lücken riss, wäre überlegenswert gewesen. Vor allem aber hätten die Mannschaftsteile enger zusammenstehen müssen um den gegnerischen Kombinationsraum zu verringern. Leider gab es während des gesamten Spiels keine größeren taktischen Anpassungen.

Damit ist die Geschichte dieses Spiels eigentlich geschrieben. Über Leverkusen gibt es viel zu berichten, über den Glubb dagegen weniger, jedenfalls dann, wenn man sich nicht Woche für Woche wiederholen möchte. In der Offensive sah man die altbekannten Muster, die keinen Gegner das Fürchten lehren und die Defensive wurde wie beschrieben auseinander genommen. Die Offensivbemühungen wirken auf mich teilweise wie Karikaturen des modernen Fußballs. Jeder Gegner gibt sich damit zufrieden das Spiel des Glubb auf die Außenbahn zu lenken und der Glubb hat auch kein großes Interesse daran irgendwelche Bemühungen durch das Zentrum zu forcieren. Leverkusen hat das heute noch besonders geschickt gemacht indem sie Nilsson und Klose mit drei Mann die Mitte versperrt und die Außenbahn geöffnet haben. Die Frage, warum sich dann keiner der Sechser des 1. FC Nürnbergs auf Höhe der Innenverteidiger fallen lässt um das Spielgeschehen an sich zu reißen frage ich mich jetzt seit mehreren Jahren. Von Stark kann man das wohl noch nicht erwarten, Simons dagegen kann will oder soll es nicht tun. Jedenfalls sieht jeder Angriff identisch aus: Der Ball wird von Innenverteidiger zu Innenverteidiger gespielt, irgendwann auf die Außenverteidiger gepasst und dann die Außenstürmer „eingesetzt“. Das sieht dann meistens so aus, dass der Glubb sich Einwurf für Einwurf in Richtung des gegnerischen Strafraums nähert, viel auf individuelle Aktionen vertraut und früher oder später eine hohe, unpräzise Flanke in Richtung Mittelstürmerposition bringt, dieser Ball leicht geklärt wird, sei es durch die Abwehr oder den Torwart, und die Spieler versuchen müssen den Konter zu unterbinden. Besonders hervorzuheben sind in diesem Kontext die Halbfeldflanken von Chandler, der diese auch dann spielt, wenn er noch zwanzig Meter Platz vor sich hat. In diesem Zusammenhang frage ich mich, wie wenig individualtaktisches Verständnis vorhanden sein kann, bzw. warum das Fehlen dieses nicht durch klare Team-taktische Marschrouten aufgefangen wird, vor allem aber, warum sich hier in den letzten Jahren absolut nichts verbessert hat.

Ich bin wirklich ratlos und deswegen fällt diese Analyse auch sehr kritisch aus. Aber meine Geduld ist langsam am Ende. Ziel muss es jetzt sein, die Saison brauchbar zu Ende zu bekommen und sich in der nächsten Spielzeit von den völlig veralteten Spielmechanismen zu lösen. In der nun kommenden, immerhin fünften Erstligasaison in Folge muss eine spielerische Verbesserung erfolgen und hier sehe ich die Verantwortlichen um Trainerteam und sportliche Leitung in der Pflicht!

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3 Kommentare zu 32. Spieltag 1. FC Nürnberg – Bayer 04 Leverkusen 0:2

  1. Franz Meister sagt:

    Wie immer , fabelhaft treffende Analyse ! Hier schreibt ein Trainerprofi, oder ?

  2. Jürgen sagt:

    Gute Analyse ! Ärgere mich schon seit über 2 Jahren über die langsame und veralterte Taktik unseres Clubs, bei aller Freude über den jährlichen Klassenerhalt. Denke aber auch, daß wenn wir so weitermachen, ist der Abstieg kommende Saison durchaus realistisch. Habe das erstemal gelesen daß noch jemand unseren Timmy nicht nur positiv sieht. Bei allem Respekt für seien Einsatzwillen und Charakter, braucht man für die Zukunft auf dieser Position einen Spieler der ein Spiel eröffnen kann. Und, um die Gegner unter Druck zu setzen brauchen wir auch schnelle Außenverteidiger, die auch mal einen guten Paß spielen können. Hoffen wir, daß diese Negativserien unseren Verantwortlichen die Augenöffnet.

  3. h sagt:

    Taktik hin Taktik her,wenn die Umsetzung der Spieler nicht passt nützt keine Taktik was. Mit mangelnder Laufbereitschaft und Zweikampfbereitschaft sowie nicht ausreichender Grundschnelligkeit etlicher Spieler kann man kein Spiel gewinnen. Esswein schaut nach Spielende genauso frisch gefönt aus wie vor dem Spiel. Pekhart würde mit seiner Antrittsschnelligkeit in der BOL Probleme bekommen. Der Torinstinkt ist bei ihm überhaupt nicht vorhanden. Plattenhart fehlt noch der Biss sowie die Grundschnelligkeit. Balitsch ist der „Vorzeigedurchschnittsspieler.
    Einen spielstarken Sechser braucht die Mannschaft dringend.
    Zum Thema Trainer: hier hat sich gezeigt ,dass durchschnittliche Mannschaften mit einem eher temperamentvollen Trainer besser fahren.Vor allem sollte er taktisch flexibel sein und während des Spiel schnell handlungsfähig sein. Die Mannschaft soll ja mit Aggressivität und Spielfreude die Fans im Stadion in Partylaune versetzen. Auf kostspielige Einkäufe siehe Pekhart und Charisteas sollte man verzichten .
    Wichtig: Der Trainer muss die Mannschaft mit seiner Philosphie mitreißen. Von der Mannschaft wiederum muss die Begeisterung auf die Fans überspringen. Beispiel: Freiburg Mainz Dortmund oder Braunschweig.
    Fazit: Ein kleiner Umbruch im Kader ist unbedingt nötig.
    Mit einem kompetenten Trainer ist dieser auch finanzell machbar.
    Man sollte das Glück nicht zu lange strapazieren

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